Die Kino-Kritiker

«Gesetz der Straße - Brooklyn’s Finest»

von
Mit dem knallharten Cop-Thriller findet «Training Day»-Regisseur Antoine Fuqua zu alter Stärke zurück.

Für viele Regisseure, denen es gelungen ist, ein filmisches Meisterwerk auf die Kinoleinwände zu zaubern, ist es oft nicht leicht, im Anschluss daran vor allem qualitativ an dieses anzuknüpfen. Die Wachowski-Brüder machten nach dem grandiosen Science-Fiction-Thriller «Matrix» (1999) mit dessen zwei Fortsetzungen (2003) und der gefloppten Anime-Adaption «Speed Racer» (2008) mehr schlecht als recht von sich reden. Peter Jackson hat nach dem überragenden Erfolg der «Herr der Ringe»-Trilogie (2001-2003) bis jetzt lediglich die ungleich schwächeren Produktionen «King Kong» (2005) und «In meinem Himmel» (2009) vorzuweisen. Einige Filmemacher verschwinden sogar fast gänzlich in der Versenkung, wie zum Beispiel Tony Kaye, Regisseur des ausgezeichneten und viel beachteten Dramas «American History X» (1998).

Auf den Regisseur Antoine Fuqua trifft vor allem letzteres nicht ganz zu, war der US-Amerikaner in der Filmwelt doch stets recht präsent. Jedoch erreichten weder «Tränen der Sonne» (2003) noch «King Arthur» (2004) auch nur annähernd die Qualität seines oscarprämierten Thrillerdramas «Training Day» (2001). Nachdem der solide Actioner «Shooter» (2007) zumindest in Ansätzen einen erneuten Aufwärtstrend in der Karriere des ehemaligen Musikvideoregisseurs markierte, gelingt es Fuqua nun mit der Rückkehr zu dem Genre, das ihn einst groß gemacht hat, endlich auch wieder die Klasse seines bislang besten Werks zu erreichen.

Im Mittelpunkt von «Gesetz der Straße - Brooklyn’s Finest» stehen drei New Yorker Polizisten, die, sichtlich von ihrem Job gezeichnet, versuchen, über die Runden zu kommen: ein alternder Beamter (Richard Gere), der kurz vor der Pensionierung steht. Ein fürsorglicher Familienvater (Ethan Hawke), dem so ziemlich jedes Mittel recht ist, sein mickriges Polizistengehalt aufzustocken, um für seine Großfamilie sorgen zu können. Und ein Undercovercop (Don Cheadle), der sich nach der Rückkehr in ein normales Leben sehnt und bald zwischen seinem Job und der Freundschaft zu einem Gangsterboss (Wesley Snipes) hin- und hergerissen ist.

Alle drei Episoden laufen gleichberechtigt nebeneinander her und berühren sich hier und da, jedoch vor allem gegen Ende, immer wieder dezent, aber nicht aufdringlich oder gar überkonstruiert, wie es oft bei ähnlich erzählten Filmen der Fall ist. An der Spitze jedes einzelnen Handlungsstrangs stehen mit Richard Gere («Pretty Woman»), Ethan Hawke («Training Day») und Don Cheadle («Hotel Ruanda») erstklassige Darsteller, denen es mit ihrem intensiven Spiel gelingt, die Tragik und die Verzweiflung ihrer Figuren dem Zuschauer mehr als greifbar zu machen. Auch ihrer Leistung ist es zu verdanken, dass «Gesetz der Straße» sein hohes Spannungsniveau über eine Laufzeit von über zwei Stunden fast durchgehend aufrechterhalten kann.

Doch sind es wohl insbesondere Fuquas fesselnde Inszenierung und das Drehbuch aus der Feder von Michael C. Martin, die für eine stets angespannte und bedrohliche Atmosphäre sorgen. Die bedrückende Ahnung eines bevorstehenden Unglücks scheint in jeder Minute allgegenwärtig. Man fürchtet in einem Großteil der dargebotenen Situation deren baldige Eskalation. Wenn es dann tatsächlich zu einer solchen kommt, sparen Fuqua und sein Team auch nicht an Brutalität. Im Gegensatz zu zahlreichen neueren Genrevertretern kommt diese jedoch keineswegs übertrieben, sondern überaus realistisch daher, was der Intensität des Gezeigten ungemein zu Gute kommt. Auch ansonsten weist das gesamte Geschehen eine außergewöhnliche Realitätsnähe auf.

Vor den Augen des Zuschauers entfaltet sich ein überaus authentisches Bild des New Yorker Polizeialltags und davon, wie essentiell ein solcher Job das Leben und die Psyche eines Menschen beeinflussen kann. In dieser Hinsicht schlägt er sogar seinen Quasi-Vorgänger «Training Day». So ist es trotz einiger kleiner Schwächen in der Figurenzeichnung doch verwunderlich, dass der in Brooklyn aufgewachsene Autor Michael C. Martin mit seinem Skript lediglich den zweiten Platz bei dem Drehbuchwettbewerb belegte, für den er seine Geschichte ursprünglich eingereicht hatte. Sicher könnte man hier und da nach noch mehr Tiefe in der Darstellung der verschiedenen Charaktere verlangen. Doch holen Martin und Fuqua aus dem episodenhaften Erzählformat, das ohnehin nur begrenzten Raum für die einzelnen Handlungsstränge lässt, noch ein Maximum an Dichte und Komplexität heraus.

Einen Kinobesuch lohnt «Gesetz der Straße» also auf jeden Fall. Das außerordentlich spannende und tragische Porträt dreier verzweifelter Polizisten bietet feinste Thrillerunterhaltung auf hohem Niveau. Die leichten Unzulänglichkeiten des Drehbuchs und der Gebrauch einiger bekannter Genreversatzstücke werden durch deren originelle Kombination, genügend frische Storyansätze und die spannungsgeladene Inszenierung mehr als wettgemacht. Antoine Fuquas neuestes, erstklassig besetztes Werk beweist nicht zuletzt durch seinen sofort fesselnden Einstieg sowie sein noch gelungeneres Ende, dass auch ein mehrfach filmisch verarbeitetes Szenario bei angemessener Aufbereitung noch immer genügend Stoff für packende Geschichten bietet.

«Gesetz der Straße - Brooklyn’s Finest» ist seit dem 1. April in vielen deutschen Kinos zu sehen.

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