It's fun. Meint zumindest Holger Andersen. Als der RTL II-Programmdirektor im Februar dieses Jahres die neue Dokosoap «Das Tier in mir» ankündigte, musste er schon mit dem zweiten Atemzug Stellung beziehen – defensiver Art versteht sich. Das Konzept, in dessen Rahmen C-Promis wie Charlotte Karlinder und Oliver Beerhenke bei ihrem Versuch begleitet werden, von einer Tierherde als einer der Ihren aufgenommen zu werden, stieß kurioser Weise auf Widerstand. Tierverbände zeigten sich entsetzt. Ganz vorne dabei, wenn auch aus weniger selbstlosen Gründen, war selbstverständlich die Bild, gegenüber der Andersen das Format erklärte und als harmlos verteidigte: “Die Prominenten werden paarweise zwischen drei und vier Tagen bei den Tieren leben und versuchen, sich in die Gruppe integrieren. Dabei werden sie auch das Futter der Tiere bekommen.” Doch beruhigende Worte sollten die BamS nicht daran hindern, das Gesamtbild durch zusammengewürfelte Begriffe wie “Dschungel-«Big Brother»” aufzubauschen. Zum Vorwurf kann man das dem Blatt sicherlich nicht machen – in Grünwald wird man sich ohnehin über die verfrühte Presse gefreut haben. Und doch kann man als Zuschauer nur verständnislos den Kopf schütteln.
It's fun. Hofft jedenfalls das Publikum. Erfahrungsgemäß werden zwei der vier genannten Sendungen auch in der nächsten Saison zu sehen sein, während der Rest auf dem Fernsehfriedhof landet. Den Beschreibungen allein zufolge fällt es schwer, die schwarzen Schafe aus zumachen. Doch nach nur wenigen Minuten «Das Tier in mir» steht fest: Das kann eigentlich nicht gut gehen. Nochmal zum Ablauf: Gina Lisa-Lohfink, Kathy Karrenbauer, Jochen Bendel und Konsorten wecken das Tier in sich und versuchen sich in die Welt von Bär oder Krododil einzuleben. Tatkräftig unterstützt werden sie dabei von fotogenen Tierexperten, die nach einigen Tagen bzw. guten 60 Minuten entscheiden, wer denn nun die beste Figur gemacht hat. Belohnt wird man mit 5.000 Euro, die an eine Tierschutzorganisation der eigenen Wahl gehen. Tierschützer dürfen deshalb Luft holen. Aber auch weil «Das Tier in mir» tatsächlich harmlos ist. Was die ganze Geschichte umso trauriger macht.
It's fun. Lässt sich hämisch rufen. Auf den ersten Blick ist «Das Tier in mir» die typische Klamauk-Dokusoap. Angemessenes Voice-Over, überstrapazierte Scores und Hitsongs, schwungvolle Bildübergänge plus Zeitlupe, Stillstand und «DSDS»-typischen Kunstgriffen wie Bildeinblendungen im Cartoon-Style. Das mag man nun mögen oder nicht – wer etwas anderes erwartet hat, ist hier sicherlich falsch. Die Packung macht also den ersten guten Eindruck. Und doch kann nichts darüber hinwegtäuschen, dass das magere Gerüst keine Sendung über mehrere Wochen tragen kann. Denn so schön es sich auch liest, das Ergebnis sieht ganz anders aus. Wirklich bei den Tieren sind Olivia und Oliver eigentlich kaum und wenn, dann steht der Experte daneben. Man unterhält sich, reißt einige Witze und wirft den Ungetümen verstohlene Blicke zu. Dann wird noch schnell im Gehege bzw. einem abgetrennten Käfig im Fall der Bären übernachtet und fast ist das „Experiment“ wieder vorbei. Einzig Beerhenkes Fischerausflug kann auf stilistischer wie tierischer Ebene überzeugen. Sonst ist «Das Tier in mir» viel zu nah dran an den Promis, der Außenwelt, ja, sogar dem Zuschauer. Spannung kommt gar keine auf, eine eigene Atmosphäre sowieso nicht.
Schlauer wäre es gewesen sofort mit mehreren Promis in die erste Episode zu starten und die einzelnen Fortschritte Woche für Woche zu beleuchten. Man hätte Lieblinge gewinnen können, womöglich einen Grund gehabt, in sieben Tagen wieder einzuschalten und insgesamt wäre dem Werk zu ein klein bisschen mehr Pep verholfen. Mal ganz unabhängig davon, ob RTL II sich langfristig von Schmuddel und Trash verabschieden wird: Wenn man es macht, dann bitte richtig. Auf diese Weise sind zu Unrecht aufgebauschte Sendungen wie «Das Tier in mir» zum Auftakt exakt einen Artikel wert – darüberhinaus nichts mehr. It's fun? Die längste Zeit gewesen.
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