Das zweite Endspiel der deutschen Mannschaft läuft am Mittwoch im Zweiten - höchste Zeit also, sich dem bislang sowohl aus Quotensicht als auch inhaltlich stärkeren der beiden WM-Sender zu widmen. Vor allem die Experten und Moderatoren des ZDFs überzeugen nahezu ausnahmslos, über die einzige nennenswert in Erscheinung tretende Frau wird hingegen emotionalst diskutiert.
Erinnern Sie sich noch an die düsteren Zeiten, als Johannes B. Kerner und Katrin Müller-Hohenstein als Hauptmoderatoren des Senders fungierten? Man kann sie ganz gut verdrängen: Kerner muss sich nach seinem missglückten Sat.1-Abenteuer schon seit Jahren damit begnügen, die eine oder andere Show zu moderieren, Müller-Hohenstein ist zusammen mit ihrem ARD-Pendant Gerhard Delling ins untere Karriere-Mittelfeld abgerutscht und muss sich nun mit gelegentlichen Berichten vom Quartier der Nationalelf begnügen. Und kaum jemand wünscht sich eine Rückkehr der beiden Ex-Moderationsgrößen, da sich Oliver Welke längst an der Spitze festgebissen hat. Neben seinem großen Erfolg im Rahmen der «heute-show» hat er dies in allererster Linie der Interaktion mit Oliver Kahn zu verdanken, die stets unverkrampft daherkam und von einem skurrilen Zusammenspiel zwischen gegenseitiger Wertschätzung und Seitenhieben geprägt war - neben Müller-Hohenstein wirkte der Titan einst eher ein wenig genervt und konnte sie augenscheinlich nie wirklich ernstnehmen.
Angesichts dessen wird Jochen Breyer wohl noch etwas länger in Welkes Schatten stehen, der auch ein guter Moderator ist, Witz und Lockerheit mitbringt und im Zusammenspiel mit Kramer gut funktioniert. Die Momente, die hängen bleiben, hat aber eben Welke zu bieten - und das höhere Maß an moderativer Souveränität auch. Dass Breyer "nur" die zweite Geige spielt, tritt dann im ZDF auch etwas deutlicher zutage als im Ersten, da die beiden Moderatoren hier meist getrennt agieren und kaum gemeinsam durch eine Sendung führen.
Bei den Kommentatoren kann man drei Namen schnell abhaken: Bela Rethy und Oliver Schmidt stehen an der Spitze des senderinternen Rankings, was sich ein weiteres Mal daran zeigt, dass die beiden die im ZDF übertragenen Deutschland-Spiele kommentieren durften (Schmidt) bzw. dürfen (Rethy am Mittwoch). Auch Thomas Wark ist schon seit einigen Jahren dabei und gilt unter Fans nicht unbedingt als der fachlich stärkste Kommentator, ohne jedoch so stark abzufallen, dass man seine in der Häufigkeit eher überschaubaren Einsätze allzu arg problematisieren müsste. Als kleine Entdeckung dieses Turniers gilt unter Experten Martin Schneider, der seit 2016 hin und wieder mal bei Live-Übertragungen eingesetzt wird, sich allerdings noch keine allzu große Popularität aufgebaut hat. Fachlich ist er stark, sprachlich ist er klar, emotional ist er... leider kaum. Und wird deshalb wahrscheinlich auch noch länger eine Randerscheinung bleiben.
Kurz und bündig lässt sich das Thema Studio abhaken, das man sich bekanntlich mit den Kollegen des Ersten Deutschen Fernsehens teilt. Im direkten Vergleich hat man daraus doch ein gutes Stück mehr rausgeholt und kreiert Tag für Tag eine angenehm heimelige und tiefenentspannte Atmosphäre. Das liegt zum einen an der wärmeren, helleren Farbgebung, aber auch daran, dass man ein deutlich breiteres Pult nutzt, womit das Studio schlichtweg "ausgefüllter" wirkt. Zudem sitzen die Moderatoren und Experten, was gemeinhin weniger dynamisch, dafür aber eben auch entspannter wirkt - bei einem Duo der Marke Welke und Kahn ist das genau die richtige Entscheidung. Vergleicht man die Optik von ARD und ZDF, kann man sich unterm Strich deutlich besser bei letzterem Sender vorstellen, einen entspannten Fußball-Tag zu verbringen.
An manchen Tagen allerdings kann man die Programmplanung hier nur als wirr und uninspiriert bezeichnen: So fällt einem beim besten Willen kein Argument ein, warum am vergangenen Freitag eine Wiederholung von «Professor T.» versendet werden musste. Die Free-TV-Premiere von «Ted 2» war immerhin ein frischer Inhalt, über den sich der eine oder andere Zuschauer auch gefreut haben dürfte - hatte aber weder was mit Fußball zu tun, noch wurde damit ein Bildungs- oder Informationsauftrag erfüllt. Ob dieses Tohuwabohu also der Weisheit allerletzter Schluss war, ist fraglich, wobei man an Tagen mit interessanten Dokus eher zum Nicken und an Tagen, an denen alte Serienfolgen weggesendet werden eher zum Kopfschütteln geneigt ist.• Markus Lanz • Maybrit Illner • Professor T. • Russlands Geheimnisse • Ted 2 • WM Kwartira • heute-show
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Es gibt 9 Kommentare zum Artikel
01.07.2018 20:48 Uhr 7
Frau Neumann mag ich überhaupt nicht gerne hören, oft bekommt sie die situation nicht wirklich mit, bzw. schätzt sie falsch ein. Das heißt aber nun nicht das die anderen Kommentatoren besser wären.
03.07.2018 11:20 Uhr 8
03.07.2018 12:28 Uhr 9
Edit: Was ich an Neumanns Kommentar zu bemängeln habe, hat sich in den letzten Spielen deutlich gebessert. Bestimmt hat man sie mal darauf aufmerksam gemacht. Wie man in Foren lesen kann, stört(e) das viele Zuschauer.