360 Grad

Auf Safari im Kolonialrassismus

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Gegen die «Reality Queens auf Safari» bei ProSieben wurden Rassismusvorwürfe laut. Ein Kommentar von Julian Miller.

Bei aller Liebe: Diese Dreistigkeit ist eigentlich unfassbar. Da verwendet ProSieben Tansania als Kulisse, vor der es intellektuell eher schwerfällige It-Girls und Models vorführen will, und gibt sich dann überrascht, wenn es sich mit dem Vorwurf von Rassismus konfrontiert sieht. Samt all der, in solchen Situationen üblichen, Dementis. Nein, wir sind nicht rassistisch. Wie kommen Sie denn darauf?

Den Vorwurf, dass in «Reality Queens auf Safari» mit den übelsten kolonialrassistischen Klischees hantiert wird, erheben über ein Dutzend Nichtregierungsorganisationen, darunter die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland e.V., der Arbeitskreis Panafrikanismus e.V., die Deutsch-Tansanianische Freundschaftsgesellschaft und das Tansania-Network.de e.V. Dessen Vorsitzender Sönke Wanzek wandte sich in einem offenen Brief an ProSieben, in dem er detailliert darlegte, was an dieser Sendung so alles abartig ist, und sogar postulierte, dass in Teilen "die Grenze zur Erniedrigung" überschritten wurde.

Bei ProSieben will man davon nichts wissen. Und ein Raunen geht durch das Medienbusiness. Ist «Reality Queens» rassistisch?

Natürlich ist «Reality Queens» rassistisch. Was denn sonst?

In jeder einzelnen Minute der bisher ausgestrahlten Folgen kommt einem das kalte Grausen: Einstellungen, in denen die Protagonistinnen beim ersten Aufeinandertreffen mit den Massai auf die Vertreter des afrikanischen Stamms zugehen, als wären das wilde Tiere. Sequenzen, in denen Afrika entweder als Anlass zur Belustigung aufgefasst wird oder mit triefender Pianomusik eimerweise Mitleid erregt werden soll. Sätze wie „Weil die [Massai] waschen ihre Klamotten wahrscheinlich nicht und ich werde mich erst mit Sagrotanspray einsprühen, damit ich keine Krätze bekomme“. Na, wenn das mal keine rassistischen Vorurteile schürt.

Niemand unterstellt, dass die Macher hier kolonialrassistische Sentiments schüren wollten oder eine Weltanschauung haben, die man mit White Supremacy umschreiben müsste. Doch man hat bewiesen, dass man in der entsprechenden Abteilung über keinerlei kulturelle Sensibilität verfügt. Angesichts dieser Produktion von einem respektvollen Umgang mit den afrikanischen Protagonisten zu sprechen, ist angesichts des fertigen Produkts blanker Hohn.

Dass man das bei ProSieben nicht einsieht, ist wahrscheinlich sogar der größte Teil des Problems.

Wie fürchterlich wäre es erst gewesen, wenn dieses Format ein Hit geworden wäre.

Kurz-URL: qmde.de/65945
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