Interview

Luke über seine Vorabendsendung: ,Ich wollte mal so eine Anti-TV-Show machen'

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Im Gespräch mit Quotenmeter.de zieht Luke Mockridge erstmals und exklusiv ein Fazit zu seinem zehn Ausgaben langen Live-Experiment «Luke, allein zuhaus». Wie die Idee entstand, warum er mit der Show zufrieden ist und weshalb er trotzdem denkt, dass die Zuschauer nun erst einmal nicht mehr an Corona erinnert werden wollen...

Zur Person: Luke Mockridge

Luke Mockridge wurde 1989 in Bonn geboren. Sein Vater ist der aus der «Lindenstraße» bekannte Bill Mockridge, seine Mutter die Schauspielerin Margie Kinsky. Seit 2012 tourte Luke mit seinem Soloprogramm «I'm Lucky, I'm Luke!» durch Deutschland, ein Jahr später gewann er bereits den Comedypreis in der Kategorie "Bester Newcomer". Für Sat.1 produzierte Luke Mockridge zwischen 2015 und 2018 fünf Staffeln von «Luke! Die Woche und ich», seit 2017 ist «Luke! Die Schule und ich» fester Bestandteil im Frühjahrs-Programm von Sat.1. Im Herbst des letzten Jahres startete sein Haussender das Primetime-Format «Luke! Die Greatnightshow», das ebenfalls fortgesetzt werden soll. Beim Comedpreis 2019 räumte er zum dritten Mal in Folge die Auszeichnung für den erfolgreichsten Live-Act ab und wurde zudem zum besten Komiker gewählt.
Luke Mockridge, wir starten mit einer Preisfrage. Von wem stammt wohl das folgende Zitat: „Ich glaube, dass ich von meiner Reife und von meinem Alter her noch nicht die Erfahrung hätte, eine Daily zu stemmen.“?
(lacht) Ich glaube, dieses Zitat ist von mir und kommt aus dem Jahr… vielleicht aus 2017?

Richtig, das haben Sie im November 2017 bei Quotenmeter gesagt. Mit «Luke, allein zuhaus» haben Sie kürzlich zwei Wochen lang eine tägliche Live-Show für Sat.1 produziert. Könnten Sie sich eine dauerhafte Daily nach dieser Erfahrung eher vorstellen - oder nun erst recht nicht mehr?
Daily ist ja nicht gleich Daily. Das eine, über das ich auch damals gesprochen habe, wäre eine tägliche Show, die die Zuschauer Abend für Abend ins Bett bringt und das Tagesgeschehen satirisch aufarbeitet. Dafür braucht es meiner Meinung nach ein gewisses Alter und eine Haltung und Meinungsstärke, die ich auch mit 31 Jahren noch immer nicht so authentisch bedienen könnte, wie man das von mir verlangen würde. Was wir jetzt getestet haben, war mehr so eine Art Spiel- und Trainingsplatz, auf dem man sich mal ausprobieren konnte. Ich bin Sat.1 sehr dankbar, dass sie dieses Live-Fernsehexperiment unabhängig von Quoten eingegangen sind. Und ich analysiere und bewerte dabei das, was ich in den zwei Wochen gelernt habe. Nachdem ich am Anfang sehr wackelig war, fühlte ich mich am Ende total wohl. Eine Stunde live vor der Kamera zu stehen, fühlte sich grundsätzlich erstmal gut an.

Wie genau kam es überhaupt zu dem spontanen Projekt?
Neun Tage vor dem Start der Show hatten wir das erste Telefon-Meeting. Da bei mir Tour-Termine ausfielen und wir für unsere Schul-Show eh im Haus waren, ließen wir uns gerne auf das Experiment ein. Intern hatte ich bereits in der Vergangenheit den Wunsch geäußert, mal sämtliche Regeln des Fernsehens außer Acht zu lassen und mich in einem Format völlig freizuschwimmen. Auf der Bühne ist man sowieso freier, da kann ich jeden Abend neu gestalten. Beim Fernsehen ist das anders, da muss man Regeln befolgen. Ich wollte mal so eine Anti-TV-Show machen. Rückblickend ist das vielleicht eine arrogante Sichtweise gegenüber so einer Fernsehsendung, aber die Show entstand tatsächlich aus so einer ,Lass doch einfach mal machen‘-Idee heraus und wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Wie zufrieden sind Sie im Rückblick mit der Umsetzung dieser „Lass doch einfach mal machen“-Idee?
Mir war von Anfang an klar, dass die Sendung erst ab Rotlicht weiß, was sie ist. Normalerweise hat man vorher einen Produktionsplan, Abläufe und sinnige Dinge, die man miteinander verbindet. Bei «Luke, allein zuhaus» dachte wir uns hingegen: Wir springen einfach mal ins Wasser und gucken, ob wir schwimmen können. Ich bin kein Schreibtisch-Typ, der im stillen Kämmerlein irgendwelche Sachen entwickelt, das passiert bei mir aus einem Live-Momentum heraus. Aller Anfang ist schwer, in «Luke, allein zuhaus» musste ich genauso reinwachsen wie damals in «Luke! Die Woche und ich». Nach der ersten Folge von «Luke, allein zuhaus» wussten wir aber auch sofort, an welchen Schrauben wir drehen mussten. Man weiß es halt erst, wenn man es macht.

