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Interview

Luke Mockridge: ,Humor war immer meine Waffe und mein Überlebensmechanismus'

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Im exklusiven Interview mit Quotenmeter.de spricht Luke Mockridge über den Erfolg seiner wöchentlichen Show am Sonntagabend, das Lebensgefühl der 90er Jahre und Humor in vermeintlich schwierigen Situationen.

Zur Person: Luke Mockridge

Luke Mockridge ist der Sohn des aus der «Lindenstraße» bekannten Bill Mockridge und wurde 1989 in Bonn geboren. Seit 2012 tourte er mit seinem Soloprogramm «I'm Lucky, I'm Luke!» durch Deutschland, ein Jahr später gewann er bereits den Comedypreis in der Kategorie "Bester Newcomer". Seine Sat.1-Show «Luke! Die Woche und ich» befindet sich derzeit in ihrer vierten Staffel und holte erst kürzlich einen neuen Quotenrekord. Bei der Verleihung des Deutschen Comedypreises 2017 räumte Mockridge gleich zwei Auszeichnungen ab - eine für «Luke! Die Woche und ich», die andere für den erfolgreichsten Live-Act (mehr dazu hier).
Luke Mockridge, herzlichen Glückwunsch nachträglich zu Ihren zwei Comedypreisen. Haben Sie bei aller Arbeit in den letzten Tagen Zeit gefunden, die Auszeichnungen ein wenig zu feiern?
Da am nächsten Tag leider schon wieder TV-Aufzeichnungen anstanden, konnte ich nicht ganz so ausgiebig feiern wie 2013, als ich als bester Newcomer ausgezeichnet wurde. Aber es war trotzdem ganz lustig! Auf der Party war ja auch Hape Kerkeling, da habe ich mich ohnehin mehr wie ein Fan und weniger als Preisträger gefühlt.

Einen der Comedypreise haben sie für «LUKE! Die Woche und ich» bekommen. Die aktuelle Staffel scheint am Sonntagabend quotentechnisch auf Rekordkurs unterwegs zu sein. Kürzlich reichte es sogar zu mehr als 18 Prozent Marktanteil. Hat sich Herr Pflüger schon bei Ihnen bedankt?
Ja, tatsächlich! Wir tauschen uns regelmäßig über WhatsApp aus – übrigens auch mit Wolfgang Link. Bei guten Quoten sind die Nachrichten natürlich voller schöner Emojis,da lassen sie sich Woche für Woche was Nettes einfallen.

In den ersten beiden Staffeln lief Ihre Sendung häufig unterdurchschnittlich. Wie ist es Ihnen gelungen, zusätzliche Zuschauer hinzuzugewinnen?
Ich glaube, dass viele Faktoren hier eine Rolle spielen. Wir waren quasi wie ein Bundesliga-Aufsteiger, der in der ersten Saison gegen den Abstieg gekämpft hat und sich Stück für Stück hochgekämpft hat, weil wir dran geblieben sind, uns weiterentwickelt und aus Fehlern gelernt haben.

Fällt Ihnen eine konkrete Sache ein, die in Staffel eins noch nicht so gut lief, die jetzt einfach besser funktioniert?
Was in der Natur der Sache liegt, ist, dass ich mich inzwischen wohler im Studio fühle! Natürlich ist man im ersten Moment überfordert mit der neuen Situation, vorher war ich ja immer nur auf Bühnen gewesen. Und da muss man schon anders performen als im Fernsehen. Im Fernsehen hat jeder einen Sitz in der ersten Reihe, weshalb man zum Beispiel noch entspannter an die Sache herantreten muss. Aber das sind alles Erfahrungen, die auch ich erst machen musste. Inzwischen bin ich entspannter, lockerer und ich fühle mich halt sicherer im Studio.

Lassen Sie uns über Ihre neue Show reden, «LUKE! Die 90er und ich». Wie ist die Idee zu dem Format entstanden?
Wir saßen zusammen mit Sat.1 und der Geschäftsführung von Brainpool und haben begonnen zu überlegen. «LUKE! Die Schule und ich» hatte mit bis zu 13,5 Prozent in der Spitze ja gut funktioniert und dann haben wir überlegt, was wir noch machen könnten. In meinem Solo-Programm hatte ich immer gute Erfahrungen damit gesammelt, die 90er-Generation anzusprechen - aber halt nicht in diesem RTL-Style, wo man sich einfach zusammensetzt und Musik von damals anhört. Wir wollen viel mehr in die Materie einsteigen und das Kollektiv-Gefühl der 90er-Generation erreichen. Die 90er-Generation war immerhin die letzte vor der Digitalisierung, die sich um 15 Uhr am Spielplatz verabredet hat. Genau das wollen wir zelebrieren – mit all den Hits, Gadgets und dem Gossip von damals!

