Fernsehfriedhof

Der Sitcomfriedhof: Pleiten, Pech & Alkohol

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Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 213: Eine ZDF-Sitcom, für die der Sender jahrelang keine Verwendung hatte.

Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir einer deutschen Sitcom, die gleich mehrere Hürden überwinden musste.

«Immer Ärger mit Arno» wurde zwar bereits Anfang des Jahres 1996 geboren, erblickte aber erst am 13. April 1999 im ZDF das Licht der Welt. Die Serie entstand zu einer Zeit, als durch die Produktionen «Bistro, Bistro», «Hilfe, meine Familie spinnt», «Vier wie wir», «Ein Job fürs Leben» und «Corinna» ein wahrer Boom an Sitcoms im deutschen Fernsehen herrschte, die allesamt auf ausländischen Vorlagen basierten. In diese Tradition sollte sich auch jene Sendung einreihen, an die hier erinnert wird.

Den Anstoß für ihre Herstellung lieferte der spätere Sat.1-Senderchef Fred Kogel, der damals noch Unterhaltungschef und Leiter der Hauptredaktion Show beim ZDF war. Er hatte die britische Serie «Tom, Dick and Harriet» entdeckt, die mit zwei Staffeln ab Herbst 1982 ausgestrahlt wurde, und strebte eine deutsche Adaption an. Die Autoren Mietes van Oepen und Thomas Brückner wurden daraufhin für die Ausfertigung der Drehbücher engagiert. Diese basierten im Grunde auf den originalen Vorlagen und wurden nur von einigen britischen Eigenheiten (z.B. den Seitenhieben auf Deutschland) bereinigt. Wie in England stand damit ein älterer Rentner im Zentrum der Handlung, der jahrzehntelang von seiner Ehefrau gegängelt und kommandiert wurde. Als diese endlich starb, begann für Arno endlich ein freies Leben. Um nicht in ein Altersheim abgeschoben zu werden, musste er allerdings bei seinem Sohn und dessen Ehefrau einziehen. Die Episoden erzählten dann stets davon, wie Arno das junge, aber konservative Ehepaar mit seinen fortwährenden Eskapaden nervte.

Als Hauptdarsteller hatte Kogel von Beginn an den Schauspieler und Entertainer Harald Juhnke im Blick, der für die Rolle auch zusagte. Kurz vor Beginn der Dreharbeiten fiel dieser allerdings aufgrund seiner Alkoholkrankheit für unbestimmte Zeit aus. Weil aber der Dreh bereits vollständig vorbereitet, andere Darsteller engagiert und die Kulissen fertiggestellt waren, entschied sich die Produktionsfirma Endemol, die Hauptrolle kurzerhand umzubesetzen. Letztlich sprang der bekannte Filmschauspieler Harald Leipnitz ein. Dieser war zuvor in einigen «Winnetou»- und «Edgar Wallace»-Verfilmungen und dem Durbridge-Krimi «Die Schlüssel» zu sehen. An seiner Seite verkörperten Albert Fortell und Kristin Maria Derfler die Rollen des Sohnes Lutz und seiner Gattin Heike. Eine Nebenrolle übernahm zudem René Heinersdorff, den viele Zuschauer bereits aus der Sitcom «Drei Mann im Bett» kannten und der von Harald Leipnitz zum Schauspieler ausgebildet wurde. Er war zugleich der Regisseur der Serie und hatte zuvor auch die ZDF-Sitcom «Vier wie wir» inszeniert.

Nachdem diese Startschwierigkeiten überwunden waren, konnten die Dreharbeiten planmäßig begonnen und beendet werden. Als die erste Staffel zur Ausstrahlung bereit stand, war für sie eigentlich der bewährte Comedy-Sendeplatz am Sonntagabend gegen 22.00 Uhr vorgesehen. Zwischenzeitlich hatte das ZDF jedoch völlig überraschend die Senderechte für die Sitcom «Is’ was Trainer» erworben.

Diese entstand bereits im Jahr 1994, stieß aber bei Testvorführungen auf eine derart negative Resonanz, dass der auftraggebende Sender RTL das Ergebnis ins Archiv verbannte. Als nun drei Jahre später das ZDF die Rechte erwarb, erhielt sie den Sendeplatz, der eigentlich für Rentner Arno vorgesehen war. «Is’ was Trainer» blockierte mit seinen 25 Episoden dann den Sonntagabend für ein halbes Jahr. Nach deren Beendigung standen dann wiederum die ersten Folgen der «April-Hailer-Show», die Premiere der neuen Reihe «Salto Kommunale» und die dritte Staffel der etablierten Sitcom «Lukas» an. Kurz, für Arnos wildes Leben war kein Sendeplatz in Sicht. Daher versauerte das Format knapp drei Jahre im ZDF-Archiv.

Erst im Frühjahr 1999 holte man die Serie wieder hervor und setzte sie auf den Sendeplan. Eine Programmierung am Sonntagabend war ihr dann jedoch nicht mehr vergönnt, stattdessen wurde sie am Dienstagabend um kurz nach Mitternacht versteckt. Es war daher kaum verwunderlich, dass sie kein großes Publikum finden konnte. Eine Fortsetzung war aufgrund der langen Verzögerung zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon ausgeschlossen.

«Immer Ärger mit Arno» wurde am 15. Juni 1999 beerdigt und erreichte ein Alter von 13 Folgen. Die Serie hinterließ den Hauptdarsteller Harald Leipnitz, der anschließend noch einige kleinere Rollen in Fernsehproduktionen übernahm und im November 2000 verstarb. René Heinersdorff kehrte ab dem Jahr 1999 durch seine Hauptrolle in «Die Camper» wieder zum Comedyformat zurück. Albert Fortell war indessen hauptsächlich in seichteren Stoffen wie «Die Alpenklinik», «Schloss Orth», «Inga Lindström» und «Rosamunde Pilcher» zu sehen, während Kristin Maria Derfler unter anderem in der Sat.1-Krimireihe «Schwurgericht» mitwirkte, die unter der Führung von Fred Kogel entstand.

Möge die Serie in Frieden ruhen!

Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs erscheint am kommenden Donnerstag und widmet sich dann einer Krankenhaus-Sitcom mit Jochen Busse.

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