Die Kino-Kritiker

«Insidious: Chapter 2»

von

Die Gruselfortsetzung der «Saw»-Macher strapaziert die Nerven ihrer Zuschauer - und das nicht im positiven Sinn.

Filmfacts «Insidious: Chapter 2»

  • Kinostart: 17. Oktober 2013
  • Genre: Horror
  • Laufzeit: 105 Min.
  • FSK: 16
  • Kamera: John R. Leonetti
  • Musik: Joseph Bishara
  • Drehbuch: Leigh Whannell
  • Regie: James Wan
  • Darsteller: Patrick Wilson, Rose Byrne, Barbara Hershey, Lin Shaye, Steve Coulter, Leigh Whannell
  • OT: Insidious: Chapter 2 (USA 2013)
Legt man direkt mit seiner ersten international größer vermarkteten Produktion eine derartige Punktlandung wie der australische Filmemacher James Wan hin, fällt es in der Regel schwer, mit den nachfolgenden Werken unmittelbar daran anzuknüpfen. Der großartige, gemeinsam mit seinem Landsmann Leigh Whannell kreierte Psychohorrorthriller «Saw» (2004) machte Wan zu einer neuen Hoffnung des originelleren Horrorfilms, setzte aufgrund seines enormen Erfolgs allerdings leider auch den Grundstein für sechs ungleich schwächere Fortsetzungen, mit denen schließlich eine der lukrativsten Horrorfilmreihen aller Zeiten geschaffen wurde. Trotz einer Beteiligung als Produzent der «Saw»-Sequels sollten jedoch nach dem ersten Teil noch rund drei Jahre vergehen, bis sich Wan auch als Regisseur im Kino zurückmeldete.

Vor allem das Horrorgenre hatte es ihm in der Folgezeit weiter sehr angetan, wobei er hier eine eher unerwartete Richtung einschlug, indem er sich weniger kompromisslosen Härten als vielmehr einem sehr klassisch erzeugten Grusel verschrieb. Dies demonstrierte er im Jahr 2011 nach einer abermals längeren Schaffenspause auch mit dem Geisterhorror «Insidious». Zwar konnten er und sein zum wiederholten Male als Drehbuchautor fungierender Partner Leigh Whannell damit erneut keineswegs an die Klasse von «Saw» heranreichen, doch war dem Low-Budget-Streifen nichtsdestotrotz ein enormer Erfolg beschieden, sodass mit «Insidious: Chapter 2» nun die unvermeidliche Fortsetzung ins Haus steht. Die neueste Zusammenarbeit von Wan und Whannell erbt dabei aber nicht nur die Schwächen des Vorgängers, sondern lässt sie sogar noch deutlicher und enervierender hervortreten.

Nach einem kurzen einleitenden Rückblick in die Kindheit von Protagonist Josh Lambert (Patrick Wilson) setzt «Insidious: Chapter 2» unmittelbar am offenen Ende des ersten Teils an. Nachdem Josh seinen Sohn aus einer düsteren Parallelwelt vor Geistern und Dämonen gerettet hat, scheint er nun selbst von einem solchen Geist besessen zu sein. Dies muss die übernatürlich begabte und für die Rettungsaktion mitverantwortliche Elise (Lin Shaye) schnell mit ihrem Tod bezahlen. Als Joshs Frau Renai (Rose Byrne) und seine Mutter Lorraine (Barbara Hershey) Elises Leiche entdecken, scheint Josh jedoch nichts darüber zu wissen. Um trotz all jener traumatischen Geschehnisse allmählich wieder Normalität in ihren Alltag einkehren zu lassen, ziehen die Lamberts daraufhin vorübergehend zu Lorraine. Doch bald häufen sich auch dort seltsame Vorkommnisse und unheimliche Erscheinungen, bei denen Josh eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen scheint.

Mit «Insidious» gingen James Wan und Leigh Whannell das grundsätzlich recht löbliche Unterfangen an, inmitten der um sich greifenden und scheinbar einen Brutalitätswettbewerb im Horrorgenre austragenden „Torture-Porn“-Welle, an der sie selbst nicht ganz unschuldig waren, einen schaurigen Gruselfilm alter Schule zu realisieren. Doch schon bei Teil 1 glückte dieser Versuch nur teilweise, driftete dieser nach einer sehr stimmungsvollen ersten Hälfte doch in ziemlich abstruse Gefilde ab, welche für sich genommen aber immerhin vereinzelte inszenatorische Glanzpunkte aufwiesen. Teil 2 hat nun von Beginn an das Problem, dass die eigenwillige Spinnerei um Astralprojektionen und neblige Geisterwelten bereits etabliert ist und damit von vornherein als Handlungsgerüst dienen muss. Beim Aufbau einer schaurigen Atmosphäre geht die Fortsetzung somit die meiste Zeit alles andere als behutsam und einfallsreich vor.