In meinem Solo-Programm hatte ich immer gute Erfahrungen damit gesammelt, die 90er-Generation anzusprechen - aber halt nicht in diesem RTL-Style, wo man sich einfach zusammensetzt und Musik von damals anhört. Wir wollen viel mehr in die Materie einsteigen und das Kollektiv-Gefühl der 90er-Generation erreichen.
Luke Mockridge
Sie selbst sind ein Kind der 90er. Was verbinden Sie mit dem Jahrzehnt - abgesehen von den Backstreet Boys?
(lacht) Für mich persönlich war es natürlich meine Kindheit, deshalb ist es rein subjektiv eh eine entspannte, schönere, heilere Welt als jetzt. Aber wenn man auch bedenkt, dass im Jahr 2001 auf einmal Schlagworte wie Terror, Bin Laden und Krieg fielen - da vermittelten die 90er doch irgendwie ein Gefühl von 'Die Welt ist noch in Ordnung'.

Gutes Stichwort. Vor der Jahrtausendwende hat über Digitalisierung noch keiner gesprochen, auch das Thema Globalisierung war nicht so präsent wie heute. Ist die Welt heute eine kompliziertere als damals?
Naja, die Welt ist immer das, was man selber draus macht. Natürlich ist es eine spannende Frage, wie wir heutzutage Erwachsenwerden - wir leben ja in einer Welt, in der zwischen Start-up-Milliardär, Tellerwäscher und erfolgreichem Playstation-Profi alles möglich ist. Die Welt ist sehr kleinteilig geworden durch Globalisierung und Digitalisierung. Das sehen wir auch bei Dingen wie Trends, Musik oder Kultur. Wir waren in den 90er-Jahren vermutlich die letzte Generation, die noch einen Mainstream hatte. Auf den Bravo-Hits-CDs hatten wir die 30 Songs, die jeder auswendig konnte. Welche Lieder heute alles in den Charts sind? Ich weiß es gar nicht - anders als zu Zeiten von VIVA und MTV. Bei all den Gruppierungen und Abspaltungen, die es heute auch durch das Internet gibt, fehlt ein gemeinsamer Konsens als Gesellschaft. Umso schöner ist es, die 90er zu zelebrieren - da kommt ein Kollektivgefühl auf, weil es eine Zeit war, in der wir eben alle zu Macarena tanzten!

Gehört zu diesem Kollektivgefühl der 90er-Jahre auch das Fernsehen, das damals vielmehr noch verbindendes Element war als es das heute ist?
Absolut! Ein gutes Beispiel ist hierfür natürlich «Wetten, dass..?» - etwas, das es so heute nicht mehr gibt. Meine Oma hat mir damals immer Milch und Honig gemacht und wir haben uns zusammen die Bagger-Wetten angesehen. Wir haben aber auch ausgeharrt, wenn Thomas Gottschalk mit Götz George mal länger gesprochen hatte und wir nix verstanden haben - aber man hatte Geduld und Bock, die Show zu erleben. Generation YouTube funktioniert anders: Was mich nach sieben Sekunden nicht catched, ist sofort ein mieses Video.

Brexit, Trump, alle spalten sich ab, alles schaukelt sich hoch - okay! Aber es wäre zu einfach zu sagen, dass die Welt scheiße ist. Ich habe da einen optimistischeren Blick drauf: (...) Wenn ich mich auf mein Umfeld, meine Familie und meine Freunde, konzentriere, bin ich immer wieder positiv davon überrascht, wie cool die Menschheit ist. Wir konzentrieren uns immer auf das Schlechte - dabei ist vieles gar nicht schlecht und wird besser!
Luke Mockridge
Sie erwähnten «Wetten, dass..?». Fallen Ihnen sonst noch klassische TV-Sendungen aus den 90ern ein, die Sie damals gerne geschaut haben?
Meine Oma hat tatsächlich häufig auf uns aufgepasst, weil meine Eltern beide berufstätig und deshalb oft unterwegs waren. Zusammen haben wir neben «Wetten, dass?» gerne die «Mini Playback Show» geschaut. Und noch ein geniales Format: «Die Stunde der Wahrheit» mit Christian Clerici. In diesem hatten Familien eine Woche Zeit, um etwas zu lernen und das dann live im Studio zu zeigen. Das fand ich als Kind immer sensationell!

Und? Würden Sie sich selbst die Moderation dieser Sendung zutrauen?
Ich finde, dass wir in diesem ganzen «Luke und ich»-Universum einen guten Rahmen gefunden haben, um jedes Thema zu beackern. Da könnte man noch viel machen.

