Hingeschaut

«Ab durch die Mitte»: Schon am ersten Tag abgenutzt

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Das neue Sat.1-Quiz setzte 45 Minuten lang auf ein einziges Spiel - und schaffte es, ein Konzept schon am ersten Tag zu verbrauchen. Durchaus bedauerlich, denn eigentlich hätte das Format durchaus Potenzial.

Die Liste der Misserfolge im Vorabendprogramm von Sat.1 ist lang, alleine in diesem Jahr sind «Lenßen», «Schicksale» sowie das neue Magazin «push!» nur einige Beispiele für die zahlreichen Flops des Senders. Somit war es keine große Überraschung, dass man abermals neuen Stoff für die kriselnde Programmschiene ankündigte und sogar «K11» nach vielen Jahren endlich aus dem täglichen Programm strich. Doch dass mit «Ab durch die Mitte» ausgerechnet eine Quizshow in den kommenden vier Wochen für den nötigen Aufwind sorgen soll, vermochte nach zahlreichen Telenovelas, Boulevard-Magazinen und Ermittlerdokus doch zu überraschen. Leider konnte schon die erste Folge zu wenig Abwechslung bieten...

Das Konzept ist recht schnell erklärt: Ein Kandidat muss auf seinem Weg zu 50.000 Euro insgesamt zehn Konkurrenten in Duellrunden schlagen, wobei nach jeder Runde eine Geldsumme zwischen einem und 4.000 Euro auf das Konto des Kandidaten wandert. Verliert der Kandidat sein Duell, so ist er ausgeschieden und fällt durch eine sich öffnende Luke innerhalb des Studios und das Spiel beginnt mit einem neuen Wettkämpfer erneut. Dass der Zuschauer so schnell verinnerlichen kann, wie die Sendung abläuft, ist zunächst einmal sehr angenehm und für ein Vorabendprogramm gewiss auch genau richtig konzipiert. Immerhin möchte sich ein Großteil der zu dieser Uhrzeit Fernsehenden gewiss nicht durch ein kompliziertes Regelwerk kämpfen, nachdem man harte Arbeitsstunden hinter sich gebracht hat.

Auch der Ablauf der Duellrunden wirkt zunächst sehr schlicht, aber unterhaltsam. Die beiden Konkurrenten müssen abwechselnd innerhalb von 20 Sekunden eine Frage beantworten, wobei das Lösungswort in Teilen bereits zu lesen ist. Es geht also vornehmlich darum, wie beim beliebten Spiel Galgenmännchen die fehlenden Buchstaben zu erraten, die das Wort vervollständigen. Kandidatin Elisa wird der Sieg hier noch sehr einfach gemacht, da ihre Gegenspielerin schon am zweiten Wort scheitert. Somit darf sie sich rasch ihren zweiten Gegner aussuchen, den sie diesmal... in genau demselben Spiel besiegen muss. Als Zuschauer hofft man hier noch darauf, dass im Laufe der Sendung auch einmal andere Herausforderungen an die Protagonisten gestellt werden, doch leider ist dem auch nach 45 Minuten noch immer nicht so.

Was also zunächst noch sehr unterhaltsam und kurzweilig daher kommt, beginnt spätestens in der dritten Runde bereits immer stärker zu langweilen, denn immerhin läuft die gesamte Sendung exakt nach diesem Strickmuster ab: Kandidat stellt sich wohltuend kurz vor, die Wortsuche beginnt und endet erst, wenn einer der beiden nicht die Lösung auf die im allgemeinen sehr leicht zu erratenen Fragen weiß. Danach fällt der Verlierer durch die Luke und alles beginnt von vorne. Wenn dies bereits nach 45 Minuten nicht mehr unterhaltsam ist, wie soll es dann vier Wochen lang oder bestenfalls sogar dauerhaft fünf Mal die Woche funktionieren? Der Ablauf ist dafür einfach viel zu starr und uninteressant, da man schon nach zehn Minuten quasi gar nichts Neues mehr geboten bekommt. Und somit gibt es nur eine einzige Szene, die am ersten Tag im Gedächtnis bleibt: Bei der Frage "Wesentlich ist das A und ...?" weiß nämlich der ahnungslose Mitspieler nicht die Lösung und geht in der Schnelle einfach das Alphabet durch, in der berechtigten Hoffnung, dass nach einem weiteren Buchstaben gefragt ist.

Doch ansonsten sind die Höhepunkte bei «Ab durch die Mitte» rar gesät. Und das ist wirklich schade, denn das Format hätte bei etwas mehr Abwechslung durchaus Potenzial gehabt. Der Ablauf ist rasant, ohne hektisch zu wirken, die Regeln sind so leicht zu verstehen, dass man den Zuschauer auch bei einer größeren Auswahl an Spielen gewiss nicht überfordert hätte, die Produktion ist simpel, aber wirkt nicht billig und auch Moderator Daniel Boschmann macht eine gute Figur bei seiner ersten Fernsehshow. Er zeigt nämlich Interesse an seinen Kandidaten und ist auch in der Lage, spontan auf verbale Einwürfe selbiger zu reagieren. Und wenngleich er ebenfalls unter dem gewohnten Syndrom junger Moderatoren leidet, bisweilen etwas aufgesetzt und schrill zu wirken, merkt man schnell, dass hier ein hoffnungsvoller Newcomer vor der Kamera steht, der hoffentlich unabhängig vom Abschneiden dieser Sendung noch die eine oder andere Chance bekommt, sich im Fernsehen zu beweisen - denn wenn es derzeit ein großer Sender nötig hat, ein Sendergesicht aufzubauen, dann gewiss Sat.1.

Ob jetzt Kandidatin Elisa, die immerhin drei Viertel der Sendezeit einnahm, eine wirklich gute Wahl für die erste Sendung war, darüber kann man sicher streiten. Auf der einen Seite ist es nicht zuletzt auch ihr zu verdanken, dass Boschmann schon jetzt einige amüsante Zwischenbemerkungen einstreuen kann, auf der anderen Seite besitzt die Jura-Studentin ein nicht zu missachtendes Nerv-Potenzial. Generell fällt auf, dass die Mehrzahl der Kandidaten sehr telegen wirken und somit bestimmt nicht zufällig in die Sendung gekommen ist. Besser wäre hier wohl eine ausgewogene Mischung aus unterschiedlichen Typen, die sich bisweilen auch etwas schwer vor der Kamera tun. Denn erst wenn es solche Mitspieler gibt, wird sich zeigen, wie gut Boschmann als Moderator wirklich ist und ob er es schafft, auch bei vergleichsweise Introvertierten den richtigen Ton zu treffen.

Insgesamt hat «Ab durch die Mitte» aber nur ein wirklich großes Problem: Die mangelnde Abwechslung. Mit nur einem einzigen Spiel auch nur vier Wochen lang überzeugende Einschaltquoten zu verzeichnen, wird eine große Herausforderung darstellen - wenn nicht sogar eine nahezu unlösbare. Generell aber ist es sicher eine der wenigen lobenswerten Produktionen, die Sat.1 in den vergangenen Jahren zur Daytime auf die Zuschauer losließ. Somit sei den Verantwortlichen dieser Sendung vergönnt, einen unerwarteten Erfolg zu landen. Will man wirklich dauerhaft erfolgreich sein, ist mehr Innovation und Abwechslung hinsichtlich der Spiele allerdings unerlässlich.

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