Die Kritiker

«Jung, blond, tot - Julia Durant ermittelt»

von   |  1 Kommentar

Mit Julia Durant schickt Sat.1 eine bereits aus der Populärliteratur bekannte neue Ermittlerin ins Rennen. So reißerisch wie der Titel ist leider auch der Film...

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Sandra Borgmann als Kommissarin Julia Durant
Guido Broscheit als Markus Schulz
Eric Stehfest als Felix Dombrowski
Ilknur Boyraz als Elif Kaymaz
Rüdiger Klink als Florian Menzel
Torben Liebrecht als Dr. Daniel Tomlin
Julian Weigend als Dr. Martin Patanec

Hinter der Kamera:
Produktion: TV60 Filmproduktion GmbH
Drehbuch: Kai-Uwe Hasenheit, Lancelot von Naso und Andreas Bareiss
nach der Romanvorlage von Andreas Franz
Regie: Maria von Heland
Kamera: Matthias Neumann
Produzenten: Andreas Bareiss und Sven Burgemeister
Die Fallanalytikerin Julia Durant (Sandra Borgmann) umgibt bei der Frankfurter Polizei trotz ihres besonnen-akkuraten Auftretens und ihres umfangreichen Sachverstandes der Ruf von Inkompetenz.

Vor einem halben Jahr hat sie sich ohne Begleitung mit einem Sexualstraftäter getroffen. Sie dachte, der Mann sei harmlos. Eine Fehlentscheidung, denn beim vereinbarten Treffen rammte er ihr ein Messer in die Brust. Durant überlebte nur knapp, das Ereignis hat sie traumatisiert. Die befreundete Gerichtsmedizinerin Elif Kaymaz (Ilknur Boyraz) passt im Dienst ein bisschen auf sie auf – und wenn sie ihrer besten Freundin heute über einem Glas Gin Tonic davon erzählt, wie sie ihr damals das Messer wenige Millimeter am Herzen vorbei aus dem Leib zog, wird beiden Frauen ganz anders.

Derweil ist in Frankfurt ein Triebtäter unterwegs. Bisher hat er drei blonde junge Frauen umgebracht und mit filigranem Skalpellschnitt den Gesichtern seiner Opfer Augen, Ohren oder Nase entfernt. Da muss zweifelsfrei die beste Fallanalytikerin der Stadt ran: Blöd, dass die weder sich selbst noch der aufgebrachten Öffentlichkeit ihre eigene Labilität eingestehen kann. Ihre Aufklärungsquote von sagenhaften einhundert Prozent gerät ins Hintertreffen – und der ihr zur Seite gestellte, hemdsärmelig zupackende Bad Cop hält ob ihrer damaligen Fehlentscheidung, die sie fast in den Tod geführt hätte, genauso wenig von ihr wie alle anderen.

Während die besorgten Medien mit furchtbar ungelenk ausgedachten Nicht-Sätzen („Es geht hier um die Sicherheit der Bürger!!!“) ihre Kompetenz infrage stellen, legt Julia Durant los. Aus kleinen, unauffälligen Hinweisen baut sie im Kopf Rekonstruktionen von Tathergängen und Vorgeschichten nach: Die Spuren führen in die Frankfurter Oberschicht, zu ekelhaften Vermögensverwaltern und smarten Juristen, die sich auf ihren Champagner-Villen-Partys gerne junge Frauen halten. Als ihr ein attraktiver Anwalt, der einen der Tatverdächtigen vertritt, ein Angebot zu einem Techtelmechtel unterbreitet, schlägt Kommissarin Durant nicht aus. Ein Klischee wird ans andere geheftet, ähnlich wie sich der perverse Triebtäter aus Leichenteilen ein Gesicht zusammentackert.

Genauso wenig wirkt die Hauptfigur wie aus einem Guss: Immer mal wieder quälen sie Flashbacks, aber trotzdem hangelt sie sich mit stoischem Pflichtgefühl von einer grauselig zugerichteten Leiche zur anderen. Sie ist professionell, rechtsergeben und intelligent, steigt aber trotzdem mit einem Anwalt in die Kiste, gegen dessen Mandanten sie ermittelt, obwohl sie weder impulsiv noch pflichtvergessen geführt wird. Sie hat als Profilerin mit perfekter Aufklärungsquote einen umfangreichen psychologisch-empathischen Sachverstand, schätzt aber ständig Schwerkriminelle falsch ein und bringt dadurch ihr Leben in Gefahr. Angesichts dieser dramaturgischen Unausgegorenheit ist es durchaus erstaunlich, wie Hauptdarstellerin Sandra Borgmann das alles heiter wegspielt – auch wenn sie die Selbstsicherheit ihrer Figur zeitweise zur Süffisanz degenerieren lässt.

Während die erzählerische Unentschlossenheit und das fernsehfilmhafte Krimi-Standardprogramm diesen Film wie uninteressantes, aber zugleich unaufgeregtes Regelfernsehen aussehen lassen, wird er aufgrund zahlreicher Übersteuerungen passagenweise doch unangenehm reißerisch. Der Titel, „Jung, blond, tot“, deutet bereits eine unnötige Fixierung auf das altbacken-klischeehafte Motiv des „Junge-Mädchen-Mordes“ an, während die zweckfreie visuelle Fokussierung auf die Malträtierung der Körper junger Frauen hin und wieder an das Fahrwasser abgestandener Pulp-Werke erinnert – nur eben ohne jede Hintergründigkeit oder erzählerische Raffinesse. Wenn Julia Durant hier zum ersten und zum letzten Mal ermitteln sollte, wäre das für den Vorrat an deutschen Fernsehkommissaren ein verschmerzbarer Verlust.

Sat.1 zeigt «Jung, blond, tot – Julia Durant ermittelt» am Dienstag, den 4. Dezember um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/105644
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Burpie
05.12.2018 17:01 Uhr 1
Nach einer Viertelstunde musste ich wegschalten. So ein Müll! Angefangen von der traumatisierten Hauptfigur(die weder Fisch noch Fleisch ist) , über den Kette rauchenden Chef (der die Hauptfigur beruflich ganz toll findet), den Kollege, der gerade seine Scheidung durchmacht (und wie ein Schluck Wasser in der Kurve hängt), die Pathologin, (Freundin und ohne Probleme für diese gern Mehrarbeit leistet), dem Reporter, der dem Täter ganz groß verkündet, wer die Untersuchung leitet und dem Assistenten, der sich "Fight Club"-mäßig in irgendwelchen Parkhäusern verprügeln lässt - was soll der Rotz? Selten eine solche uninspirierte Anhäufung dümmster Klischees gesehen...

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