Die Zehn

Wirklich wahr: Hier sind sie, die zehn besten «Star Trek»-Folgen aller Zeiten

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Der dreizehnte Kinofilm läuft seit Donnerstag in den Lichtspielhäusern und eine neue Serie steht für 2017 in den Startlöchern. Scheint so, als wäre das 50 Jahre alte Franchise wieder auf dem Weg nach oben. Doch was waren die absoluten Highlights aus über 700 Fernsehepisoden? Hier gibt es die Antwort – und das Warum.

Ganz ehrlich: Eine Top10 der besten Trek-Folgen aus über 700 zu erstellen ist für einen Fan wie mich, der sich seit nahezu dreißig Jahren mit dem Thema befasst, keine leichte Angelegenheit – nein eigentlich eine unlösbare. Eine Top10 pro Serie wäre schon fast kaum realisierbar, ohne viel zu viele tolle Episoden außen vor zu lassen.

Star Trek-Serien

  • Star Trek (1966-1969)
  • Star Trek: The Next Generation (1987-1994)
  • Star Trek: Deep Space Nine (1993-1999)
  • Star Trek: Voyager (1995-2001)
  • Star Trek: Enterprise (2001-2005)
Dennoch musste ich zu einem Ergebnis kommen und arbeitete mich an der Frage entlang, was «Star Trek» im Kern für mich bedeutet hat und was mich letztlich über drei Jahrzehnte an Bord gehalten hat. Waren es die tollen Action- oder Abenteuerfolgen? Die verrückten Zeit- und Raumphänomene? Die spannenden Thrillerfolgen? Alles irgendwie.

«Star Trek» hat sich über all seine Inkarnationen an so vielen Genres abgearbeitet, dass jeder inhaltliche Auswuchs irgendwie dazugehört. Doch sind es letztlich eben doch andere Episoden, auf die ich nie würde verzichten wollen. Nämlich die, die mein Denken angeregt, meine Phantasie beflügelt und mein Weltbild verändert und geprägt haben. «Star Trek» hat es immer wieder geschafft, mich vor neue gedankliche Probleme zu stellen, deren Lösung mich einen Schritt weiterbrachte und meinen Horizont erweiterte. Diese Episoden sind es, die für mich – ganz subjektiv – in eine Top10 gehören. In meine Top10.

So sei es dann. Hier kommt meine persönliche Bestenliste – und ich entschuldige mich von Herzen bei Hunderten von wunderbaren Episoden, die ich hier nicht auflisten konnte.

Platz 10:

The City on the Edge of Forever (Griff in die Geschichte)


Serie: «Star Trek»
Erstausstrahlung: 6. April 1967 (Season 1)
Autor: Harlan Ellison

Das passiert: Dr. McCoy bekommt aus Versehen eine hohe Medikamentendosis ab und flüchtet im Wahn durch ein Zeitportal auf einem verlassenen Planeten. Kirk und Spock bleibt nichts anderes übrig, als ihren Freund zu suchen und im frühen 20. Jahrhundert schwerwiegende Veränderungen der ihnen und uns bekannten Menschheitsgeschichte zu verhindern...

Deswegen gehört sie dazu: Diese Episode bringt nicht nur einen Gastauftritt von Joan Collins und den vielleicht schönsten Episodentitel aller Trek-Serien, sondern zeigt erstmals die Risiken von Zeitreisen auf. Kirks Konflikt, sich zwischen seiner Zuneigung zu der von Collins gespielten Edith Keeler und der Überzeugung das Richtige für die Bewahrung der Zeitlinie zu tun, ist kompetent geschrieben und gespielt und zeigt einen moralischen Zwiespalt, der den Captain und seine Kollegen herausfordert. Garniert mit wunderbarem Humor und einer tollen Chemie zwischen den Protagonisten einer der ganz großen Klassiker der ersten Trek-Serie und trotz des Alters auch heute noch zum Nachdenken anregend.

Platz 9:

The Measure of a Man (Wem gehört Data?)


Serie: «Star Trek: The Next Generation»
Erstausstrahlung: 13. Februar 1989 (Season 2)
Autor: Melinda M. Snodgrass

Das passiert: Der Kybernetik-Experte Bruce Maddox kommt an Bord der Enterprise und möchte Data zu Forschungszwecken näher untersuchen und gegebenfalls auch demontieren, um seine genaue Funktionsweise zu verstehen. Picard jedoch tritt für seinen Androiden ein und lässt es auf eine Verhandlung ankommen, in der Datas Status und seine Rechte geklärt werden sollen...

