Rosamund Pike gibt in der schottischen Tragikomödie ihre mittlerweile vierte Topleistung des Jahres zum Besten und beweist darin nicht nur ihre Wandlungsfähigkeit, sondern auch ihr Fingerspitzengefühl dafür, die große Bühne einmal ihren jüngeren Kollegen zu überlassen.
Das Besondere am Drehbuch von «Ein Schotte macht noch keinen Sommer» ist das Spiel mit der Erwartungshaltung. Wenngleich die in ihrer Heimat Großbritannien sonst eher für TV-Comedy zuständigen Drehbuchautoren Andy Hamilton und Guy Jenkin ein äußerst simples, gar durchschnittskomödienkonformes Szenario einer Familienfehde entwerfen, bewegt sich ihr Streifen nie so vorhersagbar voran, wie es herkömmliche Hollywood-Durchschnittsware tut. Angefangen bei der Figurenzeichnung, bei der das vermeintliche Protagonistenpärchen alsbald in den Hintergrund der drei Jungdarsteller rückt, über das Setzen eines überraschend andersartigen Schwerpunktes bis hin zum konsequenten Weigern vor Stereotypen und Klischee-Handlungssträngen eröffnet «Ein Schotte macht noch keinen Sommer» ein wahres Auf und Ab an emotionsgeladenen Dialogen, gepaart mit einer ordentlichen Portion Lebensweisheit, klassisch britischem Humor und wohldosiertem Slapstick. Doch auch die Klassifizierung „Tragikomödie“ täte der britisch-schottischen Co-Produktion Unrecht. Wie Filmemacher Hamilton in einem Interview zu Protokoll gibt, liege der Schlüssel zum Erfolg seines Projekts darin, „Anarchie nur in kleinen Portionen zuzulassen“. Und das sieht man: Im intuitiven Zusammenspiel sämtlicher Darsteller, insbesondere der Kinder, bleibt zwar nichts dem Zufall überlassen; Gleichzeitig erhalten die Akteure innerhalb des feststehenden Storygerüsts ebenjenen Raum zur zwanglosen Interaktion, die es braucht, um beim Zuschauer wahres Mitgefühl hervorzurufen. Der Spagat zwischen grobmotorischem, unbedarftem Witz und dem Gespür für zwischenmenschliche Feinheiten macht «Ein Schotte macht noch keinen Sommer» in seiner Art einzigartig – und eben das ist es, was auch auf die Geschichte an sich zutrifft.
Seine ganze Wirkung entfaltet das Family-Inferno allerdings erst dann, wenn man vorab möglichst wenig über den Handlungsverlauf in Erfahrung bringt. Daher sei an dieser Stelle nicht mehr als nötig zu den Auf und Abs der Story verraten – stattdessen möchte sich die Verfasserin dieser Zeilen auf das „Wie“ konzentrieren und darauf, weshalb «Ein Schotte macht noch keinen Sommer» kein Massenprodukt, sondern ein Werk mit dem gewissen Etwas geworden ist. Folgt jedes Genre normalerweise einer recht standardisierten Abfolge von Ereignissen, lässt «What we Did on Our Holiday» ebenjene Zugeständnisse an den Massengeschmack eines Durchschnittskinogängers vermissen. Was wie eine schottische Variante aktueller Familientragödien wie «Sieben verdammt lange Tage» oder auch «Im August in Osage County» erinnert, durchläuft in seiner schlanken Laufzeit von gut 95 Minuten einen Bruch im Storytelling, den man so in seiner Konsequenz und daraus resultierenden Originalität kaum glauben mag. Gleichzeitig überraschen die Regisseure mit ihrer Handhabe eines Tabuthemas und begeistern mit einem beachtlichen Fingerspitzengefühl. Auch wenn die Atmosphäre alsbald ebenfalls zu einem radikalen Umbruch einlädt, halten die Filmemacher an ihrem Konzept fest und konzentrieren sich noch stärker auf die Zugkraft ihrer Darsteller. Mit diesen hat die Komödie «Ein Schotte macht noch keinen Sommer» nämlich ihr wohl größtes Los gezogen.
Die raue Kulisse der schottischen Highlands ist dabei wie gemacht für eine Komödie wie dieser, deren kantig britischer Humor das Geschehen dominiert. Für die Ereignisse innerhalb von «Ein Schotte macht noch keinen Sommer» würde die Hochglanzfassade einer Stadt wie New York bloß wie eine billige Kulisse daherkommen. In der unberührten, schottischen Natur findet sich das Ruheempfinden eines Großvaters ebenso wieder, wie das aufreibende Gemüt der streitenden Hitzköpfe – und für die Jugendlichen ist die Landschaft mit Sandstrand und Wäldern der ideale Ort, um sich zu entfalten. Kameramann Martin Hawkes, der auch schon beim Serienprojekt «Outnumbered» mit Andy Hamilton und Guy Jenkin zusammenarbeitete, verzichtete angemessen auf visuelle Spielereien und hält schlicht drauf – gern auch mal mehrere Minuten ohne einen sichtbaren Cut. Das verstärkt die Nähe zu den Figuren und erweist sich als äußerst ansehnliches Mittel, um dem Streifen einen weiteren Wiedererkennungswert zu verleihen. Musikalisch bleibt die Komödie hingegen unauffällig. Alex Heffes («Mandela – Der lange Weg zur Freiheit») konzentriert sich ganz auf zur Szenarie passende, schottische Klänge und weiß mit dieser Simplizität ebenfalls zu gefallen.

• A Long Way Down • Das perfekte Opfer • Der blutige Pfad Gottes • Der lange Weg zur Freiheit • Ein Schotte macht noch keinen Sommer • Gone Girl • Gone Girl – Das perfekte Opfer • Harry Potter und der Feuerkelch • Im August in Osage County • Mandela • Mandela – Der lange •
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