Interview

Alex Schlüter: ‚Das Spiel erzählt immer eine eigene Geschichte‘

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Am Samstagabend begleitet Alex Schlüter das DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart. Im Interview spricht der Moderator über den besonderen Zauber des Berliner Endspiels, die Balance zwischen Emotion und Analyse – und warum für ihn gerade die Geschichten hinter den 90 Minuten den Reiz eines perfekten Fußballabends ausmachen.

Herr Schlüter, Sie führen durch das DFB-Pokal-Finale – was macht für Sie den besonderen Reiz dieses Abends im Vergleich zu anderen Fußballübertragungen aus?
Das hat natürlich zuallererst mit dem Pokalmodus zu tun: Ein KO-Wettbewerb, jede Mannschaft tritt an, um das Finale zu erreichen. Zwei Teams fahren am Ende nach Berlin und alle schauen hin. Ist doch klar.

Der FC Bayern steht nach sechs Jahren wieder im Finale. Spürt man rund um dieses Spiel eine besondere Erwartungshaltung?
Ganz sicher, vor allem, nachdem die Mannschaft gegen Paris aus der Champions League ausgeschieden sind. Ich bin mir sicher, die Bayern spüren selbst, dass sie in diesem Jahr eine besondere Mannschaft haben – das muss jetzt nach der Meisterschaft mit dem zweiten Titel belohnt werden.

Mit dem VfB Stuttgart steht ein Gegner im Finale, der sich seinen Weg teilweise hart erkämpfen musste. Wie reizvoll ist dieses Duell aus Ihrer Sicht?
Für mich treffen am Samstag, rein fußballerisch betrachtet, die beiden besten deutschen Mannschaften aufeinander. Ja, Stuttgarts Saison lief bis hierhin perfekt, aber Sebastian Hoeneß hat es erneut geschafft, mit seinem mutigen, ballorientierten Ansatz, das Finale zu erreichen. Das kann man gar nicht genug loben.

Das Pokalfinale gilt als eines der letzten großen Fußball-Events mit echtem „Endspiel-Charakter“. Was unterscheidet diesen Abend von der Bundesliga?
Ganz simpel ausgedrückt: Alle wissen, am Ende des Abends gibt’s Bierduschen, die Frage ist nur für wen. Es steht so viel auf dem Spiel, das wird auch in diesem Jahr wieder zu spüren sein – ich hoffe natürlich, dass die Teams trotzdem mutig spielen, aber bei diesen beiden Mannschaften mache ich mir da keine großen Sorgen.

Sie moderieren nicht nur das Spiel, sondern begleiten das Publikum durch einen langen Fußballtag. Wie bereitet man sich auf eine solche XXL-Sendung vor?
Es gibt im Grunde immer zwei Arten von Hausaufgaben, die man als Moderator vorab zu erledigen hat: Das ist einmal die konkrete Sendungsplanung. Welche Themen wollen wir besprechen? Wie verbinde ich sie sinnvoll und möglichst elegant? Welche Interviewpartner sollen in der Sendung auftauchen?

Der andere Teil ist die Vorbereitung auf das Ungeplante. Themen, die spontan aufkommen können. Je besser ich im Thema bin, desto einfacher wird es mir fallen, auf alle Eventualitäten spontan zu reagieren.

Bereits am Mittag läuft der „Finaltag der Amateure“. Wie wichtig ist dieses Format für den deutschen Fußball – auch im Kontext des großen Finals am Abend?
Ich finde das Format großartig. Den Amateuren diese Bühne zu geben, an genau diesem Tag, an dem ganz Fußballdeutschland hinschaut. Eine tolle Idee, die zum Glück auch super angenommen wird.

Der DFB-Pokal steht traditionell für Überraschungen. Geht dieser Zauber verloren, wenn am Ende doch zwei Bundesligisten im Finale stehen?
Ganz und gar nicht. Genau die Mischung macht doch den Zauber aus. Wir haben mit dem Finalteilnehme Bielefeld ja in der vergangenen Saison ein echtes Märchen erlebt. Es ist toll, dass es sie in diesem Wettbewerb immer mal wieder gibt, aber ich finde, es würde sogar Zauber verloren gehen, wenn das ständig passieren würde. Wir sind ja nicht beim Würfeln, sondern beim Fußball. Die besten Teams haben die besten Chancen, aber eben keine Garantie.

