Die Kritiker

«Die Jahrhundertlawine»

von

Story


Anne lebt mit Marc in einer leidenschaftlichen Beziehung, die nie zu Ende zu gehen scheint. Als plötzlich ihr Bruder nach Hilfe ruft, der kurz davor ist, von einem hohen Berg in die Tiefe zu stürzen, eilt das Paar zu ihm, um ihn mit dem Hubschrauber zu retten. Die Rettungsaktion geht trotz aller Bemühungen schief und ihr geliebter Bruder stürzt in den Tod. Im Eifer des Gefechts macht sie Marc dafür verantwortlich und will nichts mehr mit ihm zu tun haben.

9 Jahre hält sie das Versprechen ein. Als Marc, der nun in Paris wohnt, allerdings von der hohen Lawinengefahr in Vend, dem Winterurlaubsort, hört, reist er sofort zurück um zu helfen. Im Gegensatz zu manch alten Freunden freut sich Anne ganz und gar nicht über seine Rückkehr. Doch ihr bleibt nicht viel Zeit um nachzudenken: Es ist fünf vor zwölf und das größte Lawinenunglück steht bevor. Schneller als gedacht kommt der Mega-Schneesturm und begräbt ganz Vend untere sich. Wer darf sich am Ende zu den Überlebenden zählen? Finden Anne und Marc wieder zueinander?

Darsteller


Désirée Nosbusch («Der Tod meiner Schwester») ist Anne
Vincent Perez («Avec le Temps») ist Marc
Joel Eisenblätter («Das 100 Millionen Dollar Date») ist Nik
Aladin Reibel («Clémence») ist Anton
Coraly Zahonero («Le Grand Patron») ist Hélène
Eva Habermann («Ossi‘s Eleven») ist Valerie
Michael Brandner («Hurenkinder») ist Bürgermeister
Gloria Nefzger («Wie es bleibt») ist Irene

Kritik


Der Film «Die Jahrhundertlawine» beginnt mit imposanten Snowboard-Aufnahmen. Nicht wissend, dass der Mensch darauf kurz danach stirbt, könnte man glatt meinen, es sei der Protagonist des kurzweiligen Films. Mit «Alarm für Cobra 11»-Spannungsmusik im Hintergrund versuchen sie mit vereinten Kräften, den jungen Mann überleben zu lassen. Doch nichts da: Kurz nach dem Start gibt es bereits dem ersten Toten, der die Basis für den Film legt.

Jörg Lühdorff, der Regisseur, der mit Fernsehfilmen wie «Die Pathologin» oder «Ratten» auf sich aufmerksam machte, wollte mit dem neuesten RTL-Katastrophenfilm wohl einen vielschichtigen seiner Art schaffen. Die vielen (nicht eingeführten, sondern vorhandenen) Personen und die angerissene Familien-Dramatik sprechen dafür. Doch wie soll einem das in weniger als 90 Minuten gelingen, ohne die Action- und Spannungsaspekte zu unterschlagen?

Schon zu Beginn des Films kann man sich ein Aufstöhnen - der Synchronisation sei Dank - nicht verkneifen. Wie man in der Postproduktion so schluderig mit einem Film umgehen kann, sodass die mangelnde Qualität und Synchronität der neuen Tonspur dermaßen auffällt, ist vollkommen unverständlich. Auf die Spitze wird dieser Aspekt bei einem Musikfest getrieben, bei dem das Playback der Sängerin rein gar nicht auf die Lippenbewegungen passt.

Außerdem ist die Orientierung an komplexen, vielschichtigen Krimis oder Actionfilmen fehl am Platz. In nahezu jeder Szene wird der Ort und die Uhrzeit eingeblendet, die allerdings kaum variieren. Der Ort ist bis auf kleine Abweichungen immer der selbe - der Skiurlaubsort Vend - und wo man sich dort im Moment befindet, vermag der Zuschauer vielleicht noch selbst herauszubekommen. Die Uhrzeit ist auch vollkommen unwichtig, spielt sich die wahre Katastrophe nur an einem Tag ab.

Sobald die Schneelawine herunterkommt, ist eine wackelige Handkamera im Dauereinsatz, die eher nervt anstatt den Zuschauer mitzureißen. Außerdem hätte man sich bei der Darstellung der Lawinen etwas mehr Mühe geben können - sie sehen nicht immer real aus.

Außerdem gibt es auch storytechnisch einige Probleme: Schon nach 40 Minuten liegen Anne und Marc - so viel darf sicherlich verraten werden - zusammen unter der dicken Schneedecke, um sich wieder näher zu kommen und natürlich gerettet zu werden. Was soll denn hier noch kommen? - fragt sich der Zuschauer an dieser Stelle. Durch die fehlende emotionale Bindung zu den Figuren fiebert man nicht mit und die Langeweile wird trotz der sehr kurzen Dauer immer größer. Es folgt nichts wirklich Überraschendes, da alles vorgeschrieben und vorhersehbar ist. Es wird gesucht, gefunden, gestorben und geweint, wobei der Titel immer zu aufgeblasen zu sein scheint.

Nach der Sturmflut, dem Höllenfeuer und zahlreichen anderen Desastern folgt nun die Jahrhundertlawine, die aber nicht mit den anderen Krisen mithalten kann - Katastrophe im Eilschritt.

RTL sendet «Die Jahrhundertlawine» am Sonntag, den 8. Februar 2008, um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/32999
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