Für ihr neuestes Abenteuer «Early Man - Steinzeit bereit» begeben sich Nick Park und die Aardman Studios an die Seite unserer Vorfahren – und machen daraus nicht viel mehr als ein amüsantes Fußballspiel.
Richtig gelesen: In «Early Man – Steinzeit bereit» geht es tatsächlich die meiste Zeit um die Vorbereitungen und die Austragung eines Fußballmatches, worauf der Ursprungstitel «Early Man-United» sogar explizit verweisen sollte. Diese Prämisse erweist sich auch direkt als größter Schwachpunkt des Films: Dem Zuschauer eröffnet sich erst ein kreativ-sympathischer Einblick in die Welt der Steinzeitmenschen, bis das Setting zu Gunsten des Sportplots immer weiter in den Hintergrund rückt. Aber der Hälfte ist es schlichtweg egal, ob sich das (natürlich fiktive) Geschehen nun vor vielen Millionen Jahren zugetragen hat, oder sich im Hier und Jetzt abspielt. So ist das erste Drittel von «Early Man» gleichsam das stärkste. Wie sich Dug und seine Kumpane auf einer Hasenjagd anstellen, was für Dinge die Gruppe für ihre Bedürfnisse zweckentfremdet (es gibt zum Beispiel einen Einblick in die Ur-Form der Wäscheklammern), oder wie sie sich gegen ihre Feinde zur Wehr setzen müssen, ist voll von amüsantem Ideenreichtum, der eine standardisiert erzählte Geschichte nahezu überflüssig macht.
Von der intensiven Vorbereitungsphase über Rückschläge und Selbstzweifel bis hin zum David-gegen-Goliath-gleichen Sieg der Außenseiter über die Favoriten, hakt «Early Man» pflichtbewusst die Stationen des gängigen Sportfilms ab und garniert sie mit einer familientauglichen „Glaub-an-dich“-Botschaft. Dass die Macher im Angesicht dieser durch und durch konventionellen Story trotzdem nicht auf den Aardman-typischen, skurrilen Humor verzichten, hievt die in ihren 88 Minuten sehr flott inszenierten Geschichte letztlich trotzdem noch leicht über den Durchschnitt. Dug ist nicht bloß ein frecher Protagonist, der mit dem Wildschwein Hognob einen echten Szenendieb-Sidekick an seiner Seite hat, auch seine spleenigen Freunde und Verwandte bereichern das Geschehen um ihre ganz persönlichen Eigenheiten. Das mündet mitunter in herrlich absurden Slapstick und dürfte vor allem die ganz kleinen Zuschauer begeistern, während «Early Man» für das ältere Publikum voller Wortwitz steckt und gerade Fußballfans mit vielen treffsicher-entlarvenden Beobachtungen amüsieren dürfte.
Das abschließende Spiel zwischen den Höhlenmenschen und Profi-Mannschaft der Bronzemenschen nimmt zum Abschluss fast eine halbe Stunde der Laufzeit ein und betrachtet dabei nicht bloß das Geschehen auf dem Rasen, sondern in erster Linie die Reaktionen des Anführers Lord Nooth – ein für Familienfilmverhältnisse überraschend skrupelloser Bösewicht, der richtig angsteinflößend wäre, würde ihn das Skript nicht immer wieder bewusst der Lächerlichkeit preisgeben. Auch im Finale ist wieder einmal das am spannendsten, was sich nur indirekt mit dem Fußball befasst: Die süffisanten Beobachtungen der prähistorischen Sportkommentatoren (auch damals gab es schon Zeitlupe!), Lord Nooths zwielichtige Geldeintreiber-Methoden und seine skeptische Mutter, die einen der besten Running Gags des Films auf ihrer Seite hat, verhelfen «Early Man» auf erzählerische Ebene viel eher zum typischen Aardman-Flair, als das Spiel an sich. 

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