Links und rechts sind zuletzt ja viele dieser Corona-Spontan-Shows implodiert (...). Alle habe den Stein der Weisen gesucht und ich glaube, dass ihn bisher noch keiner gefunden hat. Ich denke aber wirklich, dass jetzt erstmal Eskapismus angesagt ist und die Leute inhaltlich nicht an die aktuelle Situation erinnert werden wollen. Stattdessen will man Shows wie «Let’s Dance», «The Masked Singer» und ganz bestimmt «Luke! Die Schule und ich» sehen und das Gefühl vermittelt bekommen, dass alles so ist wie immer.
Luke Mockridge über spontane Shows in Zeiten von Corona
Während Sie sich inhaltlich zunehmend zurecht fanden, gingen die Quoten stetig zurück. Wie frustrierend ist das?
Das ist gar nicht frustrierend. Natürlich ist Quote eine Währung, mit der wir Erfolg messen – aber das ist es ja auch nicht ausschließlich. Dass ich in der Sendung einfach zehn Stunden Live-Fernsehen machen durfte und dabei eine Menge lernen konnte, ist mit keinem Quotenerfolg aufzuwiegen. Links und rechts sind zuletzt ja viele dieser Corona-Spontan-Shows implodiert. Man hat förmlich gemerkt, wie innerhalb einer Woche alle möglichen Produktionsfirmen mit spontanen Formatideen aufkreuzten. Alle haben den Stein der Weisen gesucht und ich glaube, dass ihn bisher noch keiner gefunden hat. Ich denke aber wirklich, dass jetzt erstmal Eskapismus angesagt ist und die Leute inhaltlich nicht an die aktuelle Situation erinnert werden wollen. Stattdessen will man Shows wie «Let’s Dance», «The Masked Singer» und ganz bestimmt «Luke! Die Schule und ich» sehen und das Gefühl vermittelt bekommen, dass alles so ist wie immer.

Welche Learnings ziehen Sie aus dem Experiment?
Wir mussten aufgrund der Studio- und Publikumssituation bei dieser Sendung die Variable ,Show' aus der Gleichung nehmen. Das hat dazu geführt, dass man weniger Showmaster und mehr Mensch vor der Kamera ist. Das hat mir aus Künstlersicht gut gefallen, da ich ehrlicher mit dem Zuschauer umgehen durfte. Das ist nach fünf Jahren Arena-Tour und «Greatnight-Show»-Wahnsinn ein befreiendes Gefühl. Ich werde in Zukunft den ,Mensch' Luke noch mehr in die Manegen-Illusion meiner Shows einpflegen, da ich gelernt habe, ihm vertrauen zu können.

Sie gehören seit Jahren zu den beliebtesten und erfolgreichsten Comedians des Landes. Was zeichnet die Marke und den Comedian Luke Mockridge Ihrer Meinung nach aus?
Ich kann nur sehr bedingt mit Autoren zusammenarbeiten, weil ich alles, was ich mache, weniger über einen Gag, als über ein Gefühl generiere. Ich kann zwar darüber lachen, aber könnte nie im Leben Shows wie die von Markus Krebs oder Hugo Egon Balder machen, ich bin einfach kein Witze-Erzähler. Ich bin kein Komiker oder Clown in dem Sinne, sondern komme bei meiner Arbeit immer über eine Emotion. Angefangen hat das mit spezifischen 90er-Jahre-Beobachtungen über die ich oft von TV-Redakteuren hören musste: Nette Nummer, aber Center Shocks kennt keiner. Der gleiche Mechanismus greift bei meiner bald erscheinenden Netflix Serie oder einer Show wie «Catch!» – jeder hat Fangen gespielt und hat Erinnerungen daran. Das Suchen eines gemeinsamen emotionalen Nenners ist bei mir immer das Erste. Wenn man diese Brücke geschlagen hat und der Zuschauer andockt, kann man anfangen, Gemeinsamkeiten und Beobachtungen herstellen oder komplett ins Absurde zu gehen. Egal wie krude manche Ausfahrten sind, der Startpunkt jeder Nummer entspringt der Wahrheit. Zusammengefasst: Aus einer spezifischen Beobachtung, ein kollektives Erlebnis machen. Gags vergisst man, Gefühle nicht.

