Die Kritiker

«Schwarzach 23: Und der Schädel des Saatans»

von

Der dritte Fall der kauzig angehauchten ZDF-Krimireihe zeigt sich, dem Titel zum Trotz, recht handzahm.

Cast und Crew

  • Regie: Matthias Tiefenbacher
  • Darsteller: Maximilian Brückner, Friedrich von Thun, Marlene Morreis, Dominique Horwitz, Gundi Ellert, Jockel Tschiersch, Marion Mitterhammer, David Zimmerschied, Florian Karlheim, Franziska Schlattner, Andreas Giebel, Stefan Merki
  • Drehbuch: Christian Jeltsch
  • Kamera: Hanno Lentz
  • Schnitt: Horst Reiter
  • Musik: Biber Gullatz, Andreas Schäfer
  • Produktionsfirma: TV60Film
Im Oktober 2015 startete das ZDF mit «Schwarzach 23» eine neue Primetime-Krimireihe am Samstagabend– und feierte damit großen Erfolg. Sehr tolle 17,9 Prozent Marktanteil standen insgesamt auf dem Zettel, bei den 14- bis 49-Jährigen lief es mit 8,7 Prozent nicht minder erfreulich. Ein Jahr später folgte die zweite Ausgabe der humorig angehauchten Reihe mit Maximilian Brückner in der Rolle des Hauptkommissars Franz Germinger jr., mit 14,6 Prozent lief es insgesamt sehr gut, bei den Jüngeren kletterte «Schwarzach 23» auf starke 9,6 Prozent.

Nun lässt das ZDF Franz Germinger jr. und seine Polizistenfamilie nicht so lange ruhen. Statt eines ganzen Jahres an Wartezeit, liegen zwischen Ausgabe zwei und drei nur sechs Monate - auch wenn die Reihe vom Samstags-Sendeplatz auf den Termin zum Wochenstart ausweicht. Der dritte «Schwarzach 23»-Fall hört auf den Titel «Schwarzach 23: Und der Schädel des Saatans» (ja, 'Saatan' mit zwei 'a' … es ist ein Wortspiel!) und lässt Brückners Rolle mit einer Maisbauern-Familie zusammenstoßen. Der Fall nimmt seinen Anfang, als Germingers Schwester Anna (Marlene Morreis) eine Vogelscheuche entdeckt, auf der ein menschlicher Schädel prangt. Dabei handelt es sich um das Haupt von Herbi Zidinger (Andreas Giebel). Der baute als Erster in der Region Gen-Mais an, weshalb er von vielen Anwohnern und Mitbewerbern verteufelt wurde (daher rührt das Wortspiel im Titel).

Germinger Senior (Friedrich von Thun) mischt sich einmal mehr in die Ermittlungen seines Sohnes ein und schöpft in Windeseile einen Verdacht: Er glaubt, dass Herbis Sohn Alois (David Zimmerschied) seinen Vater ermordet hat. Alois stellt, anders als es sein Vater tat, stets das Wohl der Umwelt über das der Geschäftszahlen. Doch auch Herbis Ehefrau Klaudia (Marion Mitterhammer) sowie seine aktuelle Lebensgefährtin Lucy (Franziska Schlattner) haben Motive. Unterstützung beim Versuch, die Indizien zu lesen, erhält Germinger jr. durch Herbis Freund, den Saatgutvertreter Joon de Ville (Dominique Horwitz) – aber das auf eine unverschämt direkte Weise. Und dann ist da noch Erika Germinger (Gundi Ellert), eine alte Flamme Joons, die er nun zurückzugewinnen versucht …


Beim dritten Mal zeigen sich bereits Abnutzungserscheinungen. Oder Indizien einer einschreitenden Macht hinter den Reihenschaffenden, die «Schwarzach 23» zu normalisieren versuchen. So oder so: Nach zwei nahezu durchweg kauzigen Krimis, zeigt sich die ZDF-Reihe bei ihrem dritten Anlauf plötzlich gezähmt. Die grotesken Einflüsse der ersten beiden Neunzigminüter über den Germinger-Clan sind hier bloß noch Spurenelemente – wenn etwa der titelgebende Schädel in seiner vermodernden Pracht gezeigt wird.

Ebenso sind flippige Dialogzeilen nun bloß noch gelegentlich präsent. Beispiel, gefällig? Der Satz "Für eine Deutsche sind sie …" wird in diesem Krimi jäh und patriotisch unterbrochen mit einem: "Ich bin aus Bayern!" Und unser Protagonist muss sich in einer Sequenz anhören, dass seine Arbeit total einfach sei. Jeder Trottel könne Verhöre führen. Sieht man doch unentwegt im Fernsehen.

Diese unterhaltsamen Anflüge versacken in diesem ZDF-Krimi allerdings in einer leblos inszenierten Geschichte, bei der einige Außenszenen übermäßig farbgefiltert sind. Und dadurch, dass Marion Mitterhammer, Franziska Schlattner und David Zimmerschied nur Abziehbilder typischer Krimiverdächtiger spielen dürfen, fehlt es dem Kriminalplot zudem an Drive. Höhepunkt ist da eine eilige Referenz an die bahnbrechende Ackersequenz aus «Der unsichtbare Dritte». Hier wird das Flugzeug zur Drohne, aus einer fesselnden Actionszene ein kleines, letztes, sehr kurzes Aufflackern an Bizarrheit. Der tragikomische Nebenplot um die Germinger-Familie hält den dritten «Schwarzach 23»-Film dank des eingespielten Casts noch davon ab, völlig in die Beliebigkeit abzurutschen – setzt jedoch auch Kenntnis der Vorgängerfilme voraus. Novizen dürften die Familienkabbeleien eher egal sein.

«Schwarzach 23: Und der Schädel des Saatans» ist am 30. April 2018 um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen sein.

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