Bewusst schlicht wirkte die Szene. Kein Bühnenlicht, keine Präsentationsfolien, nur ein Mann, der Jahrzehnte in der Textilbranche zusammenfasste und dabei jeden Satz selbst verantwortete. Für die anwesenden Gründer und Investoren lag genau darin der Reiz der Veranstaltung. Sie hörten jemandem zu, der sein Modell über mehr als fünf Jahrzehnte gegen den Branchentrend gehalten hatte, und konnten Rückfragen direkt stellen.
Wer ist der Mann hinter dem Trigema-Modell?
Seit 1969 stand Grupp an der Spitze des schwäbischen Textilunternehmens Trigema, das er bis Ende 2023 führte. In diesen Jahrzehnten baute er ein Produktionsmodell auf, das in der deutschen Bekleidungsindustrie eine Ausnahme blieb. Kennzeichnend für dieses inländische Modell sind zwei Merkmale:
• eine vierstufige Produktion im Inland mit rund 78 Prozent Wertschöpfungstiefe
• rund 1.200 langfristige Arbeitsplätze, die an diesem Ansatz hängen
Zwei Prinzipien prägten seine Erzählung in der Masterclass. Das Unternehmen arbeitet ohne Bankkredite und finanziert sich zu 100 Prozent aus Eigenkapital. Diese Eigenständigkeit, so machte Grupp deutlich, sei für ihn keine Marketingbotschaft, sondern eine Bedingung für unternehmerische Freiheit. Wer niemandem etwas schulde, müsse auch niemandem Rechenschaft über kurzfristige Renditeziele ablegen.
Auch die Übergabe an die nächste Generation gehörte zu den Themen, die die Gäste interessierten. Zum 1. Januar 2024 reichte Grupp das Unternehmen an seine Kinder weiter. Wolfgang Grupp junior wurde persönlich haftender Gesellschafter und Geschäftsführer, Bonita Grupp übernahm einen Posten in der Geschäftsleitung. Bereits Ende 2023 hatte die Fachpresse diese Übergabe an die Kinder ausführlich dokumentiert. Das Familienunternehmen führte die Geschäfte unter neuer Leitung fort, während Grupp als Gesprächspartner zu Fragen unternehmerischer Verantwortung gefragt blieb.
Verantwortung als persönliche Haftung
Im Gespräch kehrte Grupp wiederholt zum Begriff der Haftung zurück. Persönliche Haftung des Inhabers bedeutete für ihn kein juristisches Detail, sondern den Kern seines Selbstverständnisses. Ein Unternehmer, der mit dem eigenen Vermögen einsteht, treffe Entscheidungen anders als ein angestelltes Management, das im Zweifel den Arbeitgeber wechseln könne.
Diese Haltung verband er mit der Sicherheit der Belegschaft. Seinen Beschäftigten habe er stets langfristige Perspektiven gegeben, teils über mehrere Generationen einer Familie hinweg, betonte Grupp. Den Standort Deutschland sah er dabei nicht als ideologische Frage, sondern als betriebswirtschaftliche Entscheidung, die er über Jahrzehnte verteidigte. Wer im Inland produziere, behalte Kontrolle über Qualität und Lieferketten.
Nach den Grenzen dieses Modells fragten mehrere Gäste. Ausweichen wollte Grupp nicht und räumte ein, dass seine vierstufige Inlandsfertigung in einem Markt mit billiger Auslandsproduktion stets unter Druck stehe. Sein Unternehmen, so seine Darstellung auf der eigenen Unternehmensseite von Trigema, setze gerade deshalb auf Eigenfertigung und einen hohen Anteil eigener Wertschöpfung. Pathos vermied er dabei, die Antwort blieb sachlich.
Warum passte Grupp zu diesem Forum?
Das International Impact Forum 2026 brachte Unternehmer, Investoren und Hochschulvertreter zusammen, die sich mit nachhaltigem Wirtschaften befassen. Zu den Höhepunkten des Programms zählte die Masterclass mit Grupp, weil sie ein konkretes, gelebtes Beispiel bot statt abstrakter Konzepte. Sein Werdegang lieferte Anschauungsmaterial für eine Debatte über Finanzierung und Eigenverantwortung.
