Hingeschaut

«Mensch Gottschalk» - Die Hoffnung stirbt zuletzt?

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Obwohl sich zuletzt Flop an Flop reihte, will der Altmeister es noch einmal wissen. Seine zwar sehr unterhaltsame aber im Juni 2016 krachend gescheiterte Sonntagabendshow erhielt eine zweite Chance. Mit Erfolg?

Die Stimmen derer, die dem Gottschalk-Vehikel «Mensch Gottschalk - Das bewegt Deutschland» nach der Bauchlandung im Juni 2016 kein zweites Leben zugetraut hatten, waren nicht gerade leise gewesen. Und tatsächlich durfte man angesichts der Reichweite von nur etwas mehr als zwei Millionen Zuschauern und klar einstelligen Marktanteilen skeptisch ob einer Fortsetzung sein. Doch sah RTL etwas in dem Format und beauftragte das federführende SpiegelTV mit sanften aber spürbaren Überarbeitungen. Wie sich diese nun im zweiten Anlauf ausgewirkt haben, wollen wir uns mal etwas näher anschauen.

Das Setup


Zunächst einmal setzte RTL das Zeitfenster mit 20.15 Uhr bis 23.30 Uhr ähnlich ausufernd an, wie beim ersten Versuch. Und das, obwohl vielen gerade die exzessive Dauer der Show (bis nach Mitternacht) am Sonntagabend ein Dorn im Auge gewesen war. Mutig. Die Zahl der Gäste wurde zudem nur dezent reduziert. So kündigte man im Vorfeld zum Beispiel Sahra Wagenknecht, Helene Fischer, Aerosmith, Jean Paul Gaultier und Die Lochis an. Nicht gerade das, was die (werberelevanten) Menschen zum Einschalten verleitet? Erneut: Mutig.

Das Programm auf den anderen Sendern gab aber zumindest etwas Anlass zur Hoffnung: «Polizeiruf 110» im Ersten, «It´s Showtime» bei Sat.1, ein paar (teils alte) Filme bei den anderen Sendern und die «Promi Shopping Queen» auf VOX. Abgesehen vom Ersten also nichts dabei, wovor man in Ehrfurcht erstarren müsste. Mal ehrlich: Die Chancen auf einen Quotenerfolg waren somit diesmal zumindest etwas besser als vergangenen Sommer. Doch wie sah es inhaltlich aus? In welchen Bereichen lernte man aus den Fehlern des Auftakts, wo beließ man die Dinge zu Recht beim Alten?

Immer wieder Sonntags...


Fangen wir mit ein paar allgemeinen Beobachtungen an. Das Studio zeigte sich noch immer urgemütlich – ein klarer Pluspunkt für das Format. Gottschalks Garderobe wie auch seine Witze wandelten hingegen wie gehabt am Rande der Legalität – das liebt oder hasst man. Die Werbung wurde angenehm dosiert eingesetzt, was aber auch am Quotenflop der ersten Ausgabe gelegen haben kann. Kleinere Aussetzer begleiteten Gottschalk (wie eigentlich immer) durch die Show: Aus Facebook wurde beispielsweise Facetime, seiner eigenen Show gab er den Untertitel Was bewegt Deutschland. Geschenkt.

Mit der Riege des neuen «Baywatch»-Films (der in den USA gegen die starke Konkurrenz keine großen Wellen schlägt), hatte der Gastgeber zu Beginn direkt eine launige aber sinnfreie Runde am Start, bei der erwartungsgemäß die drei Gäste kaum zu Wort kamen – was aber auch an den Tücken der Technik lag: Die Übersetzung bei den Damen wollte nicht so recht funktionieren. So geriet die Runde zu einem äußerst kurzen Vergnügen. Witzig war jedoch, dass David Hasselhoff die überstürzte Verabschiedung des Gastgebers verzweifelt mit seinen aktuellen Tourdaten konterte – vielleicht hätte er sich einfach über wenigstens eine Frage zu seinem aktuellen Schaffen gefreut? Investigative Interviews waren und sind eben nicht Gottschalks Kernkompetenz.

Umso härter war dann auch der Bruch direkt danach: Weltpolitik im Diskurs mit Sigmar Gabriel - kredenzt als Einspieler. Für den Rahmen einer Unterhaltungsshow gab es hier immerhin gute Fragen und interessante Antworten. Geht doch.

Diese Taktung behielt die Show dann auch bei: Seichte Themen (Liebe mit großem Altersunterschied, Mode mit Jean Paul Gautier, Einspielfilm mit Mick Schumacher) trafen auf ruhige und nachdenkliche Momente (Zehn Jahre Smartphone, Deutschland als Einbrecherparadies, spannende Einblicke in die Gedankenwelt von Caroline Kebekus), wobei keiner der beiden Bereiche eindeutig dominierte. Gut so! Auffällig war auch, dass Gottschalk mit fortschreitender Zeit immer besser in Fahrt kam und sogar aus dem Gespräch mit Aerosmith eine Menge herausholte.

In der Summe geriet die Show somit erneut zu einer launigen Sache. Große Veränderungen nach der ersten Show wurden offenbar nicht vorgenommen, am ehesten kann man dem zweiten Versuch aber einen etwas besseren Flow attestieren. Für eine Live-Unterhaltungsshow gab es erneut erstaunlich viele Einspielfilme, die das Studioerlebnis in gewisser Weise konterkarierten. Nicht schlimm, aber zumindest verwunderlich.

Die Auswahl der Gäste hingegen war abwechslungsreich, die Themen vielfältig. Highlights waren (etwas überraschend) das Gespräch zum Thema Smartphones, das Experiment zum Einbruchsschutz (mit einem aufgeräumten und ungewohnt ernsthaften Jorge Gonzalez) sowie (weniger überraschend) der kurze Polit-Talk mit Sigmar Gabriel. Zu kurz kamen auf der anderen Seite ganz klar die «Baywatch»-Gäste. Der Rest lag im gesunden Mittelfeld. Die Musikacts passten sich gut ein und bildeten ebenfalls ein breites Spektrum ab.

Somit bleibt es dabei: Wer Gottschalk und/oder seichte Feierabendunterhaltung mag, ist hier genau richtig. Wer mit einem oder gar beiden Aspekten ein Problem hat, wählt lieber eine der vielen Alternativen für seinen Zeitvertreib.

Fazit


Auch im zweiten Versuch lieferte Thomas Gottschalk eine souveräne Vorstellung mit Humor und Lockerheit ab, die seinen bunten Abend zu einer vergnüglich-stimmigen Personality Show machte. Inhaltlich und inszenatorisch ist das zwar weiterhin bar aktueller Sehgewohnheiten, schuf aber immerhin nostalgisches Flair für einen unterhaltsamen, wenn auch wenig tiefgreifenden Abend für die Generation Ü40.

Der Altmeister hat also erneut gut vorgelegt, entscheiden müssen am Ende aber wieder die Quoten. Hier benötigt Gottschalk zumindest ein kleines Wunder, doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Übrigens auch dahingegend, dass es im TV noch Platz für Formate dieser Art gibt. Schön wäre es ja.

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