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Katrin Fröhlich: 'Jeder Synchronschauspieler will ein bisschen betüddelt werden'

von   |  4 Kommentare

Die deutsche Stammstimme von Cameron Diaz, Kristen Wiig und Gwyneth Paltrow ist außerdem eine gefragte Synchronregisseurin. Quotenmeter.de erklärt sie, was ihre Arbeit ausmacht.

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'Es macht Spaß, wenn wir die Sau rauslassen dürfen'


Mein Gott, hatte der bekloppte saukomische Ideen, das hat so Spaß gemacht! Auf sowas hätte ich mal wieder Lust, heute ist leider alles etwas verkopfter.
Katrin Fröhlich über Arne Elsholtz' Synchrobücher und -regiearbeiten
Eine Sache vermisst Fröhlich richtiggehend. Filme à la «Angriff der Killertomaten»! Filme, die so schlecht sind, dass man gar nicht weiß, was man dazu sagen soll. Der Kunde aber sagt: "Macht mal!" Spezialist dafür war neben Rainer Brandt natürlich Arne Elsholtz. "Mein Gott, hatte der bekloppte saukomische Ideen, das hat so Spaß gemacht! Auf sowas hätte ich mal wieder Lust, heute ist leider alles etwas verkopfter. Dabei macht es so Spaß, die Sau rauslassen zu dürfen!"

Fröhlich bezieht sich da nicht allein auf Komödien, die sie als ihr Lieblingsgenre bezeichnet, sondern auch auf ernstere Filme. "Wenn im Original jemand unserer Meinung nach schlecht spielt, gestatten wir es uns, da nachzubessern – ich finde, so etwas ist legitim", erklärt Fröhlich, die sich mit diesem Gedanken jedoch nicht über die Originalprojekte erheben will. "Vieles ist ja nur Geschmackssache, und selbst, wenn ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wem der Film, den ich da synchronisiere, gefallen soll, gebe ich alles. Auch bei Sachen, bei denen wir sehenden Auges gegen die Wand rennen." Das geschehe vor allem bei US-Sitcoms. "Da sind wir oft hoffnungslos verloren", schmunzelt sie und gerät prompt darauf ins Schwärmen: "Ich habe ja fünf Jahre lang «2 Broke Girls» gemacht, und ich weiß nicht, wie oft ich da mit dem Kopf auf die Tischplatte geschlagen habe: 'Nicht schon wieder ein Witz, der im Deutschen nicht geht!'", erinnert sich Fröhlich, die bei der Serie als Synchronbuchautorin, Synchronregisseurin und als Sprecherin von Jennifer Coolidge mitwirkte.

Ich habe ja fünf Jahre lang «2 Broke Girls» gemacht, und ich weiß nicht, wie oft ich da mit dem Kopf auf die Tischplatte geschlagen habe: 'Nicht schon wieder ein Witz, der im Deutschen nicht geht!'
Katrin Fröhlich
Die große Hürde bei der Serie sei gewesen, dass sich viele Gags im Original auf Dinge aus dem US-amerikanischen Tagesgeschehen beziehen, die hier eher irrelevant waren und/oder zwischen US-Ausstrahlung und deutscher Auswertung schon wieder in Vergessenheit gerieten. Fröhlich rekapituliert: "Eine Situation, die ich nie vergessen werde, ist eine Szene, in der sich der Kassierer bei den Mädels verabschiedet: 'Okay, good night and don't let the bed bugs bite!', woraufhin das Studiopublikum ausgerastet ist. Und ich dachte mir: 'Hä? Was ist daran so komisch?'"

Nach etwas Internetrecherche fand Fröhlich heraus, dass der Satz in einer Folge fiel, die während eines New Yorker Bettwanzenskandals entstanden ist. "Solche Herausforderungen gab es bei der Serie wahnsinnig oft – und ich habe sie dafür verflucht und geliebt. Zum Glück hatten wir bei «2 Broke Girls» viel Freiheit, irgendwann haben wir es dann auch gelassen, bei jeder Stelle, die wir etwas freier übersetzen wollten, die Redaktion um Erlaubnis zu bitten. Sie hat eh so viel durchgewunken und es bestand ein gutes Vertrauensverhältnis zu mir und dem weiteren Autorenteam. Manchmal haben wir sogar im Studio spontan Passagen komplett umgetextet. Die Serie war eine ungeheuerliche Herausforderung – aber gerade daher auch großer Spaß. So ein kleiner Horrorfilm ist ein Spaziergang dagegen."

