«Celeste & Jesse»-Regisseur Lee Toland Krieger bringt mit «Für immer Adaline» das moderne Märchen zurück auf die weltweiten Leinwände.
Die Welt hat sich in den letzten hundert Jahren verändert – nicht aber Adaline Bowman (Blake Lively). Es ist 1935 und Adaline 29 Jahre alt, als ihr Leben eine schicksalhafte Wendung erfährt. In einer stürmischen Nacht gerät Adaline in einen Unfall und fortan gelten für sie die Regeln der Zeit nicht mehr: Adaline hört auf zu altern. Was wie ein Traum klingt, bedeutet für Adaline ein einsames und zurückgezogenes Leben: Fast alle Menschen, denen sie im Laufe der folgenden acht langen Jahrzehnte nahe kommt, muss sie irgendwann schweren Herzens verlassen, um ihr Geheimnis zu wahren – bis auf ihre Tochter Flemming (Ellen Burstyn). Doch eines Tages begegnet sie dem charismatischen Ellis Jones (Michiel Huisman). Hals über Kopf verliebt er sich in die geheimnisvolle Adaline und gibt auch nicht auf, als sie sich von ihm zurückzieht. Ihre strikten Vorsätze geraten ins Wanken: Kann sie diesmal der großen Liebe eine Chance geben und sich Ellis anvertrauen?
Obwohl Blake Lively («Green Lantern») ihre Zeit im Rampenlicht 1998 als Schauspielerin im Film «Sandman» begann, bringen die aller meisten die hübsche Lebensgefährtin von Ryan Reynolds mit ihrer Karriere als Model in Verbindung. Dies folgte vielleicht auch dadurch, dass die 27-jährige bis dato nicht durch besonders hervorstechende Charakterleistungen auffiel. Mit ihrem Engagement im Gangsterdrama «Savages» ereilte Lively vor drei Jahren gar so etwas wie ihre Karrieretalfahrt auf dem Gebiet der Schauspielerei, weshalb die Skepsis ob ihrer Hauptrolle in «Für immer Adaline» vorab durchaus berechtigt war. Doch nicht nur die bestechende Schönheit der gebürtig aus Los Angeles stammenden Mimin lässt sie wie geschaffen für die Rolle der niemals alternden Adaline erscheinen, auch das zaghafte Agieren vor der Kamera passt wie die Faust aufs Auge dieses berührenden, jedoch nicht immer ganz einfachen Films. Krieger ist sich seiner Richtung von der ersten Sekunde an bewusst, doch trotz des frühen Besinnens auf den richtigen Pfad braucht seine Geschichte eine ganze Weile, um in Fahrt zu kommen. Der Regisseur lässt sich viel Zeit für die Einführung seiner Charaktere. Er zeichnet Adaline als nahezu engelsgleiche Gestalt, der jedwede Form der charakterlichen Schwächen abgehen. Dieses makellose Erscheinungsbild ist für einen Märchenfilm fast unabdingbar, doch als Regisseur im 21. Jahrhundert hätte sich Krieger durchaus mehr trauen dürfen, als eine derart eindimensionale Zeichnung.
Ebenjene stammt allen voran durch den kurzen Auftritt Harrison Ford («The Expendables 3») der es in seiner Rolle des ehemaligen Adaline-Freundes tatsächlich schafft, der Story so etwas wie Überraschung einzuverleiben. Womit der ergraute Schönling das Publikum nach rund zwei Drittel der Story überrascht, sei aus Spoilergründen an dieser Stelle nicht verraten. Doch so viel sei gesagt: Wer den Trailer vorab nicht gesehen hat, dem vermag das Skript von «Für immer Adaline» zumindest an dieser Stelle für einen Moment den Atem zu rauben. Damit bewegt sich Lee Toland Krieger letztendlich zwar ebenso wenig aus seiner Komfortzone wie schon vorab in keinem Moment, doch eines ist sicher: «Für immer Adaline» wählt trotz seiner berechnenden Intention nie den einfachsten Weg. Dadurch erweist sich die zu Beginn noch als kitschig bezeichnete Machart kurzerhand fast als Glücksgriff, denn Krieger gelingt das Schaffen eines Märchens, das er im Hier und Jetzt verwurzelt. Einzig ein Off-Kommentar bezüglich eines angerissenen Meteor-Subplots ist schlussendlich mehr Ballast denn Zugewinn und drückt wesentlich stärker auf die Tränendrüse, als es der ansonsten so federleichte Film tatsächlich verdient hätte.

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