Ich bin kein Komiker oder Clown in dem Sinne, sondern komme bei meiner Arbeit immer über eine Emotion.
Luke Mockridge
An eine Live-Tour durch ganz Deutschland vor tausenden Zuschauern dürfte aktuell nicht zu denken sein. Wie wollen Sie die nächsten Wochen ohne tägliche Vorabend-Sendung bei Sat.1 verbringen?
Bis jetzt bin ich durch dieses Jahr total durchgerannt. Es begann Anfang des Jahres mit einem Fiction-Projekt, das wir für Netflix realisiert haben. Das umfasste 30 Drehtage, wobei ich in jeder Szene zu sehen bin. Das war anders anstrengend als eine TV-Show. Von der kann man mehrere Stunden an einem Tag produzieren, bei der Serie waren es drei bis fünf Minuten am Tag. Die letzten Wochen waren dann sehr arbeitsintensiv mit meiner Daily und zeitgleich der Produktion von «Luke! Die Schule und ich». Ich freue mich deshalb gerade, ein paar Tage zur Ruhe zu kommen. Über Zoom möchte ich mit meiner Band jetzt ein bisschen Musik machen. Und nebenbei arbeite ich an einem Drehbuch zu einem neuen Fiction-Projekt, das ich für mich gerade so ein bisschen verfolge.

Spannend! Gibt es schon einen Abnehmer für dieses Projekt?
Den gibt es! (lacht)

Bei dem Fiction-Projekt, das Sie unlängst für Netflix verwirklicht haben, handelt es sich um die Serie zu dem Buch „7 Kilo in 3 Tagen“. Sind Sie damit noch vor Corona fertig geworden?
Wir merkten alle am Set in Monschau in der Eifel, wie das Thema immer weiter auf uns zukam und alles zunehmend ernster wurde. Aber Gott sei Dank konnten wir noch vor den Beschränkungen fertig produzieren.

Wovon handelt die Serie?
Die Serie handelt von einem 30-jährigen Loser, der Weihnachten nach Hause kommt, und basiert auf dem Buch meines Freundes Christian - Pokerbeats - Huber. Ich komme ja aus einem kleinen Kaff bei Bonn und finde es immer wieder schön, zwischen Weihnachten und Neujahr ein paar Tage zu Hause zu verbringen. Zurück, in sein altes Leben zu kommen, in seinem Kinderzimmer zu schlafen, die Freunde von früher zu sehen – und in den neuen alten Gossip einzutauchen. Ich konnte mal was anderes machen und ich bin sehr froh, dass wir es noch in Ziel geschafft haben.

Zu sehen, dass Leute über Grenzen hinweg Deine Show-Idee und Impulse nehmen und daraus erfolgreichen TV-Content fürs Ausland produzieren, macht einen schon stolz.
Luke Mockridge
An der Serie waren Sie auch als Co-Produzent über ihre eigene Firma Lucky Pics beteiligt, die seit zweieinhalb Jahren existiert. Sitzen Sie seitdem eigentlich mehr im Büro am Schreibtisch?
Gar nicht so sehr! Bei Lucky Pics haben wir eine Doppelspitze. Ich bin der, der zwar länger ausschläft und mit Schlabberpulli bei der Geschäftsführer-Versammlung sitzt, aber die Ideen, Energie und den Wahnsinn reinbringt. Im Grunde genommen ein einziges Klischee.

Ihre Formate laufen inzwischen auch schon im Ausland. Ist das nicht das größte Lob, was man als Entwickler dieser Produktionen bekommen kann?
«Catch!» haben wir nach Ungarn verkauft, die setzen das genau in unserer Aufmachung um. «Luke! Die Schule und ich» läuft in Spanien unter dortigem Titel «Celebrity School» sehr erfolgreich – auch die nutzen 1:1 unsere Spiel-Set und Showarchitektur. Zu sehen, dass Leute über Grenzen hinweg deine Show-Idee und Impulse nehmen und daraus erfolgreichen TV-Content fürs Ausland produzieren, macht einen schon stolz. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die reine Idee stark genug ist, dass sie auch ohne die Zutat ,Luke' funktionieren kann.

Welche Änderungen die Zuschauer bei der neuen Staffel von «Luke! Die Schule und ich!» erwarten und wie Luke Mockridge inzwischen auf seinen heiß diskutierten Auftritt im «Fernsehgarten» im vergangenen Sommer schaut, lesen Sie am Freitag im zweiten Teil unserer Interviews bei Quotenmeter.de.

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