First Look

«Grand Hotel»: Sommer, Soap, Sterotype

von

In «Grand Hotel» werden Intrigen gesponnen, Träume zerstört und Playboys plötzlich zu Vätern. Über die neue Serie von Soap-Ikone Eva Longoria.

Cast & Crew «Grand Hotel»

  • Idee: Brian Tanen
  • basiert auf der spanischen Soap «Gran Hotel»
  • Darsteller: Demián Bichir, Roselyn Sanchez, Denyse Tontz, Bryan Craig, Wendy Raquel u.a.
  • Ausf. Produzenten: Ken Olin, Eva Longoria u.a.
  • Produktion: Disney-ABC Television für ABC
  • Folgen: 6 je 43 Min.
Miami, das luxuriöse Grand Hotel, eine stürmische Sommernacht. Und plötzlich eine Hurricane-Warnung. Die Gäste des Hotels werden in einen sicheren Saal gebeten, es wird eine Variety-Show allerhöchster Güte aufgefahren. Draußen tobt das Unwetter. Doch für das Personal ist dies Alltag. Bis auf die Bedienstete vielleicht, die durch die dunklen Gänge des Hotels verfolgt und schließlich niedergeschlagen wird. Eine vielleicht doch nicht ganz gewöhnliche Hurricane-Nacht.

Mit dieser Szene beginnt «Grand Hotel», die neue Sommer-Soap in den USA. Es ist die amerikanische Version einer spanischen Serie, die international bereits erfolgreich in verschiedenen anderen Ländern adaptiert wurde. Für die US-Version zeichnet Eva Longoria («Desperate Housewives») verantwortlich, und sie hat das Setting kurzerhand in die Gegenwart verlegt. Das spanische Original spielte Anfang der 1900er Jahre und fühlte sich demnach eher an wie «Downton Abbey» – Ständeunterschiede inklusive. Die amerikanische Serie spielt dagegen im Hier und Heute, auch wenn die Ständeunterschiede immer noch implizit eine Rolle spielen: Als die Tochter des Hotelbesitzers Alicia von ihrem jüngsten Flirt herausfindet, dass er ein Angestellter des Hauses ist, zerstört dies die Chemie zwischen den beiden. Ebenso bekommt es Alicias Playboy-Bruder Javi gar nicht, wenn ihm eines der Hausmädchen erzählt, dass sie von ihm schwanger sei.

Auch sonst ist das Hotel-Setting dankbar für das Soap-Genre: Nicht nur geht es um Klassen und Unterschiede, es geht auch um krumme Geldgeschäfte, es geht um ein Haus, das voll mit Geheimnissen ist. Beispielsweise darum, ob die Frau des Hotelbesitzers und Patriarchs Santiago wirklich auf natürlichem Wege gestorben ist. Und was seine neue Frau im Schilde führt, wenn sie ihn überredet, das Hotel zu verkaufen – und Santiago auch noch einwilligt. Als er dies seiner Tochter Alicia mitteilt, ist diese am Boden zerstört. Frisch vom College mit einem Management-Abschluss zurück, hatte sie den Traum, das Hotel im Familienbesitz zu übernehmen. Der Schauplatz ist zudem ein dankbares Setting für Gaststars aller Art: So wird sich auch Produzentin Eva Longoria selbst die Ehre geben.

«Grand Hotel» ist zu brav


Interessanterweise schafft es «Grand Hotel» durch die typischen Soap-Plots auf der einen Seite, sehr stark ins Klischee abzudriften und damit eine klassische Sommer-Soap nach Schema F abzuliefern. Auf der anderen Seite jedoch gibt es ein untypisches Merkmal: Zumindest in Folge eins stellt sich kein klarer Bösewicht heraus, keine dunkle Figur, gegen die es anzukämpfen gilt. Schwarz-Weiß wird nicht gemalt, eher zeigen die Charaktere immer wieder alle jeweils ihre sympathischen und weichen Seiten und wollen das Beste für das Hotel. Gerade ein Bösewicht hätte der Show allerdings gutgetan, da sie ohnehin kaum Ecken und Kanten vorweisen kann. Gleichzeitig geht sie nicht den Weg anderer Soap-Remakes wie «Ugly Betty» oder «Jane the Virgin», die durch völlige Überzeichnung und einen klaren Humor-Einschlag zum Erfolg wurden.

«Grand Hotel» traut sich kaum etwas und bietet noch nicht einmal genügend albern-dumme Storylines, um es als Trash-Soap feiern zu können. Was bleibt, ist eine brave Soap mit einer guten schauspielerischen Performance vom Oscar-nominierten Demián Bichir und vielen schönen Bildern vom Traum-Reiseziel Miami. «Grand Hotel» ist so seicht wie eine laue Sommernacht. Und so wenig aufregend.

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