Hintergrund

Corona-Krise: IVW-Zahlen rückläufig

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Die Nachrichtenangebote im Internet profitierten von der Corona-Krise, allerdings sind zuletzt die Aufrufe wieder gesunken.

Seit Mitte März ist die Corona-Krise in Deutschland angekommen. Am 12. März verkündeten Bundeskanzlerin Angela Merkel, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher den Ernst der Lage. Die Internet-Auflagen, die sogenannten IVW-Zahlen, schossen in die Höhe. Beispielsweise erreichte die Bild im Februar rund 53 Millionen Aufrufe pro Tag, im März war jeder Tag deutlich erfolgreicher.

Der Axel Springer Verlag verzeichnete den Höhepunkt der Bild am Sonntag, den 22. März, als Bundeskanzlerin Merkel das Kontaktverbot aussprach. Über 93 Millionen Seitenaufrufe verbuchten Bild und der inzwischen daran angeschlossene Bewegbildinhalt „Bild Live“. Doch seither wurde es wieder etwas ruhiger, die Aufrufzahlen sanken in der Woche vom 23. bis zum 27. März und bewegten sich zunächst in einem Korridor von 68 bis 74 Millionen Aufrufe. Besonders „schwach“ war der Samstag mit 66,6 Millionen Klicks, der Sonntag war erneut der stärkste Tag mit 74,2 Millionen Aufrufen. In die aktuelle Pandemie-Woche startete der Online-Ableger mit 63,3 Millionen Aufrufen.

Der Rückgang der Aufrufzahlen – die zwar immer noch deutlich über den Februar-Werten lagen – hat eine klare Ursache. Die „harten“ Nachrichten ebbten zuletzt ab, inzwischen werden auch zahlreiche Boulevard-Meldungen in den Medien aufgenommen. Mit Nachrichten wie die Tour-Verschiebungen von Künstlern und Co. können die Leser zum Teil bei der Stange gehalten werden. Außerdem sind zahlreiche Neuigkeiten für die Menschen nicht greifbar. Ob es Eurobonds geben soll, interessiert tatsächlich weniger Menschen, als die Ausrufung einer möglichen Ausgangssperre. Geschichten wie „Internat geschlossen: ‚Mein Kind macht mich wahnsinnig‘“ runden derzeit das Boulevard-Thema rund um Corona ab.

Aber auch zahlreiche weitere Geschichten, wie die Neuterminierung der Bundesliga oder das vermutliche negative Wirtschaftswachstum, sind derzeit nur Annahmen, die vermutlich genauso aussagekräftig sind, wie eine Kartenlegerin am Sonntagmittag beim Privatradio anzurufen. Die namhaften Forscher wie Dr. Christian Drosten oder Robert-Koch-Institut-Präsident Lothar Wieler können schlichtweg nicht sagen, wann das Ende der Pandemie bevorsteht. Selbst Politiker und Krisenmanager Söder teilte mit, dass es vorerst kein Ende der politischen Maßnahmen geben wird.

Zu den stärksten Gewinnern der Corona-Pandemie gehört das Nachrichtenportal von ntv. Zwischen 51 und 58 Millionen Klicks generierte die Nachrichtenseite der Mediengruppe RTL Deutschland in der vergangenen Woche. Das beste Ergebnis holte ntv.de am 22. März mit 73,8 Millionen Aufrufen. Das Konkurrenzangebot WELT lag zuletzt im Schnitt bei 20 Millionen Aufrufen. Der Spiegel kam aus seinem Tief durch den Designwechsel heraus und verbesserte sich auf rund 32 Millionen Aufrufe pro Tag.

Die Berliner Morgenpost, die im Februar noch auf etwa 700.000 Views pro Tag kam, erreichte in den vergangenen Wochen bis zu elf Millionen Klicks. Aktuell hat sich das Angebot auf sieben bis acht Millionen Aufrufe eingependelt. Ähnlich verhält es sich mit dem Münchner Merkur, der seine Internet-Auflage mehr als verdoppeln konnte. Focus Online legte von 19 auf durchschnittlich 31 Millionen Views zu.

Die Angebote von Stern (11 Millionen), Süddeutsche (10 Millionen) und Frankfurter Allgemeine Zeitung (11 Millionen) profitierten unter den Nachrichten-Angeboten am geringsten von der Krise. Die FAZ verbesserte sich um knapp vier Millionen Aufrufe pro Tag. Man sei in Frankfurt aber zufrieden, da es rund 10.000 neue F+-Abonnenten gebe.

Die Corona-Krise ist für viele Verlage eine Chance. Bei der Finanzkrise 2008 als Online-Bezahlangebote noch nicht geläufig waren, konnte die gesamte Branche erstmals die gedruckten Auflagen stabil halten. Die schrecklichen Nachrichten aus Deutschland und dem Ausland sind bei den Lesern beliebt. Mit Hintergrundgeschichten abseits der Breaking News haben die Unternehmen die Möglichkeit, ihre Leser an sich zu binden.

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