Quotencheck

«Wetten, dass..?»

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Nachdem vor allem die Neugier Markus Lanz in seiner ersten Staffel noch zu hohen Zahlen verhalf, stellten seine Shows zuletzt ständig neue Negativrekorde auf.

«Wetten, dass..?»-Facts

Moderatoren:
151 Mal Thomas Gottschalk
39 Mal Frank Elstner
9 Mal Wolfgang Lippert
13 Mal Markus Lanz

Arena in Offenburg
1800 Plätze, aber rund 10.000 Kartenanfragen pro Sendung, Tendenz steigend

in Offenburg
bisher acht Sendungen in Offenburg, seit 2009 sogar schon vier. Dafür zwischen 1995 und 2009 keine einzige.
Quelle: ZDF
In den 80er-Jahren startete im ZDF eine Spielshow, die binnen kürzester Zeit riesige Zuschauermassen unterhielt, nach über 30 Jahren 2014 aber nur noch drei Shows vor dem Aus steht. Zwischen 1985 und 1987 belief sich der Zuschauerdurchschnitt auf über 20 Millionen Zuseher, am 9. Februar 1985 schalteten gar 23,42 Millionen Zuschauer ein – alleine in West-Deutschland. An diese galaktisch hohe Zahl kam «Wetten, dass…?» auch nach der Widervereinigung nie mehr heran. Dieser Tage schaut nur noch ein Bruchteil der Fernsehenden von damals zu. Vor allem in Markus Lanz‘ Amtszeit hatte «Wetten, dass…?» mit reichlich Kritik am Format und am neuen Moderator zu kämpfen, die sich erheblich auf die Sehbeteiligungen auswirkte.

Dabei sah es gegen Ende von Thomas Gottschalks Engagement bei der ZDF-Institution noch rosig aus für das Format, das über Jahrzehnte hinweg Zuschauer mit Stargästen und aberwitzigen Wetten unterhielt, auch wenn sich am Samstagabend schon zu dieser Zeit immer seltener mehr als 10 Millionen Zuschauer für «Wetten, dass…?» interessierten. Den Anfang vom Ende der Gottschalkschen Moderation markierte die erste Episode seiner letzten Staffel am 2. Oktober 2010, welche mit 9,50 Millionen Zusehern 31,7 Prozent der Zuschauer ab Drei generierte. Damals machte RTLs frische Castingshow «Das Supertalent» der ZDF-Sendung Zuschauer abspenstig. An diesem Abend verfolgten beispielsweise starke 23,6 Prozent aller Fernsehenden lieber die Show mit Dieter Bohlen.

Bis zur verhängnisvollen «Wetten, dass…?»-Ausgabe am 4. Dezember 2010, in der Samuel Koch bei seiner Wette auf tragische Weise einem Unfall zum Opfer fiel, sank die Gesamtzuschauerzahl auf 8,13 Millionen Menschen und daraus resultierende 25,6 Prozent hinab. Es war die Zeit nach dieser Episode, in der Gottschalk endgültig sein Ende bei «Wetten, dass…» beschloss und die Spekulationen um seinen Nachfolger begannen, aus denen letztendlich Markus Lanz als Gottschalk-Ersatz hervorging, welchem schon früh Skepsis entgegenschlug. In der nächsten Folge nach dem Live-Unglück im Rahmen der Übertragung zogen die Sehbeteiligungen wieder an und «Wetten, dass…?» flimmerte am 12. Februar 2011 10,56 Millionen Menschen und damit 32,1 Prozent aller Zuschauer entgegen.

Am 18. Juni 2011 standen sogar 12,43 Millionen Interessierte zu Buche, die zu 42,8 Prozent bei Allen führten - eine derart große Beliebtheit verzeichnete «Wetten, dass…?» beim Fernsehpublikum seit 2007 nicht mehr. Diese Zahl wurde noch getoppt von den Werten der allerletzten Gottschalk-Ausgabe (3. Dezember 2011), die 14,73 Millionen Menschen und damit 46,0 Prozent aller Fernsehenden anzog – beide Ausgaben generierten zudem um die 39 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Ein riesiger Teil der Fernsehnation wollte also an Thomas Gottschalks Abschiedstournee teilhaben.

Und dann kam Markus Lanz. Innerhalb der 10-monatigen Pause baute sich eine riesige Erwartungshaltung auf dem neuen Moderator auf, die sich zur ersten Episode mit Lanz am 6. Oktober 2012 in 13,62 Millionen Zuschauern und 43,7 Prozent aller Fernsehenden entlud. Das Medien-Echo, welches sich meist auf eine mangelhafte Darbietung Lanz‘ einigte, ließ für die Zukunft schon nichts Gutes erahnen. Noch 10,74 (6. Oktober 2012), erstmalig mit dem neuen Side-Kick Cindy aus Marzahn, dann 8,89 Millionen Zuseher am 8. Dezember 2012, entschieden sich für «Wetten, dass…», was zu Gesamtmarktanteilen von 33,6 und später 29,3 Prozent führte, dabei beschränkten sich die Erfolge von Konkurrenzsendungen wie «Das Supertalent» mittlerweile nur noch auf die Zielgruppe und auch sonst war keine ernsthafte Konkurrenz erkennbar. Im neuen Jahr 2013 hielten sich die Januar- und die Februarausgabe von den Zuschauerzahlen auf einem ähnlichen Niveau, auch wenn die Marktanteile bei 27,7 und 27,4 Prozent lagen.

