Das Beste kommt zum Schluss? Nein, das lässt sich über die letzte Folge von «TV total» wahrlich nicht sagen. Punkten konnte das Finale mit schönen Gesten der Wertschätzung - an den langjährigen Sprecher, die Heavytones und vor allem Elton. Am Ende rang der Moderator um Fassung.
Am Mittwochabend ist ein großes Stück Fernsehgeschichte und ein noch viel größeres Stück ProSieben-Geschichte zu Ende gegangen: «TV total» legt sich nach über 16 Jahren zur Ruh. Wer sich anlässlich dieses historischen Abschieds eine große, pompöse Gala erhofft hatte, bei der sich Stefan Raab und sein Team mit großen Pathos noch einmal selbst feiert, musste nach all dem, wofür der Entertainer in den vergangenen gut anderthalb Jahrzehnten gestanden hatte, unweigerlich enttäuscht werden - und wurde auch enttäuscht. Die treuen Fans beschenkte man aber zumindest mit einigen selbstironischen Anspielungen, der Manifestation Eltons als unantastbare zweite Kraft des Formats und einigen Erinnerungen aus der langen Formatgeschichte dennoch. Und in seinen letzten Worten an das Publikum wurde dann auch der gewiss nicht für Sentimentalitäten bekannte Raab ungewohnt emotional.
In allererster Linie wohl, wie viel Raum dem ewigen Show-Praktikanten Elton eingeräumt wird. Schon nach dem Stand-Up darf er neben Raab Platz nehmen, die weitere Sendung ist komplett auf die gemeinsamen Aktionen der beiden ausgerichtet. Ein realistisches Abbild der Show-Normalität mag diese Fokussierung auf Elton nicht sein, zumindest aber unterstreicht es die Wertschätzung, die man dem Teilzeit-Sidekick entgegenbringt. Dass vor allem Clips aus Eltons frühen Einsätzen für «TV total» gezeigt werden, ist dann in gewisser Weise entlarvend - zeigen sie doch, wie frisch und einfallsreich man am Anfang dieses Jahrtausends noch war und wie sehr Raab auch bereit war, fernab der täglichen Aufzeichnung der Show zu investieren. Wenn dann aber beide gemeinsam verschüttetes Wasser aufwischen, Stefan plötzlich zu singen beginnt und Elton scherzhaft abknutscht, lässt es die Fan-Herzen schon höherschlagen. Da schüttelt dann auch Raab zumindest wieder kurzzeitig seine Lethargie ab.
Von dieser Emotionalität, diesen Ausbrüchen aus der Gewohnheit hätte man sich zuletzt so viel mehr gewünscht. In den vergangenen Jahren generell, aber auch in der finalen Folge von «TV total» kommen sie viel zu kurz - was einerseits das Abschiednehmen von diesem Unikat etwas erträglicher gestaltet, da man um die Notwendigkeit eines würdigen Abgangs weiß, andererseits aber auch das weitaus schwerer erträgliche Gefühl hinterlässt, dass einem der Liebling vor der Mattscheibe nicht mehr die Aufmerksamkeit und die Zuneigung hat zukommen lassen, nach der man so sehr gierte. Somit gestaltet sich auch «Schlag den Raab» als endgültigen Schlusspunkt in Raabs TV-Karriere in der Voraussicht ambivalent: Es wird wohl noch viel mehr schmerzen, den bekanntesten Metzger Deutschlands nach einer Show zu verabschieden, die sich noch immer in der Blüte ihrer Schaffenskraft befindet. Doch zumindest ist dort kein halbherziger Raab zu erwarten, sondern einer, der noch einmal alles geben wird, um seinem Publikum einen unvergesslichen Abend zu bereiten.
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