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Interview

Pierre M. Krause: „Eine Late-Night im Hauptprogramm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gibt es erst dann, wenn Jörg Pilawa sie moderiert“

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Der Komiker hat mit der kleinen «Pierre M. Krause Show» ein eigenes Late-Night-Format, aber nicht die besten Produktionsbedingungen. Ein Gespräch über Status Quo und Chancen deutscher Fernseh-Late-Night und was seine SWR-Show «Krause kommt» mit gutem Wein gemein hat.

Zur Sendung

Der SWR startet neue Folgen von «Krause kommt» am Freitag, 5. Juli um 23.30 Uhr. Was passiert im Staffelauftakt? Mit Geschenken und vielen Fragen im Gepäck quartiert Krause sich in die vier Wände von Isabel Varell ein und bleibt bis zum nächsten Tag.
Herr Krause, vermissen Sie «TV total»?Ehrlich gesagt: Ja. Ich habe zwar meistens nach dem Stand-Up abgeschaltet, aber ich mochte das Grundkonzept. Da gab es gute Autoren und Redakteure, die den TV-Müll vorselektierten und mir den besten davon servierten. Manchmal habe ich mir auch noch die Gäste angeschaut. Besonders, wenn internationale Musikstars da waren und Stefan Raab mit ihnen Musik gemacht hat. Da merkte man, dass er seine Routine verließ und aufblühte.

De facto ist mit dem Ende von «TV total» die werktägliche Late-Night-Show gestorben und das Abendprogramm wird zumeist von Wiederholungen dominiert. Liegt das an den Sendern oder daran, dass niemand Late Night kann?
Ich weiß gar nicht, ob «TV total» damals überhaupt als klassische Late-Night-Show geplant war. Später, als sie dann täglich lief, hat sie die formalen Bedingungen erfüllt, aber zu Beginn war es ja eine wöchentliches Format, das sich vor allem mit dem TV-Irrsinn beschäftigte.

Drei Late Knights sind ja im Amt – Jan, Klaas und ich. Ich bin der Dienstälteste, produziere aber unter Bedingungen, für die Andy Borg nicht mal aufstehen würde.

Fehlt also in Deutschland der Mut und vielleicht auch der lange Atem, das Genre zu reanimieren?
Eine Late-Night im Hauptprogramm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gibt es zumindest erst dann, wenn Jörg Pilawa sie moderiert. Oder Kai Pflaume. Oder eine Doppelspitze aus beiden.

Klar fehlt Mut im Deutschen Fernsehen. Das ist ja längst keine provokante These mehr von twitternden Medienleuten. Wo man sich gottgläubig Marktanteilen, Ängsten und Befindlichkeiten unterordnet, entsteht selten Herausragendes.

Ich denke, es wäre durchaus möglich, die Zuschauer so lange mit Late-Night zu penetrieren, bis sie es auch gerne gucken.
Pierre M. Krause
Ganz anders sind die US-Sender aufgestellt, wo Late-Night-Talker zu den wichtigsten Sendergesichtern gehören. Ist das so eine Eigenheit in Trump-Land?
Den Vergleich finde ich mühsam. Man sagt ja: Die Deutschen bauen gute Autos, die Amis können eben Entertainment. Nach den Dieselskandalen müssen wir jetzt wohl umdisponieren und uns auf die Fernsehunterhaltung konzentrieren. Ich denke, es wäre durchaus möglich, die Zuschauer so lange mit Late-Night zu penetrieren, bis sie es auch gerne gucken. Dann hätten sie auch Spaß daran. Ganz sicher. Man kann alles lernen.

Von den – zumeist wöchentlich gezeigten – aktuellen Late-Nights, welche präferieren Sie?
Ich schätze beide und ihre Teams sehr. Ich vergleiche nicht, weil unsere Produktionsbedingungen einfach extrem unterschiedlich sind. Zu Ihrer Frage: Der Zahnarzt schaut sich nach Feierabend auch keine Gebisse von Freunden und Nachbarn an, ich kenne Musiker, die privat gar keine Musik hören und die Stille präferieren. So ähnlich ist es bei mir. Privat mag ich es still.

Wenn wir an die Anfangszeit des Genres zurückdenken und somit an die Shows von Thomas Koschwitz, Thomas Gottschalk und natürlich auch Harald Schmidt – welche Erinnerungen kommen da hoch?
Das waren die Gründerzeiten Deutscher Late-Night. Ich glaube, die Quoten von Thomas Koschwitz waren damals sogar besser als die von Gottschalks Late-Night. Die Koschwitz-Late-Night war schon sehr nah am amerikanischen Vorbild. Da merkte man, dass ein paar RTL-Redakteure einen USA-Urlaub gut verwertet haben. Die Sendung geriet zu Unrecht ins Fernsehvergessen.

Late-Night-König bleibt natürlich Schmidt. Obligatorischer Satz, ich sage ihn der Vollständigkeit halber noch einmal. Deshalb hat David Letterman ja alles von ihm abgeschaut.

Sehen Sie Chancen für ein Comeback des Genres in den kommenden fünf Jahren?
Säße ich bei Anne Will, würde ich jetzt sagen: „Heute ist nicht der Tag, um über Prognosen zu sprechen oder Personaldebatten zu führen.“ Keine Ahnung. Ich sehe lediglich ein größer und lauter werdendes Feedback von Zuschauern, die Kimmel, Conan und Co(lbert) im Internet schauen und sich fragen, warum wir das hier nicht kulturell etablieren können. Es täte dem Deutschen Fernsehen gut.

Die sechs neuen Folgen sind schon eine ganze Weile fertig, im Mai vergangenen Jahres haben wir die erste Folge der neuen Staffel gedreht. Es verhält sich also ein bisschen wie beim guten Wein: Je länger man ihn liegen lässt, desto besser schmeckt er.
Pierre M. Krause
Am 5. Juli startet der SWR neue Folgen von «Krause kommt» - warum sollen die Zuschauer einschalten?
Die sechs neuen Folgen sind schon eine ganze Weile fertig, im Mai vergangenen Jahres haben wir die erste Folge der neuen Staffel gedreht. Es verhält sich also ein bisschen wie beim guten Wein: Je länger man ihn liegen lässt, desto besser schmeckt er. Wer Freude an den bisherigen Folgen «Krause kommt» hatte, wird auch hier seine Genusserfahrungen machen. Dafür stehe ich mit meinem Namen.

Danke für das Gespräch.

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