Anders als bei «LUKE! Die Schule und ich» soll es von Ihrer 90er-Show nur eine Ausgabe geben. Ist «Die 90er und ich» als bewusstes Event geplant oder ist eine Fortsetzung denkbar?
Ich hätte natürlich schon Ideen für eine zweite Show im Kopf! Aber ich finde «LUKE! xy und ich» ist ein toller Titel, den wir gerne weiterhin ins Schaufenster stellen können - auch wenn er auf den ersten Blick sperrig klingen mag. Und da werden uns - wie bereits gesagt - sicherlich noch tausend andere Dinge einfallen, die wir machen können. Fürs nächste Jahr hätte ich da durchaus noch mehr ,xy' im Kopf.

Das Jahr 2017 neigt sich langsam aber sicher seinem Ende zu. Wie werden Sie das Jahr ganz allgemein und persönlich in Erinnerung behalten?
Brexit, Trump, alle spalten sich ab, alles schaukelt sich hoch - okay! Aber es wäre zu einfach zu sagen, dass die Welt scheiße ist. Ich habe da einen optimistischeren Blick drauf: Auch wenn links und rechts scheinbar alles anfängt zu brennen, finde ich, dass viele Coolness und Optimismus ausstrahlen. Wenn ich mich auf mein Umfeld, meine Familie und meine Freunde, konzentriere, bin ich immer wieder positiv davon überrascht, wie cool die Menschheit ist. Wir konzentrieren uns immer auf das Schlechte - dabei ist vieles gar nicht schlecht und wird besser!

Und aus persönlicher Sicht?
Es war ein schönes Jahr, meine beiden Sendungen in Sat.1 liefen sehr gut. Und mein Bühnenprogramm ,Lucky Man' habe ich 107 Mal gespielt, was mich auch sehr glücklich macht. Ich freue mich schon auf die Weihnachtszeit, wenn es wieder ein bisschen ruhiger zugehen wird. Bis zum Ende von «LUKE! Die Woche und ich» und unserem Jahresrückblick «LUKE! Das Jahr und ich» heißt es aber erst einmal Attacke!

Mit einem Team jeden Tag eine Sendung zu machen, klingt an sich schon sehr verlockend. Ich glaube aber, dass ich von meiner Reife und meinem Alter noch nicht die Erfahrung hätte, um eine Daily zu stemmen.
Luke Mockridge
Wäre die Welt für Sie eine noch bessere, wenn Sie mit «LUKE! Die Woche und ich» nächstes Jahr auch mehrfach pro Woche auf Sendung gehen dürften?
Mit einem Team jeden Tag eine Sendung zu machen, klingt an sich schon sehr verlockend. Ich glaube aber, dass ich von meiner Reife und meinem Alter noch nicht die Erfahrung hätte, um eine Daily zu stemmen. Eine wöchentliche Comedysendung geht schon, ich wachse da langsam rein in die Schuhe, die Leute gehen mit und das ist schön. Aber für eine Daily braucht es vermutlich noch ein paar weitere Jahre und tiefere Geheimratsecken bei mir. Das erfordert Haltung und Erfahrung. Aber wer weiß, was irgendwann mal passiert…

Zum Schluss hätten wir noch eine spezielle Frage. Erst vor einigen Tagen hatten sie via Facebook bekanntgegeben, dass Ihr Auto zum wiederholten Mal aufgebrochen wurde. Sie gaben sich betont lässig – was sicherlich einige überrascht hat. Wie schaffen Sie es, auch in solch schwierigen Situation die Fassung zu wahren?
Das ist mir jetzt schon zum vierten Mal innerhalb von 1,5 Jahren in Köln passiert - was daran liegt, dass meine Automarke sehr begehrt ist und man da leicht reinkommt. Hatte die Polizei deshalb auch nicht großartig überrascht. Aber ich bin da relativ entspannt. Es gibt Versicherungen, die das regeln - was bringt es also, sich darüber aufzuregen? Ich ärgere mich auch nicht, wenn ich im Stau stehe. Ich bin so erzogen worden, dass man Energie nicht in Dinge stecken sollte, die man nicht verändern kann und sich lieber auf seine Arbeit konzentrieren sollte. Das Gleiche bei schlechten Quoten: Viel besser, als sich über die zu ärgern, ist, das Problem anzupacken und zu versuchen, nächstes Mal mehr Erfolg zu haben.

Wie sehr hilft Ihnen Ihr eigener Humor dabei, mit diesen Situationen umzugehen?
Humor ist ja nicht etwas, das man bewusst einsetzt, der kommt einfach. Ich habe fünf Brüder, das war also schon damals eine große Ellenbogen-Gesellschaft bei uns. Und Humor war eigentlich immer meine Waffe und mein Überlebensmechanismus - insofern fällt mir das nicht sehr schwer!

Luke Mockridge, wir danken für das Gespräch!

Sat.1 zeigt «Luke! Die 90er und ich» am Freitagabend um 20.15 Uhr. Eine neue Folge von «Luke! Die Woche und ich» läuft am Sonntagabend ab 22.45 Uhr.

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