Die Kritiker

«Polizeiruf 110: Demokratie stirbt in Finsternis»

von   |  1 Kommentar

Mit «Demokratie stirbt in Finsternis» erwartet uns ein fesselnder «Polizeiruf 110»-Höhepunkt.

Hinter den Kulissen

  • Regie: Matthias Glasner
  • Darsteller: Maria Simon, Jürgen Vogel, Lucas Gregorowicz, Sofie Eifertinger, Natalia Bobyleva, Patrycia Ziolkowska, Jona Eisenblätter, Robert Gonera, Katharina Bellena, Fritz Roth
  • Drehbuch: Matthias Glasner, Mario Salazar
  • Kamera: Florian Foest
  • Schnitt: Heike Gnida
  • Musik: HomeSweetHome
  • Produktionsfirma: Real Film Berlin
Kriminalkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) verliert jegliche Fassung: In der Nacht wird in ihre Wohnung eingebrochen – und der Täter filmt sie und ihre Tochter Alma heimlich im Schlaf. Und das obendrein mit ihrem eigenen Handy! Fortan fühlt sich die Kommissarin ohnmächtig, schutzlos und verunsichert wie selten zuvor. Ihr Kollege, Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), erkennt Olga in ihrem verängstigten Zustand kaum noch wieder. Besorgt, wie er ist, beschließt er, den Überfall aufzuklären und so Olga zu ihrem Seelenfrieden zurück zu verhelfen.

Die Kommissarin nimmt sich unterdessen vor, von allem Abstand zu gewinnen. Also vertraut sie Alma ihrer Mutter Maria (Natalia Bobyleva) an und zieht sich auf einen abgelegenen Hof zurück. Der Hof des Aussteigers Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel) mutet zunächst wie ein idyllischer Fluchtort an – aber nach und nach stellt sich heraus, dass Lennard eine seltsame Type ist …

Nicht nur der Titel ist eher ungewöhnlich für einen «Polizeiruf 110»-Film, auch die Tonalität und die thematischen Zutaten dieses Neunzigminüters: Während Adam Raczek bei seiner Tätersuche auf eine Gruppe Cyberaktivisten stolpert, erlebt Olga Lenski ein karges, verletzliches Drama auf einer abgelegenen Farm.

Ein Teil Politthriller, ein Teil introspektives Drama, in dem die Protagonistin mit ihrer aus beruflichen Gründen lange versteckt gehaltenen Verletzlichkeit konfrontiert wird, mündet dieser feingliedrig erzählte, atmosphärisch dichte Fernsehfilm in ein aufgeregtes, actionreiches Finale. Dieses ist inhaltlich so schlüssig vorbereitet und gleicht so sehr einem Befreiungsschlag, durch den sich der zuvor immer enger geknüpfte Knoten der Anspannung löst, dass es nicht wie ein Verrat an der besonnenen, nachdenklichen Art erscheint, den dieser «Polizeiruf 110»-Fall zuvor an den in gräulichen Farben erhellten Tag gelegt hat.

Glasners Film beginnt intim, regt Maria Simon zu Höchstleistungen an und lässt Lucas Gregorowicz auf vielfältige Weise über das Geschehen stutzen, während Jürgen Vogel routiniert-fähig schroffen Charme und einschüchternde Unberechenbarkeit vereint. Mit Dimitrij Schaad Figur des Ulysses hat das Drama zudem einen wandelnden, hypnotischen Plotmotor, will er doch gemeinsam mit seinen Anhängern das bestehende gesellschaftliche System mit einer fixen Tat zu Boden ringen …

Die Plotfäden vereinen sich auf packende Weise, dank eines zielstrebigem Skript und einer fesselnden Parallelmontage, zu einem die Grenzen eines klassischen Sonntagabendkrimis sprengenden Schlussakt, der eigentlich ins Kino gehört – so stimmig sind die mit unaufdringlicher, aber kraftvoller Musik begleiteten Bilder, die Kameramann Florian Foest vom maroden Berlin und der genauso besonnen-ruhigen wie abgeschieden-unheimlichen Farm Lennard Kohlmorgens einfängt.

Fazit: Unaufgeregt, aber aufregend: Dieser «Polizeiruf 110» bricht aus den Grenzen der Krimireihe aus.

«Polizeiruf 110: Demokratie stirbt in Finsternis» ist am 29. April 2018 ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/100503
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
P-Joker
29.04.2018 18:36 Uhr 1
So so! Bei euch bekommt dieser Polizeiruf 90 % ... !

Damit steht ihr dann auch so ziemlich alleine auf weiter Flur!

Bei fast allen anderen Medien (z.B. Stern, Spiegel, Zeit, SZ usw.) fallen die Kritiken schlecht bis vernichtend aus!



Mangels anderweitiger Angebote werde ich ihn mal einschalten. Mal sehen wie lange ... :-)

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