Die Kritiker

«Navy CIS: Los Angeles»

von

Story


Vier Monate nachdem Special Agent Callen angeschossen wurde, kehrt er wieder zurück in sein Team. Bei einem Polizeieinsatz kommt es zu einer Schießerei, während dieser der entführte Navy-Lieutenant McGuire erschossen wird. Die Special Agents Callen und Hanna beginnen mit ihren Ermittlungen: Gemeinsam mit dem Team analysieren sie das Video der Verfolgungsjagd und können so ausschließen, dass der Navy-Lieutenant von den Polizisten versehentlich getötet wurde. Während sie zu dem Entschluss kommen, dass es sich hierbei um einen Mordfall handelt, stehen sie schon vor dem nächsten Problem. Denn die Ermittlungen führen Callen und Hanna zu McGuires Schwester und deren Tochter. Schnell stellt sich heraus, dass die Nichte des Navy-Lieutenants entführt wurde, um ihn zu erpressen. Die Special Agents Callen und Hanna setzen nun alles daran, das kleine Mädchen zu befreien.

Darsteller


Chris O'Donnell («Cats & Dogs») ist Special Agent G. Callen
LL Cool J («Navy CIS», «The Deal») ist Special Agent Sam Hanna
Daniela Ruah («Tu & Eu») ist Special Agent Kensi Blye
Peter Cambor («Ganz schön schwanger!») ist Operational Psychologist Nate “Doc” Getz
Linda Hunt («Sacred Earth») ist Department Manager Henrietta “Hetty” Lange
Adam Jamal Craig («Washington Field») ist Special Agent Dominic Vail
Rocky Carroll («Navy CIS», «Der Ja-Sager») ist Director Leon Vance
Barett Foe («The Closer», «Navy CIS») ist Eric Beal

Kritik


Den aufmerksamen Zuschauern von «Navy CIS» dürften die Charaktere des neuen Spin-Offs «NCIS: Los Angeles» bereits ein Begriff sein, wurden sie in der «NCIS»-Doppelfolge „Legende“ bereits eingeführt. In dem so genannten „Backdoor-Piloten“ der neuen Crime-Serie sind die Figuren also bereits eingeführt worden, dem Serien-Fan also bestens bekannt. Die CBS-Serie dreht sich daher gänzlich um eine Undercover-Einheit bestehend aus Special Agents des Naval Criminal Investigative Service in Los Angeles und lehnt sich dabei gewollt an die Hauptserie «Navy CIS» an, deren erster Ableger sie ist. In den USA geht die Krimi-Serie bereits in eine zweite Staffel, Sat.1 präsentiert sie erstmals auch dem deutschen Publikum. Wie schon bei den «CSI»-Ablegern von CBS ist es auch bei dem Spin-Off von «NCIS» nicht vonnöten besonders viel Kenntnis von der Hauptserie zu besitzen, es ist zumindest für den Einstieg aber ein Vorteil, zumindest dann, wenn die beiden «NCIS»-Episoden „Legende 1 & 2“ (Wiederholung am 24.07.2010, ab 18.30 Uhr auf Sat.1) gesehen wurden, auf die in der ersten Folge zurückgegriffen wird. Letztlich basiert aber auch die Folge "Identität" auf dem typischen Kriminalfall-Prinzip, in dem der Mordfall beziehungsweise das Verbrechen im Vordergrund stehen und erst im Verlauf der Episode eine Aufklärung erfahren. Komplexe Zusammenhänge zu verstehen wird also nicht vorausgesetzt, weshalb der Einstieg in die neue Crime-Serie relativ leicht fällt.