Besetzungen, Prominente und Marketing
Es gibt einige, bei denen es Sinn macht, sie zu besetzen, weil es eine Freude ist, sie nur mit der Stimme spielen zu hören. Leute wie Anke Engelke, Christoph Maria Herbst, Rick Kavanian, Michael 'Bully' Herbig, Christian Tramitz, Bastian Pastewka – die synchronisieren großartig. Aber bei den meisten fragen wir uns, was das soll.
Katrin Fröhlich über Promisynchros
Eine weitere Aufgabe, die Fröhlich in ihrer Funktion als Synchronregisseurin zukommt, ist die Besetzung des Stimmensembles einer Synchronfassung. Dafür gibt es ein Gesetz: "Wenn sich bei internationalen Schauspielerinnen und Schauspielern eine Feststimme durchgesetzt hat, sollte man meiner Meinung nach nicht daran rütteln, weil das Publikum diese Stimme mit diesem Gesicht verbindet." Abweichungen, die andere Synchronregisseure mitunter durchsetzen, weil sie glauben, dass eine andere Stimme besser zur gerade zu besetzenden Rolle passt, würden "beim Publikum meistens nur auf Ablehnung stoßen." Ausnahmen gäbe es jedoch dann und wann – ebenso wie Fälle, in denen Stimmen wegen terminlicher Konflikte schlicht umbesetzt werden müssen oder der Auftraggeber der Synchronfassung spezielle Wünsche diktiert.

Der Auftraggeber muss zudem in jedem Fall die von der Synchronregie erstellte Vorschlagsliste an Besetzungen absegnen. "Manchmal haben sie andere Vorlieben, bei manchen Vorschlägen denke ich: 'Na gut, kann man so machen, aber … wieso?'", lacht Fröhlich. Gerade Promisynchros bei Animationsfilmen ließen sie und ihr Kollegium öfters stutzen: "Das Thema ist für uns definitiv ein wunder Punkt", merkt Fröhlich an, die nicht nur als Synchronregisseurin mit ihm konfrontiert wurde. Als Feststimme von Cameron Diaz hätte sie schließlich auch Prinzessin Fiona aus der «Shrek»-Reihe sprechen können – doch bei dem Franchise wurde bekanntlich auf prominente Namen gesetzt. "Ich durfte zwar zum Probesprechen kommen, aber schon da war mir klar, dass ich die Rolle nicht bekommen werde. Das ist auch nicht der einzige Fall. Es passiert uns Synchronschauspielern oft, dass wir beim Probesprechen merken, dass wir die Wunschbesetzung der Regie sind – aber die Auftraggeber einen Promi vorziehen."

Viele in der Synchronbranche stehen Promisynchros skeptisch gegenüber, wie Fröhlich attestiert: "Es gibt einige, bei denen es Sinn macht, sie zu besetzen, weil es eine Freude ist, sie nur mit der Stimme spielen zu hören. Leute wie Anke Engelke, Christoph Maria Herbst, Rick Kavanian, Michael 'Bully' Herbig, Christian Tramitz, Bastian Pastewka – die synchronisieren großartig. Aber bei den meisten fragen wir uns, was das soll. Das Marketing behauptet, dass so mehr Leute ins Kino gehen, aber das können wir ja schlecht nachprüfen." schmunzelt sie. Laut Fröhlich seien die meisten Promisprecher zwar "irre nett und es ist eine Freude, mit ihnen zu arbeiten. Aber es ist auch um einiges anstrengender, weil sie in diesem so schweren Metier überhaupt nicht erprobt sind. Ein YouTuber oder Influencer oder Nachrichtensprecher oder Moderator oder sonstwie prominenter Mensch soll plötzlich perfekt synchronisieren. Ich sag's mal so: würde einer von mir verlangen, 'n Motor aus'm Auto auszubauen, ich könnte es auch nicht!"

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Es gibt 4 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
27.05.2018 13:11 Uhr 1
Sehr gutes Inteeview!! Das wußte ich garnicht, daß mittlerweile auch sowas wie "schwarze Schafe" Synchronisationen machen!!





Das kann ich mir sehr gut vorstellen, wenn Sie sagt, daß Sie selbst jetzt zuhause Netflix hat und, es nicht mit anhören/ansehen kann, wie schlecht mache Synchro's sind!!!
Kingsdale
27.05.2018 18:38 Uhr 2
Ihre Stimme ist Unverkennbar und sehr oft hört man sie. Ich mag sie.
Quotermain
28.05.2018 10:01 Uhr 3
"Schwarze Schafe"?

Sind das so Synchronsprecher, die die Schwester oder der Bruder ,..oder der/die Sohn/Tochter von bereits etablierten Sprechern/Schauspielern sind und daher engagiert werden ohne Qualifikation, wohingegen andere "fremde" abgelehnt werden?

Sind das die Sprecher, die ohne öffentliche Stellenanzeige die Rolle bekommen?



Oder ist das ähnlich wie diese mafiösen Gewerkschaften in den USA, wenn sich Leute zusammenrotten und anderen den Beruf verbieten wollen?

"Familiärer als heute"...wenn ich sowas höre wird mir schlecht, wenn dann eine Formulierung wie "schwarze Schafe" fällt.

Familiär ist doch sowas wie Vetternwirtschaft?
Sentinel2003
28.05.2018 18:35 Uhr 4




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