Die Kino-Kritiker

«Muppets Most Wanted»

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Massenhaft Cameos, verspielte Filmparodien und melodisch dargebotene Selbstironie: Mit «Muppets Most Wanted» greifen die Muppets das Zwerchfell von Jung und Alt an.

Hinter den Kulissen

  • Regie: James Bobin
  • Drehbuch: James Bobin & Nicholas Stoller
  • Produzenten: David Hoberman & Todd Liebermann
  • Menschliche Hauptdarsteller: Ricky Gervais, Ty Burrell, Tina Fey
  • Zentrale Muppet-Performer: Steve Whitmire, Eric Jacobson, Dave Goelz, Bill Barretta, David Rudman, Matt Vogel und Peter Linz
  • Instrumentalmusik: Christophe Beck
  • Originalsongs: Bret McKenzie, Paul Roemen
  • Kamera: Don Burgess
  • Schnitt: James Thomas
Nach Jahren, in denen sie lediglich eine nostalgische Erinnerung an frühere Entertainment-Zeiten darstellten und zu popkulturellen Leichtgewichten wurden, waren sie 2011 urplötzlich wieder da: Die Muppets. Mit dem fast schon lachhaft simpel betitelten Comeback-Film «Die Muppets» eroberten sie die Herzen des Publikums zurück (gute 7,2 Punkte bei IMDb), ernteten hervorragende Kritiken (famose 96 Prozent bei Rottentomatoes) und spülten mit 165,18 Millionen Dollar mehr an den Kinokassen ein als je zuvor. Was also steht für die Underdogs, die wenige Monate zuvor nicht einmal sicher waren, je wieder auf die große Leinwand zu gelangen, als nächstes an? Laut «Muppets Most Wanted» ging nach der letzten Klappe der 2011 gestarteten Muppet-Rückkehr alles hopplahopp:

Die Strippenzieher im Hollywood-Business erkannten offenbar, dass sich mit Kermit und Konsorten durchaus noch einige Dollar verdienen lassen. Und dies, obwohl sich die im Finale von «Die Muppets» gezeigte Masse an Fans als grobe Übertreibung offenbarte. Also wurde rasch eine Fortsetzung genehmigt – immerhin muss die Wartezeit auf das nächste, kommerziell deutlich einträglichere Sequel eines Hit-Franchises verkürzt werden. Ein Plot? Der wird sich schon finden lassen, die Story muss ja eh nur halbwegs annehmbar sein – schließlich weiß ein jeder, dass die Fortsetzung nie so gut wie das Original ist! Schnell noch einen Filmtitel hingeklatscht und den Vorgänger übertrumpfende Gastauftritte gesichert, der Rest klärt sich bestimmt von selbst!

So schildern die Muppets (in gesungener Form, begleitet von einer schmissigen Melodie) die Entstehungsgeschichte von «Muppets Most Wanted» – und machen unmissverständlich klar, welche Tonart diese 50 Millionen Dollar teure Komödie anstimmt. Die filzige Chaostruppe sparte noch nie an Selbstironie, doch nie zuvor kamen die kultigen Figuren so sarkastisch daher. Noch bevor überhaupt der Filmtitel eingeblendet wird, lassen sie kein gutes Haar an Fließbandproduktionen aus der Traumfabrik Hollyood, Franchisedenken und bemüht zusammengeklöppelte Drehbücher – wohl wissend, dass originelle Plots noch nie die Stärke der Muppets waren. Mitunter können die Geschichten mit ihnen rühren, so etwa in «Die Muppets-Weihnachtsgeschichte» oder dank des Realitätssubtextes auch im Falle von «Die Muppets», mit Innovationspreisen dürfen Kermit und seine Freunde hingegen nicht rechnen. Einige Muppet-Filme nutzen den Plot sogar nahezu ausschließlich als Sprungbrett für zeitlosen Schabernack. Und wie der Introsong „We're Doing a Sequel“ (in der deutschen Fassung: „Die Story geht weiter“) augenzwinkernd erläutert, steuert «Muppets Most Wanted» in exakt diese Richtung.

