Die Neuverfilmung des argentinischen Thrillerdramas «In ihren Augen» hat zwar eine Starbesetzung, aber generell kaum neue Überraschungen, eigene Ideen oder Erkenntnisse zu bieten.
Wie schon im Original springt der Plot zwischen zwei Zeitebenen hin- und her: 2002, nicht lange nach den Anschlägen vom 11. September, arbeiten FBI-Agent Ray Kastan (Chiwetel Ejiofor), seine Kollegin Jessica Cobb (Julia Roberts) und Staatsanwältin Claire Sloan (Nicole Kidman) in einer speziellen Task-Force, die sich mit der Terrorbekämpfung beschäftigt. Die USA befanden sich verständlicherweise zu dieser Zeit noch im Alarmzustand. Die Angst, dass Los Angeles das nächste Ziel eines Terroranschlages sein könnte, war groß. Zwar bleibt die Stadt der Engel vorerst von der Terrorgefahr verschont, allerdings soll die Arbeitsbeziehung und Freundschaft zwischen den drei Gesetzeshütern schnell zerbrechen: Als in einem Müllcontainer neben einer Moschee die Leiche von Carolyn Cobb (Zoe Graham), Jessicas Tochter, gefunden wird. Während sich Ray auf die Suche nach dem Täter macht, droht Jessica an dem gewaltsamen Tod ihrer Tochter zu zerbrechen. Rays Ermittlungen führen ihn zu einem Verdächtigen, der allerdings auch als wichtiger Informant im Anti-Terrorkampf fungiert, und daher unter Schutz steht. Erst 2015, also fast 13 Jahre später, kann Ray die Spur wieder aufnehmen.
Die Zeitebenen vermischt der Regisseur teils mit Bedacht, teils aber auch willkürlich miteinander, so dass die Verwirrung beim Zuschauer garantiert ist und man Vergangenheit und Gegenwart nur anhand der grauen Haarsträhnen von Chiwetel Ejiofor unterscheiden kann. Es gibt durchaus einige, geringe Verbesserungen zum argentinischem Film: Der Protagonist versucht hier nicht ein Buch über einen längst vergangenen Fall zu schreiben, sondern nimmt eine alte Spur und damit die Ermittlungen wieder auf - insgesamt erlaubt dies Hauptdarsteller Ejiofor, aktiver am Plot beteiligt zu sein. Außerdem hat der zugrunde liegende Mordfall eine wesentlich persönlichere Komponente für die Hauptfigur und sorgt damit für zusätzliche Motivation, den Fall obsessiv weiter zu verfolgen, was es auch dem Publikum leichter macht, emotional involvierter zu sein.
Die Darsteller können diese Mängel nur bedingt ausgleichen: Chiwitel Ejiofor schafft es auch hier komplexe Emotionen mit nur einen Blick auszudrücken. Julia Roberts stürzt sich lobenswert und mit voller Wucht in die Rolle der trauernden Mutter. Sie bricht beim Fund ihrer Filmtochter zunächst schreiend, zeternd und flehend zusammen und driftet im Laufe der Handlung in eine depressive Abwärtsspirale, während derer sie hagerer, blasser und dementsprechend älter wirkt als jemals zuvor. Neben diesen beiden extremen, gelegentlich aber auch forciert wirkenden Performances bleibt Nicole Kidman relativ zurückhaltend und blass. Eine stimmige Chemie will sich zwischen ihrer Figur und der von Ejiofor nicht aufbauen, so dass ihre Zuneigung zueinander emotional kaum nachvollziehbar ist. 

• 12 Years a Slave • Billy Ray • Chiwetel Ejiofor • El secreto de sus ojos • Enttarnt • Enttarnt - Verrat auf höchster Ebene • In ihren Augen • Juan José Campanella • Julia Roberts • Lüge und Wahrheit • Lüge und Wahrheit - Shattered Glass • Nicole Kidman • Shattered Glass • Ve
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