Begonnen haben wir auf der Autorennbahn, unser Weg führte uns in den Springparcours, anschließend ging's auf's Football-Feld und nun begeben wir uns auf die Matten. Die Ringer-Matten.
Anders als in den bisher genannten Filmen dieser Rubrik, ist «Foxcatcher» gar nicht so sehr daran interessiert, den Zuschauer für den Sport - in diesem Fall das Ringen - zu begeistern. Stattdessen lässt Bennett Millers auf den ersten Blick konventionelles Drama, das von zwischenmenschlichen Differenzen und der Kollision unterschiedlicher (Moral-)Vorstellungen erzählt, rasch die Einflüsse moderner Suspensefilmer erkennen. Irgendwo zwischen der harten Realität im internationalen Kampfsport wie sie David O. Russel einst in «The Fighter» einfing, der paranoiden Atmosphäre in Darren Aronofskys «Black Swan» sowie den ungeschönten Filmen des Neo-Realismus der Marke «Prisoners» und «Winter’s Bone», findet sich auch «Foxcatcher» wieder, der ganz klar mehr ist als ein einfaches Charakterdrama. Bennett Miller fokussiert nicht bloß die persönlichen Veränderungen seiner Protagonisten, sondern hinterfragt vermeintlich existenzielle Richtlinien des Sports, aber auch des Lebens. Es entsteht eine Atmosphäre, die aufgrund so unberechenbarer Gegebenheiten eine Intensität aufweist, die selbst im Kinosaal regelrecht spürbar ist.
Das ganz Elementare an «Foxcatcher» sind die brillanten Schauspielleistungen sämtlicher Beteiligter. Insbesondere der einst auch für diese Rolle für den Oscar nominierte Steve Carell zeigt, was in ihm steckt. Bei dem, was der normalerweise nur in leichtfüßigeren Performances zu sehende Mime in «Foxcatcher» für eine Darbietung zum Besten gibt, ist jedes noch so positive Attribut schlichtweg zu wenig, um das Gesehene in angemessenen Worten beschreiben zu können. In seiner Rolle des undurchsichtigen Trainers John Du Pont pulverisiert der einstige Comedy-Star («The Office») nahezu sämtliche bahnbrechenden Schauspielleistungen der vergangenen Jahrzehnte im Alleingang. Ob Kevin Spacey in «American Beauty», Daniel Day-Lewis in «Lincoln» oder auch Jack Nicholson in «Einer flog über das Kuckucksnest»: So begeisternd das männliche Who-is-Who aus Hollywoods Schauspielriege in den letzten Jahren diverse Figuren verkörperte, so unauffällig sehen sie doch neben dieser einen Rolle aus, die aus Steve Carell endgültig einen Charaktermimen für die Ewigkeit macht. Dabei ist nicht bloß das verblüffend lebensechte Make-Up, das Carell im wahrsten Sinne des Wortes mit seinem Charakter verschmelzen lässt, der Grund dafür, dass es dem Publikum ab dem Auftauchen von Carells Figur immer wieder die Sprache verschlägt.
Zu Guter Letzt bleibt festzuhalten, dass «Foxcatcher» anders als die bisher von uns in dieser Rubrik vorgestellten Produktionen weniger um den Sportfilm-typischen Heldenpathos funktioniert, als vielmehr darüber, was die Geschichte mit ihrem Blick hinter die Kulissen beim Zuschauer auslöst. Dadurch ist «Foxcatcher» gewiss nicht leicht konsumierbar. Auch die ausladenden Laufzeit von 129 Minuten und die hohe Dialoglastigkeit machen aus dem Film ein Unterfangen, an dem es sich leicht reiben lässt. Nicht zuletzt, weil die Figuren nicht zwingend nahbar, geschweige denn ihr Verhalten zu jeder Sekunde nachvollziehbar ist. Wenn der Zuschauer das jedoch in Kauf nimmt, erwartet ihn eine eindringliche Charakterstudie, die noch lange im Gedächtnis bleiben wird, bei der nicht der Sport, sondern die menschliche Seele im Mittelpunkt steht.

• American Beauty • Black Swan • Die Pferdeprofis • Einer flog über das Kuckucksnest • Foxcatcher • Jappeloup • Jappeloup - eine Legende • Lincoln • Moneyball • Prisoners • Snow White and the Huntsman • The Fighter • The Office • Winter’s Bone • Zero Dark Thirty • eine Legende
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