Nach dem herzerwärmenden ersten Teil kehrt der beliebte Bär im Dufflecoat in «Paddington 2» zurück auf die Leinwand und macht sein neuestes Abenteuer zu einem ganz und gar makellosen Erlebnis.
Da das London im ersten Teil wie selbstverständlich damit umging, dass hier ein Bär in Kleidung herumläuft und die menschliche Sprache spricht, ließ sich neben einem klassischen Fish-Out-Of-Water-Abenteuer über einen einsamen Zeitgenossen in der Fremde noch wesentlich mehr erzählen: Die Zusammenfindungsgeschichte zwischen der Familie Brown und ihrem neuen Bewohner wurde nämlich gleichsam zu einem feurigen Appell an Toleranz und ein friedfertiges Miteinander, denn die von Nicole Kidman gespielte Schurkin hatte nichts Besseres im Sinn, als Paddington töten und auszustopfen zu wollen. So hatte «Paddington» vor allem eine Botschaft: Alle Lebewesen (und eben nicht bloß alle Menschen!) sind gleich; ein wenig idealisiert zwar, aber es funktionierte im Kontext, in dem immer wieder betont wurde, man würde mit dem felligen Gesellen ja nun nicht plötzlich anders umgehen, nur weil dieser eben kein Mensch, sondern ein Bär sei.
Als Paddington schließlich irrtümlich für einen Dieb gehalten und prompt ins Gefängnis gesteckt wird, geht Paul King einen Weg, der schnell hätte schief gehen können: Er trennt den Bär von seiner Familie und erzählt somit zwei Geschichten parallel, denn während die Browns fieberhaft nach dem wahren Dieb des plötzlich verschwundenen Pop-Up-Buches suchen, muss sich der Neu-Häftling hinter schwedischen Gardinen als tougher Knastbruder beweisen; doch Paddington wäre nicht Paddington (und der Film keine konsequente Fortführung des Auftaktes), würde er nicht versuchen, sich mithilfe von Nächstenliebe und Respekt Freundschaften zu erarbeiten, anstatt durch typisch-prolliges Knastgehabe. Da passt es auch, dass Paddingtons Mitgefangene, einschließlich des herausragend von Brendan Gleeson («Hampstead Park – Aussicht auf Liebe») verkörperten Kochs, allesamt Karikaturen typischer Insassen-Charaktere sind, vor denen auch die jüngsten Zuschauer zu keinem Zeitpunkt Angst haben müssen.
Mit der vielleicht besten, vor allem aber selbstironischsten Performance seiner Karriere nimmt er nicht bloß sein Image des abgehalfterten Hollywoodidols genüsslich auf die Schippe, sondern bewahrt seine Figur des einstigen Schauspielstars Phoenix Buchannan (schon in seinem Namen steckt ein übergroßes Augenzwinkern!) davor, zur völligen Witzfigur zu werden. Denn während Grant auf der einen Seite die maßlose Arroganz und das noch viel größere Ego des schillernden Ex-Promis betont, sodass sich darüber vor allem die älteren Zuschauer ordentlich beömmeln werden, steht auf der anderen Seite sein Dasein als Bösewicht; und auch, wenn «Paddington 2» nicht über das klassische Whodunit-Prinzip funktioniert (dass nicht Paddington das Pop-Up-Buch gestohlen hat, sondern der in vielfacher Verkleidung auftretende Phoenix Buchannan, erfährt man sofort nach dem Diebstahl), so resultiert die auch für jüngere Zuschauer jederzeit aushaltbare Spannung doch vor allem daraus, zu erfahren, ob und wie man wohl dahinter kommen wird, wer der Dieb ist; denn so absurd-komisch dieser Phoenix auch ist, ist er gleichzeitig ein nicht zu unterschätzender Schurke.
Doch so egozentrisch Hugh Grant in «Paddington 2» auch auftritt, liegt es ihm dennoch völlig fern, seinen Kollegen die Show zu stehlen; im Gegenteil: So richtig zur Höchstform läuft das Ensemble auf, wenn hier möglichst viele Schauspieler in einer Szene zu sehen sind. Ein Einbruch von Henry (Hugh Bonneville) und Mary Brown (Sally Hawkins) bei Phoenix Buchannan zuhause wird mit jeder hinzukommenden Figur amüsanter, genauso wie gerade im Finale jeder Charakter seine ganz persönliche Stärke ins Geschehen mit einfließen lassen kann, um einen guten Ausgang der Geschichte zu sichern. Trotzdem bleibt das Herzstück des Films natürlich der titelgebende Bär, der sowohl in der englischen Originalfassung von Ben Whishaw («Ein Hologramm für den König»), als auch in der deutschen Fassung von Elyas M’Barek («Fack ju Göhte 3») mit viel Hingabe und Wärme gesprochen wird. Auch die technische Komponente präsentiert sich makellos: Zu keinem Zeitpunkt steht in Frage, ob hier wirklich mit einem echten Bären gedreht wurde – ein Trickeffekt, der sich vor dem Motion-Capture-Standard in einem «Planet der Affen: Survival» nicht zu verstecken braucht. Darüber hinaus steckt «Paddington 2» voller visueller Kabinettstückchen. Als Paddington und seine Tante Lucy zu Beginn des Films in einem zum Leben erwecktes Pop-Up-Buch durch London schlendern, wird einem bei so viel Schönheit direkt warm ums Herz. Ein Zustand, der sich bis zum Abspann nicht ändern wird.

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