Die Kino-Kritiker

«Trance – Gefährliche Erinnerung»

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Ein wertvolles Gemälde wird gestohlen und der Auktionator verletzt – er kann sich an nichts mehr erinnern. Eine Hypnotiseurin soll ihm helfen, den Dieb zu finden.

Filmfacts: «Trance – Gefährliche Erinnerung»

  • Kinostart: 8. August 2013
  • Genre: Mystery, Thriller
  • Laufzeit: 101 Min.
  • FSK: 16
  • Musik: Rick Smith
  • Autoren: Joe Ahearne, John Hodge
  • Regie: Danny Boyle
  • Darsteller: James McAvoy, Vincent Cassel, Rosario Dawson, Danny Sapani, Matt Cross, Wahab Sheikh
  • OT: Trance (2013)
Nicht jeder konnte die Entscheidung der Academy vor vier Jahren verstehen, als Danny Boyle für sein Indien-Drama «Slumdog Millionär» gleich acht Mal mit dem Goldjungen ausgezeichnet wurde. Boyle störte das natürlich herzlich wenig. Stattdessen folgte unter seiner Regie mit «127 Hours» eine intensive One-Man-Show von James Franco als Abenteurer Aron Ralston und die Inszenierung der Eröffnungsshow der Olympischen Spiele in London.

Mit «Trance» kehrt der Regisseur nach seinem Ausflug in den Sportbereich nun zurück in die fiktionale Welt der Traumfabrik. Und noch ein alter Bekannter stieß zum Team: Drehbuchautor John Hodge, der in den 1990ern das Skript zu Boyles Kultfilm «Trainspotting» beisteuerte, liefert die Geschichte. Ein erfolgsversprechendes Duo hinter der Kamera, das mit diesem surrealen Thriller einmal mehr seine Klasse beweist.

Simon (James McAvoy), ein Kunstauktionator, verbündet sich mit einer Bande von Kriminellen, um ein millionenschweres Kunstwerk zu stehlen. Nachdem er bei dem Raub einen Schlag auf den Kopf erlitten hat, entdeckt er nach dem Aufwachen, dass er sich nicht daran erinnern kann, wo er das Gemälde versteckt hat.

Als Drohungen und Folter ohne Erfolg bleiben, heuert der Anführer der Bande (Vincent Cassel) eine Hypno-Therapeutin (Rosario Dawson) an, um in den dunkelsten Untiefen von Simons Psyche zu wühlen.

Als sie tiefer in sein angeschlagenes Unterbewusstsein eindringt, wird das Spiel immer gefährlicher, und die Grenzen zwischen Begehren, Realität und hypnotischer Suggestion verwischen.

Egal, ob der oben bereits angesprochene «Slumdog Millionär», der Science-Fictioner «Sunshine» oder eben «Trainspotting»: In Boyles Werken spielt die audiovisuelle Sprache meist die eigentliche Hauptrolle. So auch in «Trance», dessen Bilder und Musik eine einzige Wucht sind und wie ein Sog aufs Publikum wirken. Schon allein deswegen wird der Film seinem Titel absolut gerecht. Verquere Winkel, knallige Farben, Lensflairs und glühende Impressionen, verstärkt durch einen treibenden Technosound (von der gleichen Band, die auch für «Trainspotting» einspielte) – die Optik wirkt wie ein Rausch und spätestens, wenn Rosario Dawson ihren Kollegen James McAvoy mittels hallender Worte in Hypnose versetzt, wird der gesamte Kinosaal zum Therapieraum.

Von der Geschichte her erinnert alles ein wenig an Christopher Nolans großartigen «Inception», schafft aber doch etwas gänzlich Eigenständiges. Immer wieder wechselt die Handlung ihr Erzählmuster und gibt den drei Hauptakteuren jedes Mal völlig neue Facetten. Wer hier wem hinterherjagt und wieso bleibt bis zum entlarvenden Finale ungewiss – und selbst die Auflösung fordert Hirnschmalz. Einfach berieseln lassen ist hier nicht möglich, denn wer seinen Denkapparat frühzeitig abschaltet, kann ebenso gut gleich das Kino verlassen.

Ein weiterer Hingucker sind die toll aufspielenden Darsteller. Rosario Dawson («Percy Jackson») gibt die moderne Femme Fatale, die sich hier freizügig wie nie zeigt. Ihrem zwielichtigen Charakter möchte man am liebsten alles sofort glauben – sollte man aber nicht. Dazu passt McAvoy («X-Men: Erste Entscheidung») als naiv-cooler Jungauktionator, der sich von einem Schlamassel in den nächsten quasselt. Und schließlich wäre da noch Vincent Cassel («Black Swan»), der zunächst den typischen Bad Boy mimt, dann aber doch noch ganz andere Seiten zeigt. Der Cast ist so vielseitig wie das fintenreiche Drehbuch und präsentiert sich in Bestform.

Danny Boyle demonstriert erneut, dass er sein Handwerk versteht und virtuos umzusetzen weiß. Das Produkt ist ein aufgestylter Heist-Thriller, in dem nichts so ist wie es scheint. Ein Mix aus brutaler Gewalt, sinnlichem Sex und mörderischer Gier, gepaart mit trockenem Humor. Doch trotz all der tollen Schauwerte gilt es, den Kopf einzuschalten, mitzuknobeln und – wenn man denkt, man kennt des Rätsels Lösung – sich überraschen zu lassen. Wer sich darauf einlässt, gerät im wahrsten Sinne in einen Trance-Zustand.

«Trance – Gefährliche Erinnerung» startet am 8. August in den deutschen Kinos.

Kurz-URL: qmde.de/65362
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