Wan betet bei einem bisweilen fast schon dreisten Raubzug durch verschiedene Genrevorbilder ein Gruselfilm-Klischee nach dem anderen herunter. Und hat er diese Liste erst einmal abgearbeitet, fängt er einfach wieder von vorne an. Doch nach schier endlosen knarrenden Böden und Türen, Gegenständen mit Eigenleben, Frauen in weißen Gewändern, schlecht ausgeleuchteten Räumen und haarsträubenden Methoden der zu Hilfe gerufenen „Geisterjäger“ stellen sich zwangsläufig gravierende Ermüdungserscheinungen ein. Gerade bei den für das Aufspüren von Geisterpräsenzen zuständigen Charakteren schlägt der Gradmesser für unfreiwillige Komik, der sich schon beim Vorgänger in ähnlichen Sequenzen im dunkelroten Bereich bewegt hat, mitunter weit über die Skala hinaus aus. Doch nicht nur hier fallen regelmäßig ärgerliche Logiklücken auf. Selbst wenn die Prämisse eines Films noch so übernatürlich-absurd anmutet, sollten die in ihm dargelegten Ereignisse zumindest innerhalb der eigenen entworfenen Welt schlüssig sein.

Um sein Publikum trotz dieser Unzulänglichkeiten zumindest gehörig zu erschrecken, wollte Wan wohl ganz auf Nummer sicher gehen, schießt aber letztlich auch hier weit über das Ziel hinaus. Die Erzeugung eines Schockeffekts durch die Verbindung eines vermeintlich gruseligen Ereignisses mit teils ohrenbetäubend lauter Musik und donnernden Sounds bewirkt nach einer anfangs nicht zu leugnenden Effektivität am Ende eher das Gegenteil. Die plumpen Jump Scares sind in ihrer Häufigkeit nicht nur schlichtweg anstrengend, sondern werden mit fortschreitender Laufzeit auch immer vorhersehbarer. Die Folge all dessen ist eine mit einer zunehmenden Gleichgültigkeit der ohnehin dürftigen Geschichte gegenüber einhergehende Langeweile. So geht schließlich auch beinahe unter, dass gegen Ende des Films in einer kurzen Sequenz einige Geschehnisse des ersten Teils mit einer nachträglich bereichernden, wenn auch ebenfalls nicht vollends logischen Verknüpfung in der Tat originell erneut aufgegriffen werden. Doch ist dies nur ein kleiner Lichtblick in der Weite des nervtötenden Geistermeeres.

Allzu viel war von «Insidious; Chapter 2» wohl nicht zu erwarten, doch ging sein Vorgänger trotz deutlicher Defizite immerhin als solider Grusler mit einer streckenweise recht dichten Atmosphäre durch. Seine Fortsetzung erreicht nun aber nicht einmal dieses Prädikat. Das penetrante Abfeuern der schnell nervigen Jump Scares, das wiederholte einfallslose Abarbeiten der Blaupause von Gruselfilmen und nicht zuletzt die nicht selten von überaus albernen Ideen geprägten Handlungen auf der Leinwand rauben der Geistergeschichte viel Spannung und jeglichen Charme. Angesichts des kreativen Teams hinter dem Film, das einst eine solche Genreperle wie «Saw» auf die Beine gestellt hat, fällt dies noch einmal besonders überraschend und zugleich bedauerlich aus. Vielleicht gelingt es zumindest James Wan, demnächst wieder neue Impulse für sein filmisches Schaffen zu finden, wenn er sich einmal an einem völlig anderen Gerne probiert. Ob allerdings ausgerechnet die «Fast & Furious»-Reihe, bei deren im nächsten Jahr in den Kinos startenden siebten Teil er die Regie übernommen hat, wirklich die beste Wahl hierfür ist, darf durchaus bezweifelt werden.

«Insidious: Chapter 2» ist ab dem 17. Oktober in den deutschen Kinos zu sehen.

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