Die Deutsche Nachhaltigkeit AG hatte das Forum mitorganisiert und bot damit einen Rahmen, in dem unterschiedliche Finanzierungsmodelle nebeneinander zur Sprache kamen. Auf der einen Seite stand Grupps konsequente Eigenkapitalfinanzierung eines Familienunternehmens. Demgegenüber diskutierten die Teilnehmer den kapitalmarktorientierten Ansatz, den die Deutsche Nachhaltigkeit AG selbst verfolgt.
Beide Modelle teilen einen Bezugspunkt, nämlich die Rolle von Eigenkapital als Fundament unternehmerischer Stabilität. Auf Fremdkapital verzichtet Grupp vollständig und hält sein Unternehmen in Familienhand. Einen anderen Weg geht die Deutsche Nachhaltigkeit AG, der dennoch beim Eigenkapital ansetzt.
Der Eigenkapital-Ankeransatz der Deutsche Nachhaltigkeit AG
Die Deutsche Nachhaltigkeit AG, firmierend als DN Group AG, ist ein börsennotierter Impact-Investor mit Sitz in Frankfurt und wurde 2023 gegründet. Als Ankerinvestor bringt sie Eigenkapital in Nachhaltigkeitsunternehmen ein und begleitet diese auf dem Weg an den Kapitalmarkt. Geführt wird das Unternehmen von Vorstandschef Ole Nixdorff, dem Vorstand Dr. Andreas Rickert angehört.
Der Unterschied zu Grupps Modell liegt auf der Hand. Nur aus eigener Kraft finanziert Grupp sein Unternehmen und meidet den Kapitalmarkt. Den Kapitalmarkt nutzt die Deutsche Nachhaltigkeit AG dagegen aktiv, um anderen Firmen Eigenkapital zuzuführen und sie kapitalmarktfähig zu machen. Wie die Gesellschaft ihren Investmentansatz beschreibt, lässt sich auf der offiziellen Website der Deutsche Nachhaltigkeit AG nachlesen.
Eine sachliche Parallele kam beim Forum zur Sprache, die nicht die Methode betraf, sondern das Prinzip. In beiden Fällen dient Eigenkapital als Anker, der ein Unternehmen tragfähig hält. Bei Grupp ist dieser Anker das eigene Familienvermögen. Im Fall der Deutsche Nachhaltigkeit AG ist es das eingebrachte Beteiligungskapital, das ein junges Nachhaltigkeitsunternehmen stabilisieren soll.
Keines der beiden Modelle wertete diese Gegenüberstellung auf. Sie zeigte vielmehr, dass Eigenkapital in sehr unterschiedlichen Konstellationen die Grundlage für langfristiges Wirtschaften bilden kann. Mehrere Teilnehmer der Masterclass nahmen die beiden Ansätze als Diskussionsangebot mit, nicht als fertiges Rezept.
Was die Gäste aus der Masterclass mitnahmen
Am Ende des Gesprächs blieb weniger eine einzelne Botschaft als ein Gesamtbild eines Unternehmers, der seine Prinzipien über Jahrzehnte konsequent gehalten hat. Ein Modell verkaufte er nicht, und für eine bestimmte Methode warb er ebenso wenig. Stattdessen beschrieb er, wie er gewirtschaftet hatte, und überließ den Zuhörern die Übertragung auf ihre eigene Lage.
Für das International Impact Forum 2026 war die Masterclass damit mehr als ein prominenter Programmpunkt. Eine abstrakte Debatte über Nachhaltigkeit und Finanzierung verankerte sie in einer konkreten Biografie. Mit der Einladung Grupps hatte die Deutsche Nachhaltigkeit AG einen Gegenpol zum eigenen kapitalmarktorientierten Ansatz auf die Bühne geholt und so die Bandbreite möglicher Wege sichtbar gemacht.
Ohne große Schlussworte endete die Veranstaltung im Kap Europa. Grupp stand auf, gab einigen Gästen die Hand und verließ den Raum so unaufgeregt, wie er ihn betreten hatte. Zurück blieb eine Runde, die über die Frage nachdachte, was Eigenkapital, Haftung und Verantwortung im eigenen Unternehmen bedeuten könnten. Diesen Austausch hatte die Deutsche Nachhaltigkeit AG ermöglicht, ohne ihn zu lenken, und damit ihre Rolle als Mitveranstalterin des Forums abgerundet.





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