Am Ostersonntag und -montag startete der NDR ein neues Auktionsformat mit Kai Pflaume, das auf Anhieb überzeugte - und damit auch höhere Ansprüche an seinen Sendeplatz anmeldet.
Schon aufgrund des Rahmenkonzepts liegen hier natürlich Vergleiche zu «Bares für Rares» auf der Hand. Hinsichtlich der Grundstimmung des Formats fühlt man sich als Zuschauer aber wohl noch etwas mehr an die «Höhle der Löwen» erinnert: Die Optik ist ähnlich stilvoll, die Farbgebung zumindest in den "Experten-Räumen" ähnlich dunkel und dezent. Und führt man sich vor Augen, dass die Experten hier im Prinzip ebenfalls Investoren sind, wenn auch nicht in Gründer und Zukunftsvisionen, sondern schlicht direkt in Produkte anderer Händler, dann haben auch die Gespräche in den Räumen viel von den Pitches der VOX-Show. Und auch Pflaumes Funktion erinnert an Amiaz Habtu, der ebenfalls vor und nach dem jeweiligen Pitch mit den Kandidaten in Interaktion trat, dazwischen allerdings stark in den Hintergrund rückt.
Denn die wirklich spannenden Momente kreiert das Format nicht dann, wenn ein Deal besonders schnell zustande kommt oder ausgeschlagen wird. Nein, es sind vor allem zwei Situationen aus Folge eins, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben: So versucht sich einmal ein Duo daran, einen Barschrank aus den 50er-Jahren an den Mann zu bringen - wobei nur der Mann in die Verhandlungen mit den Händlern geht, während die Frau gemeinsam mit Pflaume das Geschehen im Hintergrund betrachtet und emsig mitfiebert, wie ihr Gatte das gute Stück anzupreisen versucht. Eine andere Auktion profitiert vor allem von einer sehr engagierten Verkäuferin alter Barbie-Puppen aus den 60ern, die nicht bloß auf die Zahlen schielt, sondern ihr Gegenüber auch verbal gekonnt von der Qualität und vom Wert ihres Produkts zu überzeugen versucht, um das Angebot noch ein wenig nach oben zu schrauben. Hier entfaltet die Sendung ihr größtes Potenzial.
Wenn es also etwas gibt, das den Verantwortlichen von «Wer bietet mehr?» nach den ersten beiden Episoden als Hausaufgabe mitgegeben werden kann, dann ist es wohl, sich mehr darauf zu konzentrieren, möglichst aus jeder Auktion ein kleines Highlight mit besonderer Geschichte zu machen, anstatt in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Deals unter Dach und Fach zu bringen oder platzen zu lassen. Ansonsten ist dem Neustart nicht viel anzulasten: Er ist hochwertig produziert, schaut sehr edel aus, wird von Pflaume angenehm zurückhaltend moderiert und hat vier Experten gefunden, die authentisch und interessiert wirken und vielleicht bloß noch ein wenig an Profil gewinnen könnten - das aber mit zunehmender Fernseherfahrung und zunehmender Zuschauerbindung aber ohne größeren Einfluss von Außen kommen kann.• Bares für Rares • Die Höhle der Löwen • Gefragt • Gefragt - Gejagt • Gejagt • Höhle der Löwen • Kaum zu glauben • Wer bietet mehr?
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
30.03.2016 02:44 Uhr 1
Mit Mühe und Not bin ich dabei nicht eingeschlafen.
Als bekenneder Fan von "Bares für Rares" ist mir diese Sendung hier einfach zu langweilig.
Dazu kommt:
1. Sie hat nicht den unterhaltsamen Charme der Lichter-Sendung.
2. Bei "Bares für Rares" erfährt man sehr viel über die angeboten Waren (z.B über Alter, Herkunft, tatsächlicher Wert). Hier erfährt man praktisch fast nichts davon.
3. Sowohl die Experten, als auch die Händler bei "Bares für Rares" kommen weitaus sympathischer rüber.
4. Die Preisverhandlungen hier sind hier gähnend langweilig.
Interessant ist allerdings zu sehen, dass auch hier einige Verkäufer absurde Preisvorstellungen haben
Einziger Lichtblick: Pflaume endlich mal ohne Krawatte.
Mein Fazit:
Hier und da werde ich mal reinschauen, aber ziehe "Bares für Rares" in jedem Fall vor.