Eine neonbeleuchtete Supermarktkasse um drei Uhr morgens ist normalerweise kein Ort, an dem große Träume entstehen. In «Night Shift for Cuties» wird genau daraus allerdings ein kleines Universum aus K-Pop-Fantasien, Freundschaft, Sehnsucht und Alltagssorgen gebaut. Die indonesische Netflix-Serie beginnt mit einer Idee, die zunächst fast absurd leichtgewichtig wirkt: Zwei junge Frauen arbeiten in der Nachtschicht eines koreanischen Minimarkts und teilen eine beinahe obsessive Liebe zur fiktiven Girlgroup Purple Tea. Als sich die Chance ergibt, ihre Idole in Seoul zu treffen, gerät ihre Freundschaft ins Wanken. Das klingt nach Zuckerwattefernsehen – und genau das ist die Serie über weite Strecken auch. Die Frage ist nur, ob Zuckerwatte allein für acht Episoden reicht.Zunächst einmal besitzt «Night Shift for Cuties» einen Charme, den man der Serie nur schwer absprechen kann. Die Serie hat ein offenes Herz für ihre Figuren und begegnet ihren Leidenschaften ohne Ironie. Das ist bemerkenswert, weil Popkultur-Fandoms im Fernsehen oft entweder belächelt oder pathologisiert werden. Hier dagegen wird die Begeisterung für Purple Tea als etwas dargestellt, das den Figuren Halt gibt, Hoffnung spendet und ihre oft ernüchternde Realität erträglicher macht. Die beiden Hauptfiguren träumen nicht von Reichtum oder Berühmtheit, sondern davon, ihren Idolen einmal nahe zu sein. Gerade in dieser Bescheidenheit liegt etwas sehr Sympathisches.
Getragen wird die Serie vor allem von ihren beiden Hauptdarstellerinnen. Shenina Cinnamon spielt Muti als junge Frau, die nach dem Tod ihres Vaters zur finanziellen Stütze ihrer Familie geworden ist. Ihre Begeisterung für Purple Tea wirkt nie kindisch, sondern wie ein Gegenmittel gegen einen Alltag voller Sorgen. An ihrer Seite überzeugt Nadya Syarifa als Jenar, die ständig mit gesellschaftlichen Erwartungen und Schönheitsidealen konfrontiert wird. Die Chemie zwischen beiden stimmt hervorragend und bildet das emotionale Zentrum der Serie.
Die Nachtschichten im Minimarkt entwickeln so eine angenehme Eigendynamik; die Serie beobachtet ihre Figuren bei der Arbeit, beim Träumen, beim Scheitern und beim gegenseitigen Aufziehen. Vieles wirkt leichtfüßig und ungekünstelt. Die farbenfrohe Inszenierung, die Musik und die bewusst überhöhten Fantasiesequenzen verleihen dem Ganzen eine verspielte Energie, die man im europäischen Fernsehen eher selten findet. Allerdings zeigt sich mit zunehmender Laufzeit auch das zentrale Problem von „Night Shift for Cuties“: Die Serie besitzt deutlich mehr Atmosphäre als Substanz. Viele Episoden kreisen um ähnliche Situationen und Emotionen. Die Figuren träumen von Korea, überlegen, wie sie Geld beschaffen können, diskutieren über Purple Tea und geraten in kleinere Konflikte. Das ist nett anzusehen, beginnt aber schnell, sich zu wiederholen.
Hinzu kommt, dass die Serie gelegentlich Gefahr läuft, ihre eigene Begeisterung mit dramaturgischer Entwicklung zu verwechseln. Purple Tea ist allgegenwärtig. Die fiktive Band bildet das Zentrum nahezu jeden Handlungsstrangs. Das funktioniert anfangs ganz gut, wirkt später aber bald ziemlich einseitig.
Dabei hat «Night Shift for Cuties» durchaus etwas zu erzählen. Die Serie thematisiert den Wunsch, dem eigenen Leben für einen Moment zu entkommen. Sie zeigt junge Menschen, die zwischen familiären Verpflichtungen und persönlichen Sehnsüchten stehen. In ihren besten Momenten wird daraus eine durchaus berührende Geschichte über Hoffnung. In schwächeren Momenten bleibt es bei einer charmanten Aneinanderreihung sympathischer Szenen.
Die indonesische Netflix-Serie «Night Shift for Cuties» ist bei Netflix zu finden.







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