Der erste größere Einbruch folgte am 23. März 2013, als 7,43 Millionen Zuschauer der Spiel- und Variety-Show beiwohnten und damit 24,0 Prozent Marktanteil bewirkten. Nach dreimonatiger Abstinenz hielt der Zuschauerschwund an und «Wetten, dass…?» brach auf 6,74 Millionen Menschen ein – die warmen Temperaturen bewirkten immerhin eine allgemeine Rückläufigkeit in Sachen Gesamtpublikum, wodurch die Mallorca-Ausgabe zu 28,4 Prozent Marktanteil gelangte und somit Markus Lanz‘ erste «Wetten, dass…?»-Staffel sowie die Beteiligung der Komikerin Cindy aus Marzahn bei der ZDF-Show mit einem Minusrekord bei den Publikumszahlen abschloss.

Vier Monate Verschnaufpause blieben den Verantwortlichen, in denen sie sich Gedanken darüber machen konnten, in welcher Art und Weise man «Wetten, dass…?» wieder zu einem höheren Zuschauerinteresse verhelfen könnte. Dabei sprangen so gut wie keine einschneidenden Änderungen heraus, fortan präsentierte Markus Lanz die rund dreistündige Show jedoch wieder alleine und ZDF-Redaktionsleiter Oliver Heidemann betonte, man wolle Lanz von nun an stärker mit der Wettdramaturgie verbinden. Zur Rückkehr am 5. Oktober 2013 verbesserte sich «Wetten, dass…?» mit Gästen wie Harrison Ford, Sylvester Stallone und Helene Fischer in Sachen Zuschauerzahlen kaum merklich auf 6,85 Millionen Zuschauer und gab quotentechnisch um über sechs Prozent auf 22,1 Prozent ab.

Die Folge-Ausgabe verbuchte die exakt gleiche Quote, stellte aber mit 6,55 Millionen Zuschauern erneut einen Negativrekord auf, der bis zur Gegenwart nicht der Tiefpunkt der Show bleiben sollte. Die letzte Show im Jahr 2013 war ihrem Vorgänger um nur 330.000 Menschen voraus (6,88 Mio.) und legte bei den Zuschauern ab Drei auch mit 23,3 Prozent eine bessere Performance an den Tag. Luft verschaffte sich «Wetten, dass…?» jedoch bei Weitem nicht: In der Auftaktepisode 2014, die die ZDF-Zuschauer am 25. Januar erwartete, lag «Wetten, dass…?» erstmals unter der 20-Prozent-Marke, als nur 19,4 Prozent aller Zuschauer einschalteten, auch die 6,31 Millionen Interessierten bedeuteten einen weiteren vorläufigen Tiefstwert. Doch damit nicht genug: Die vergangene Episode wollten mit 5,85 Millionen erneut weniger Menschen als je zuvor sehen und auch die 19,3 Prozent Marktanteil waren bis dahin unerreicht. Eine Millionen Menschen mehr, nämlich 6,84 Millionen, wohnten der letzten «Wetten, dass…?»-Episode vor der Sommerpause 2014 bei, die wohl teilweise das Produkt der Spekulationen um das Ende von Markus Lanz in den Tagen davor sind. Auch mit 23,1 Prozent zeigte sich beim Gesamtmarktanteil eine deutliche Besserung.

Die Zahlen im Zuge von Markus Lanz‘ Moderation sprechen eine klare Sprache: Während Thomas Gottschalk mit seinen letzten 10 Ausgaben noch durchschnittlich 9,27 Millionen Menschen und 30,76 Prozent aller Zuschauer erreichte, kam Markus Lanz in der aktuellen Staffel nur noch auf 6,55 Millionen Personen und 21,6 Prozent Marktanteil, nachdem vor allem die Neugier der Zuschauer Lanz in dessen Debütstaffel 2012/2013 zu ähnlichen Werten wie zuvor Gottschalk verhalf. Und selbst auf diesem Niveau, das bei «Wetten, dass…?» noch nie niedriger war, fehlt Lanz die Konstanz. Immer neue Negativ-Rekorde stellten seine Sendungen auf, auch wenn sich «Wetten, dass…?» für ZDF-Verhältnisse noch immer auf einem weit überdurchschnittlichen Level befindet. Nichtsdestotrotz rechtfertige der Aufwand nicht mehr das Quotenniveau, wie ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler selbst zu Protokoll gab (Die Produktion einer Show kostet zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Euro). „Time to say goodbye“ twitterte das ZDF kurz nachdem Lanz das baldige Ende von «Wetten, dass…?» offenbarte. Im Angesicht des Show-Endes lassen sich die abschließenden Quoten vielleicht noch einmal versöhnlich gestalten.

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