Deswegen gehört sie dazu: Data war von Beginn an einer der beliebtesten Charaktere der Next Generation. Der an Pinocchio angelehnte Androide, der so gerne menschlicher wäre, wird hier gemeinsam mit seinen Kollegen und Freunden auf eine harte Probe gestellt. Ist Data ein Stück Technik oder ein Lebewesen? Gehört er der Sternenflotte oder darf er als selbstbestimmtes Individuum eigene Entscheidungen treffen? Die Sympathien sind klar verteilt - Captain Picard (als sein Verteidiger) und Commander Riker (der gezwungen wird, die Interessen des Commander Maddox zu vertreten) liefern sich ein hochdramatisches, kammerspielartiges Gefecht im Gerichtssaal, bei dem beide Seiten starke Argumente vorbringen und das Thema auf die Spitze treiben. Eine frühe Episode der Serie, die verdeutlichte, zu welch tiefschürfender, moralischer Debatte das Seriensetting und die Charaktere in der Lage waren.

Platz 8:

Living Witness (Der Zeitzeuge)


Serie: «Star Trek: Voyager»
Erstausstrahlung: 29. April 1998 (Season 4)
Autor: Brannon Braga

Das passiert: Ist die Voyager ein Kriegsschiff, das sich ohne zu Zögern in die Konflikte anderer Spezies einmischt? Ist Captain Janeway eine skrupellose Mörderin, die nur ihrer eigenen Agenda folgt? Der Doktor ist fassungslos, als er 700 Jahre in der Zukunft in einem Museum aktiviert wird und miterleben muss, wie man dort seine Freunde und Kollegen in Erinnerung hat...

Deswegen gehört sie dazu: Wie zuverlässig ist Geschichtsschreibung? Wie funktioniert diese? Brannon Bragas Skript geht diesen Fragen clever, witzig und hemmungslos nach und zeigt die uns wohlbekannte Crew als sadistische Ansammlung von Folterknechten, Zynikern und Mördern. Von Chakotays Ganz-Kopf-Tattoo und Tuvoks diabolischem Grinsen mal ganz zu schweigen. Doch geht es abseits dieses düsteren Humors natürlich um etwas anderes: Vor 700 Jahren wurde ein Zwischenfall, an dem auch die Voyager am Rande beteiligt war, zu einem einschneidenen Ereignis aufgebauscht und die Rollenverteilung, beziehungsweise Schuldfrage drastisch umgedreht. Auf diesem Selbstbild gründete sich die Kultur, Feindbilder entstanden und verfestigten sich und die Wahrheit (die uns hier durch die unfehlbaren Erinnerungen des Doktors präsentiert wird) geriet in Vergessenheit. Der innere Konflikt des Historikers Quarren steht dabei sinnbildlich für den drohenden Konflikt in seiner Kultur - wird man akzeptieren können, dass die historischen Fakten nicht stimmen? Wird man lernen können, mit einer Schuld zu leben, die das ganze Volk betrifft und Jahrhunderte lang Auswirkungen auf das Miteinander mit anderen Völkern hatte? Das Ende der Episode ist pure Magie: Wir erfahren, dass es sich bei allem Gesehenen um eine weitere Simulation, noch weiter in der Zukunft handelte. Diese erklärte den positiven Einfluss des Doktors auf die Kultur der Kyrianer und, dass er nach den gezeigten Ereignissen noch lange bei den Kyrianern gelebt hatte. Schließlich jedoch war er Richtung Alpha-Quadrant aufgebrochen, um seine eigene Heimat und seine eigene Geschichte zu finden. Was aus ihm wurde, blieb offen.

Platz 7:

Darmok (Darmok)


Serie: «Star Trek: The Next Generation»
Erstausstrahlung: 30. September 1991 (Season 5)
Autoren: Joe Menosky & Philip LaZebnik

Das passiert: Captain Picard und seine Crew werden mit einem schwierigen Auftrag betraut. Das Volk der Tamarianer oder Kinder von Tama gilt zwar durchaus als friedlich, aufgrund der ungewöhnlichen Kultur dieser Spezies ist Kommunikation jedoch bisher nie möglich gewesen. Die Sprache der Kinder von Tama besteht offenbar nur aus Metaphern, deren Inhalt man ohne Kenntnisse über ihre kulturelle Geschichte nicht verstehen kann. Ein erneuter Anlauf soll nun eine Verbesserung der Situation herbeiführen...