Das Olympiastadion in Berlin ist seit Jahren der feste Austragungsort. Ist das für Sie eher Tradition oder könnte ein rotierender Standort dem Finale guttun?
Ich bin weit davon entfernt, mich als den ganz großen Fußballtraditionalisten zu bezeichnen. Im Gegenteil, ich finde, dass sich der Fußball mit vielen konservativen Denkweisen oft selbst im Weg steht. Aber wenn es um das Finale geht, dann finde ich es völlig richtig, an diesem Ort und diesem Stadion festzuhalten. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ – das gehört ja schon zum deutschen Kulturgut.

Bei einem solchen Event spielen auch Emotionen eine große Rolle. Wie findet man die richtige Balance zwischen Unterhaltung und sportlicher Analyse?
Das ist bei nahezu jeder unserer Übertragungen die wohl wichtigste Frage. Halten wir zunächst einmal fest: Es darf, ich würde sogar sagen, es muss beides in der Sendung seinen Platz haben. Die Gewichtung ist bei so einem Spiel, das hoffentlich von vielen Menschen geschaut wird, vielleicht etwas anders als bei einer Übertragung aus der 1. Pokalrunde, das darf aber auf keinen Fall heißen, dass die sportlichen Analysen oberflächlich sind. Im Gegenteil, wir werden uns bemühen, die taktischen Themen besonders gut aufzubereiten, damit sie auch wirklich jedem Zuschauer einen Mehrwert bieten.

Welche Geschichten abseits des Platzes sind für Sie in diesem Jahr besonders spannend – etwa rund um Trainer, Spieler oder Vereine?
Sollten die Bayern gewinnen, dann bin ich vor allem gespannt, ob Vincent Kompany ähnliche Tanzskills auspackt, wie bei der Meisterfeier. Aber die Stuttgarter werden alles dafür tun, dass er gar nicht erst die Möglichkeit dazu bekommt.

Der Pokal lebt auch von seiner Inszenierung im Fernsehen. Wie wichtig sind Elemente wie Vorberichte, Einspieler und Interviews für die Gesamtwirkung?
Die gesamte Übertragung soll ein rundes Bild abgeben. Klar ist, das Spiel steht immer im Mittelpunkt, aber eine optimale Rundumberichterstattung trägt dazu bei, dass der Zuschauer noch mehr mit diesem Spiel anfangen kann. Er oder sie sollen dadurch die 90 Minuten besser verstehen, die Emotionen besser nachvollziehen und das Spiel am Ende noch mehr genießen können.

Mit Blick auf die mediale Entwicklung: Verändert sich die Wahrnehmung eines solchen Finals durch Social Media und Second Screen?
Ich muss ganz ehrlich sagen: Mein Job ist es in allererster Linie, dazu beizutragen, dass wir am Samstag eine gute Berichterstattung für TV und Stream liefern. Ich weiß natürlich, dass Social Media auch bei einem solchen Finale ein großes Thema ist, das tangiert mich aber wenig. Meistens ist mein Kopf auch so mit der Sendung beschäftigt, dass ich selbst vergesse, Social Media-Content zu posten. Zum Glück haben wir wirklich kreative Social-Redakteure, die das besser können als ich 🙂
Und zum Thema Second Screen: Wer bei diesem Spiel, dem großen Finale in Berlin, mit zwei solchen Mannschaften noch nebenbei am Handy oder Laptop rumspielt, der hat definitiv gewisse Fokussierungsprobleme. Ich helfe dann lieber bei der Scharfstellung als bei der Zerstreuung.

Gute Antwort! Wenn Sie auf den Pokalabend blicken: Was macht für Sie persönlich ein perfektes Finale aus – das Spiel selbst oder die Geschichte, die es erzählt?
Geht das nicht im besten Fall Hand in Hand? Das Spiel erzählt immer eine eigene Geschichte. Die zu lesen und später mit dem Experten und den Interviewgästen aufzuarbeiten, macht doch den besonderen Reiz erst aus. Wie mutig spielt Stuttgart in Ballbesitz? Wieviel Druck spüren die Bayern nachdem der CL-Titel nun nicht mehr zu holen ist? Ich habe jetzt schon so viele Fragen an dieses Spiel, dass ich es kaum erwarten kann, die ganze Geschichte zu erfahren.

Am 11. Juni startet die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, in Kanda und in Mexiko. Freuen Sie sich auf das Event?
Unglaublich, ja! Es wird meine erste Weltmeisterschaft als Reporter. Was drumherum passiert, kann ich nicht vorhersagen, aber zum Glück steht ja beim Fußball das Spiel im Mittelpunkt…

Vielen Dank für Ihre Zeit!

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