Im Anschluss an die gesungenen Angriffe auf Hollywoods Ideenmangel, geht das von Regisseur James Bobin meisterhaft orchestrierte Tohuwabohu erst richtig los: Während die Muppets auf Welttournee gehen, wird Kermit Opfer eines finsteren Plans. Der osteuropäische Meisterdieb Constantine verfrachtet ihn in ein sibirisches Gefängnis und nimmt bei den Muppets seinen Platz ein – all dies unter Mithilfe des ein doppeltes Spiel spielenden Tourmanages Dominic Bösewicht (Ricky Gervais). Klingt abgedroschen und klischeebeladen? Das soll es auch sein, denn ein Teil des «Muppets Most Wanted»-Humors generiert sich daraus, wie viele abgenutzte Kriminalkomödien-Elemente die Autoren Nicholas Stoller und James Bobin spielerisch aneinanderreihen können. Die Antwort: Sehr viele.

Zusätzlich zum bösen Kermit-Doppel stoßen noch ein tölpelhafter französischer Inspektor (Ty Burrell) und eine garstige Gefängnisaufseherin mit Herz aus Gold (Tina Fey) zum Figurenensemble dazu, außerdem kommt es zu einer romantischen Verwechslung und zu einer komplizierten Artefaktsuche. Wie es sich für einen guten Muppet-Film gehört, stellt «Muppets Most Wanted» diese Storyelemente aber nicht unkommentiert zusammen, sondern nimmt sie auch gehörig auf die Schippe. Häufig geschieht dies (wie schon im Intro) auf musikalischem Wege. Constantine übt sich daher in schmalzigem Disco-Pop, um Miss Piggy von seinen bösen Plänen abzulenken, während Ty Burrells ulkiger Inspektor zusammen mit Muppet-Adler Sam seine miesen Ermittlungen in spielerischen Klängen abhakt, die nie verhehlen, wie albern dieser Plot eigentlich ist. Darüber hinaus nimmt eine große Powerballade von Miss Piggy und einem der vielen Gaststars typische, kraftvoll-emotionale Filmsongs aufs Korn. Doch nicht alle Lieder sind mit klaren Seitenhieben versehen: Tina Fey und Ricky Gervais dürfen ebenfalls jeweils eine eigene Nummer trällern und einige gewitzte Wortspiele von sich geben, dabei führen sie allerdings humorvoll Plotelemente ein, statt sich vornehmlich über Drehbuchschwächen oder ausgediente Genreaspekte lustig zu machen.

Aber nicht nur Gervais und Fey dürfen abseits der selbstironisch-parodistischen Gewässer schwimmen, schließlich kommt auch eine Vielzahl der Muppets dazu, ihre typischen Maschen auszuspielen. Liebhaber vom magere Witze erzählenden Bären Fozzie, dem Hühner liebenden Stuntman-Poeten Gonzo, dem unverständlichen Koch und vielen weiteren Muppet-Persönlichkeiten kommen dabei ebenso auf ihre Kosten, wie Muppet-Novizen – denn die absurd-charmanten Macken dieser Truppe erklären sich rasch von selbst und nur äußerst selten verfeuert das energetische Skript seine gelegentlichen Insidergags ohne eine sie begleitende, für jedermann zugängliche Pointe.

Ähnlich rar gesät sind richtige Rohrkrepierer und Drehbuchschwächen, die nicht genüsslich durch den Kakao gezogen werden. Zu den größten Schnitzern zählt dafür, dass die Finalszene dieses inszenatorisch weitestgehend ansprechenden Films auf einen wahrlich grausigen Bluescreen-Effekt baut – und dies gänzlich ironiefrei. Davon abgesehen tänzelt der nunmehr achte Muppet-Film zielsicher durch seine Laufzeit. Während junge Kinogänger vor allem durch den bunten Trubel angesprochen werden, richtet sich «Muppets Most Wanted» mit gezielten Filmparodien, Metahumor, einer schwer zu überbietenden Masse an Cameos und cleveren Wortspielen an die älteren Zuschauer. Es ist zwar nicht der herzerwärmendste Muppet-Film, aber nie zuvor waren die Muppets fescher, aufgedrehter und spaßiger.

«Muppets Most Wanted» ist ab dem 1. Mai in zahlreichen deutschen Kinos zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/70408
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