Deswegen gehört sie dazu: Was führt in unserer heutigen Welt zu Spannungen, Ängsten und Unsicherheiten? Diese Frage versuchte bereits 1991 die Episode Darmok zu beantworten. Zuerst scheitern alle Versuche bei der erneuten Begegnung der beiden Spezies. Wie Troi es so schön sagt: Wenn man nicht weiß, wer Julia war und warum sie auf diesem Balkon stand, wird man die Metapher niemals mit irgendwelchen Gefühlen oder Motivationen verbinden können. Das Bild bleibt leer. Letztlich ist es am Captain der Fremden, eine radikale Lösung zu forcieren. Er beamt sich und Picard auf einen scheinbar verlassenen Planeten. Was für den Captain der Enterprise zuerst wie ein Duell auf Leben und Tod aussieht, entpuppt sich jedoch als gemeinsame Mission gegen einen tödlichen Feind (ein nicht näher definiertes Wesen, das auf dem Planeten lebt und konstant aus dem Nichts angreift). Es dauert eine Weile, bis Picard versteht, dass er mit seinem Kollegen gemeinsam kämpfen soll und bis die ersten Metaphern für ihn einen Sinn ergeben. Am Ende sitzen die beiden jedoch gemeinsam am Lagerfeuer und erzählen sich gegenseitig Geschichten aus ihrer Kultur, die plötzlich - zwar keinen allumfassenden - aber immerhin einen ersten, kleinen Einblick geben. Dabei kommt es letztlich auch gar nicht darauf an, was gesagt wird. Es geht um den ersten Schritt aufeinander zu. Auf den Wunsch zum Dialog. Genau das wollte der Captain der Tamarianer erreichen und zeigen - und war letztlich sogar bereit für diesen ersten Schritt zu sterben. Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage lautet also ganz schlicht: Es ist die Angst vor dem Andersartigen, vor dem was wir im wahrsten Sinne des Wortes nicht verstehen können, das zu oft zu Irritationen und Spannungen führt. Eine offene Geisteshaltung ist zumindest einen Versuch wert.

Platz 6:

Dear Doctor (Lieber Doktor)


Serie: «Star Trek: Enterprise»
Erstausstrahlung: 23. Januar 2002 (Season 1)
Autoren: Marie & Andre Jacquemetton

Das passiert: Die Enterprise wird gebeten, den Valakianern bei der Bekämpfung einer Seuche zu helfen, die die Existenz ihrer gesamten Zivilisation bedroht. Auf dem Planeten angekommen bemerkt Dr. Phlox jedoch, dass sich im Evolutionsprozess des Planeten neben den Valakianern noch eine zweite höherentwickelte Spezies, die Menk, überlebt haben. Diese stehen zudem offenbar kurz davor, ihr volles Potential auszuschöpfen - unter Umständen eben genau durch den aktuell laufenden Prozess, der naturbedingten Auslöschung der noch höherentwickelten Valakianer. Phlox steht vor einem Dilemma: Helfen und in die Evolution eingreifen oder der Natur die Entscheidung überlassen?

Deswegen gehört sie dazu: Eine Episode, die viele Kontroversen erzeugte. Doktor Phlox tritt seinem Captain entgegen, der den Valakianern schlicht helfen möchte. Doch argumentiert Phlox aus einer anderen Warte: Wer hat ihn oder die Crew der Enterprise gebeten, auf anderen Planeten Gott zu spielen? Wäre es richtig gewesen, wenn eine außerirdische Spezies auf der Erde die Dinosaurier vor dem Aussterben gerettet hätte? Welche Instanz ist letztlich eine unantastbare? Die medizinischen Möglichkeiten? Die Moralvorstellungen der Menschen? Eher nicht. Phlox plädiert für die Natur - und überzeugt damit letztlich seinen Captain, das von ihm gefundene Heilmittel zurückzuhalten. Völkermord also? In gewisser Weise schon. Die Episode macht es sich nicht einfach, die verschiedenen Standpunkte zu gewichten und entlässt die Zuschauer auch nicht mit einer allgemeingültigen Weisheit, sondern bricht den Entschluss von Archer und Phlox auf einen simplen Nenner herunter: Nein, wir sind nicht Gott und sollten uns auch nicht so verhalten. Nicht in Nachbars Garten, nicht in anderen Ländern und auch nicht auf fremden Planeten. Kontrovers, diskutabel - «Star Trek» pur.

Auf der zweiten Seite gibt es die Top5 - wer hat es ganz nach oben geschafft?

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