Allein zum Verständnis der Charakterisierungen der Hauptfiguren könnte eine Vorkenntnis über den „Backdoor-Piloten“ nützlich sein, denn beim Vorstellen der Figuren und ihrer Konstellationen weist die US-Serie die ersten Mängel auf. Die jungen, robusten Darsteller machen ihre Sache gut, doch können sie Drehbuchlücken nicht schließen. Inhaltlich baut «NCIS: L.A.» auf seinem Hauptformat auf. Drehbuchautor Shane Brennan, der gleichzeitig Schöpfer des «NCIS»-Ablegers ist, stellt dabei den Kriminalfall des umgekommenen Lieutenants und dessen entführter Nichte in den Vordergrund, welche Geschichten gut recherchiert sind und daher auch authentisch erzählt werden. Doch ist das alles kein Seltenheitswert für eine Crime-Serie, in der den Fällen meistens eine ausgiebige und ordentliche Recherche vorausgeht, um eben Authentizität und Bezüge zu realen Abläufen zu wahren. Auch ist der Erzählstil einem Kriminalfilm sehr typisch, wenngleich aber die Beziehungskonstellationen der einzelnen Figuren nicht immer ganz klar werden. So hat der Drehbuchautor Brennan zwar den eigentlichen Fall in den Fokus gestellt – was gut ist –, doch dabei vergessen seine Ermittler dem Zuschauer genauer vorzustellen - und vor allem Sympathie für sie zu wecken, damit der Zuseher mit ihnen "warm" werden kann. Die fehlende, aufschlussreiche Charakterzeichnung ist somit das größte Manko der Serie, was allerdings dem Storytelling nicht weiter schadet. Die Dialoge sind sogar lebhaft und gelegentlich mit etwas Witz behaftet, doch wird der im Original durchaus vorhandene Gehalt an Ironie und Sarkasmus bei der Interaktion der Special Agents vermisst. Somit bleiben die Charaktere leider blass und ihre Gespräche basieren überwiegend auf durchschnittlichem Ermittler-Palaver.

Gleichermaßen setzt man aber auf die Action, die zu einem solchen Format einfach dazu gehört. Diesen Teil machen die teils jungen Schauspieler sehr gut und glänzen mit ihrer Vitalität und der fast perfekten Inszenierung von James Whitmore Jr., der mit einer Crew aus «Navy CIS»- und Krimiserien-erfahrenen Darstellern arbeitete und auch auf deren wie eigene Erfahrungen zurückgreifen konnte. Hier schafft es «NCIS: L.A.» gar etwas frischen Wind zu entfachen und zeigt sehr deutlich welche Zielgruppe sie sich ausgesucht hat. Vornehmlich die männlichen Zuschauer sollen offensichtlich für den Serien-Ableger gewonnen werden, konzentriert man sich doch fast ausschließlich auf die (nicht immer gewaltfreie) Rätsellösung, bei der gerne die eine oder andere Schießerei und Waffengebrauch vorkommen dürfen. Die hauptsächliche Geschichte und auch die Nebengeschichten rund um die Einführung der Charaktere werden dabei aber vernachlässigt – zugunsten der Action, die dann aber ohne großen Spannungsaufbau mangels Identifikation mit den Figuren auskommen muss. Außerdem ist der Actionanteil der neuen Crime-Serie noch zu marginal, um allein damit punkten zu können. Regisseur James Whitmore Jr. setzt hier mehr auf High-Tech-Spielzeug, das aber teils schon vielfach bekannt und somit langweilig ist, als auf wirkungsvolle Explosionen. Eine gute Mischung findet die erste Episode "Identität" von «NCIS: L.A.» in dieser Hinsicht auch nicht.

Im Gesamtpaket – will man einen Vergleich anstrengen – fehlt dem Spin-Off noch der Unterhaltungswert, den das Original «Navy CIS» mit seiner ausgereiften Figurenkonstellation teils auch durch ironische Art und Weise hinbekommt. Die Anforderungen an eine gute Krimi-Serie erfüllt «NCIS: L.A.» aber in jedem Fall, so dass man getrost von einer soliden Krimi-Reihe sprechen kann, die interessante Fälle bereit hält. Doch muss die Serie aufpassen, dass der Zuschauer sich an die Kriminalfälle nach Schema F nicht zu schnell gewöhnt, und zu sehen, dass die Grundspannung gehalten werden kann, denn sonst könnte der Schuss schnell nach hinten losgehen. Das Original werden Krimi-Fans derzeit jedoch noch nicht missen wollen, führt ihnen das Spin-Off hinsichtlich der Figurenkonstellationen vor Augen, was sie an «Navy CIS» haben. Schafft «NCIS: L.A.» jedoch eine Steigerung hinsichtlich der Unterhaltung, für welche eine solche Serie sicherlich konzipiert ist und die nur über ein besseres, erfrischenderes Zusammenspiel der einzelnen Figuren zu erreichen ist, steht der soliden Krimi-Unterhaltung auf Sat.1 auch am Samstagabend nichts mehr im Wege. Paradoxerweise passt die eigene Identität-Suche der Serie auch zum Titel der Auftaktepisode.

Sat.1 zeigt die erste Staffel mit 24 Episoden von «NCIS: Los Angeles» ab Samstag, dem 24. Juli 2010, zunächst jeweils in Doppelfolgen um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/43393
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