«Steirerwahn» ist bereits der 13. Fall der Reihe. Wie hat sich Anni Sulmtaler aus Ihrer Sicht seit den ersten Filmen verändert – beruflich wie persönlich?
Sie hat sich in ihre Aufgabe als Kommissarin hineingelebt. Fühlt sich sicherer. Vertraut mehr und mehr ihrem Bauchgefühl und kann sich auch gegenüber Bergmann behaupten.
Jedoch kämpft sie gleichzeitig zunehmend mit den Herausforderungen die dieser Beruf mit sich bringt, stellt diesen in gewissen Punkten in Frage.
In diesem Fall irritiert Anni ihren Kollegen Bergmann mit Sinnfragen und frisch erworbenem Psychologiewissen. Was reizt Sie daran, die Figur stärker reflektierend und suchend zu zeigen?
Es ist immer schön eine Entwicklung einer Figur zu spielen, auf die Suche nach Ambivalenz zu gehen, auch die gewisse Zerrissenheit in ihr interessiert mich. Das ist alles Futter und Bereicherung für meine Arbeit als Schauspielerin, auf die Essenz der Figur zu kommen.
Und genau diese Suche nach Veränderung bringt auch Anni in ihrem Leben weiter. Das ist u.A. auch ihre Stärke, ihre Neugierde nach Neuem.
Das Thema Schuld, alte Rivalitäten und verschworene Männerbünde zieht sich durch den Film. Wie wichtig sind Ihnen solche moralischen Grauzonen im Krimi – auch jenseits klassischer Täter-Opfer-Muster?
Das Thema Schuld ist eine große Frage, und vor allem, inwieweit ist Rache nachvollziehbar oder sogar vielleicht schon berechtigt. Rechtlich gesehen natürlich nicht, aber wenn z.B. meinem Kind jemand etwas antun würde, dann weiß ich, würde ich zu einer Löwin werden und es mit all meinen Mitteln verteidigen.
Und Grauzonen sind immer spannend, weil man hier anfängt nachzudenken, sich selbst diese Fragen stellt, weil sie eben nicht so einfach zu beantworten sind. Auch Anni und Haas sprechen über dieses Thema: “Kann man zurecht hassen, wenn einem sowas passiert”?
Mit Hary Prinz spielen Sie seit Jahren ein sehr eingespieltes Ermittler-Duo. Wie hat sich das Zusammenspiel zwischen Bergmann und Sulmtaler über die Zeit verändert?
Anni und Sasha sind unterschiedlich, und doch verbindet sie sehr viel, so auch der Humor, der ein verbindendes Element zwischen den beiden und wie ich finde, auch eine wichtige Farbe in den Steirerkrimis ist.
Im Laufe der Jahre haben sich Anni und Sascha immer besser kennen gelernt, wurden vertrauter, und so lassen sie keine Möglichkeit aus, den jeweilig andern zu necken, dabei bleiben sie jedoch stets zugewandt. Vor allem von den neuen psychologischen Kenntnissen von Anni hält Sasha so überhaupt nichts und genießt es förmlich, darüber seine Sticheleien los zu werden. Anni trägt es mit Fassung, sie kennt ja den Bergmann.
In «Steirerwahn» entsteht ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Anni und dem Psychologen Michael Haas. Was erzählt diese Nähe über Annis Bedürfnis nach Verständnis statt vorschnellem Urteil?
Anni ist als Mensch einfühlsam, versucht zu verstehen, den Menschen eben erstmal ohne Vorurteil zu begegnen und ihrem Bauchgefühl Raum zu geben. Das war immer schon ihre Stärke. Und so fasziniert ihr das Thema Psychologie zunehmend, eben der Mensch hinter der Tat. Und dann ist da dieser Haas, der genau diesen Beruf ausübt, der sie mehr und mehr fasziniert. Dieses gemeinsame Interesse imponiert ihr.
Die «Steirer»-Reihe lebt stark von regionaler Verwurzelung und Atmosphäre. Was bedeutet es Ihnen persönlich, eine so klar im steirischen Umfeld verankerte Figur zu spielen?
Ich bin wie Sie wissen keine Steirerin aber ich denke es geht hier um den Spirit. Die Steiermark sieht zwar sehr anders aus als meine Heimat Südtirol, dennoch kenne ich das ländliche, darf in einem Dialekt spielen.. da fühle ich mich dann schon ein bisschen wie zu Hause.
Anni Sulmtaler ist keine klassische harte Ermittlerin, sondern zeigt Zweifel, Empathie und Verletzlichkeit. War das von Anfang an Ihr Zugang zur Rolle – oder hat sich das mit den Jahren entwickelt?
Auf jeden Fall. So hat Wolfgang und Maria Murnberger diese Rolle angelegt und auch mir war dies sehr wichtig. Eine harte Ermittlerin, die über allem Leid steht, das diese Menschen zu deren Taten treibt, finde ich zu einfach, zu eindimensional. Mich interessiert immer die Ambivalenz, der Zweifel einer Figur, und gehe bei jeder Rollenarbeit auf die Suche nach deren Verletzlichsten Seite. Das ist für mich als Schauspielerin am spannendsten.
«Steirerwahn» verbindet klassische Ermittlungsarbeit mit modernen Themen wie Drohnenanschlägen. Wie wichtig ist es Ihnen, dass der Krimi gesellschaftlich und technisch am Puls der Zeit bleibt?
Wichtig ist für mich, daß der Plot und Fall gut ist und die Zuschauer abholt. Dafür gibt es viele Mittel und moderne Technik, wie sie heutzutage eingesetzt wird, gehört dazu. Aber es gibt auch viele andere Themen, die vielleicht nicht unmittelbar modern sind, dennoch viel mit unserer Gesellschaft zu tun haben.
Nach 13 Filmen: Was würden Sie sich wünschen, wohin sich Anni Sulmtaler weiterentwickelt – mehr innere Ruhe, mehr Brüche oder vielleicht auch private Konsequenzen?
Daß sie nie den Mut und die Kraft verliert, ihrem Bauchgefühl nach zu gehen, neugierig bleibt, den Menschen nach wie vor offen begegnet, egal wie viele Schicksale und Böses sie in ihrem Beruf gesehen und erlebt hat. Dann wird sie immer wieder zu ihrer Ruhe und ganz eigenen Kraft finden bzw. bleiben.
Blickt man auf Ihre Vita, bewegen Sie sich seit Jahren sicher zwischen Theater, Film und Fernsehen. Was gibt Ihnen die Arbeit an einer langjährigen Krimi-Reihe, das Einzelprojekte nicht leisten können?
Das hat beides seinen Reiz. Durch eine solche Reihe kommt man einer Figur sehr nahe, man begleitet sie über mehrere Jahre. Auch lernt man Regie sehr gut kennen und umgekehrt genauso. Man wird ein eingeschweißtes Team und geht auf eine gemeinsame künstlerische Reise. Auch wächst man zu einer kleinen “Filmfamilie” zusammen, es ist jedes Jahr ein sehr schönes Wiedersehen. Und natürlich bietet eine solche Reihe eine gewisse berufliche Sicherheit. Auf der anderen Seite hat es auch eine gewisse Qualität, eben genau diese Sicherheit nicht zu haben, mit Neuem konfrontiert zu werden, der Raum für das Ungewisse. Auch das kann inspirierend sein.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
«Steirerwahn» ist am Donnerstag, den 12. Februar 2026, im Ersten zu sehen.







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