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Hat’s schon gefunkt? Wie erfolgreich die funk-Formate bislang laufen

von   |  1 Kommentar

Vor knapp zehn Monaten starteten ARD und ZDF ihr junges Angebot im Internet. Viele neue Formate erblickten seitdem das Licht der Welt. Wie viel Erfolg hatte funk damit bislang?

Interviewreihe 'What the funk?!'

Die Interviewreihe "What the funk?!" von Quotenmeter.de befasst sich alle zwei Wochen mit der öffentlich-rechtlichen Internetplattform funk. Welche Formate sind bei funk abrufbar? Wer steckt dahinter? Und wie arbeitet es sich eigentlich beim neuen Angebot? Die Teams der funk-Formate beantworten je einen Katalog aus standardisierten und individuellen Fragen.
Der Weg zum sogenannten „jungen Angebot“ der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF war durchaus steinig. Viel Zeit verstrich seit dem Wunsch des SWR, der sich im November 2012 stark machte für einen von ARD und ZDF gemeinsam verantworteten Sender, welcher ein junges Publikum adressieren sollte. Erst der Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz im Oktober, die Sender EinsPlus und ZDFkultur zugunsten eines Online-Jugendkanals einzustellen, machte schließlich den Weg frei für ein Angebot, das dem Ruf der Öffentlich-Rechtlichen, noch immer mit der Jugend zu fremdeln, ein für alle Mal ein Ende setzen sollte. Trotz erneut beträchtlicher Wartezeit und viel Medien-Spott, kam es zum 1. Oktober 2016 doch endlich – das junge Angebot funk.


Die klassische Erfolgsanalyse wegdiversifiziert


Seit 10 Monaten ist funk nun schon online, mittlerweile zählt es satte 63 Formate aus Eigen- und Auftragsproduktionen sowie Lizenzserien. Mit der alleinigen Präsenz im Internet entzieht sich funk dabei auch der klassischen Erfolgsanalyse mittels Einschaltquoten. Undurchsichtig kommt sie daher, die Erfolgsmessung auf Social-Media-Plattformen wie YouTube, Facebook, Twitter, Instagram oder Snapchat, die funk mit seinen verschiedenen Formaten teilweise exklusiv bespielt. Während die meisten der auf funk abrufbaren Formatvideos auch einen eigenen YouTube-Kanal besitzen, wird etwa die Talk-Show «Problemzone» zunächst live über Facebook ausgestrahlt, während das News-Format «hochkant» oder die Soap «I.am Serafina» ausschließlich auf Snapchat stattfinden und sich damit auch noch der zumindest einigermaßen aussagekräftigen Messgröße der Klickzahlen entziehen, die man immerhin mit Blick auf die YouTube-Kanäle der Formate analysieren kann.

Daher gestaltet es sich alles andere als einfach, den Erfolg und den Einfluss zu bestimmen, den funk mittlerweile auf sein Publikum ausübt – ein Fingerzeig für die Zukunft, in der Online-Angebote, On-Demand-Dienste und zeitversetzte Abrufe immer mehr Anteile an der Erfolgsbemessung audiovisueller Inhalte haben werden. Und dennoch: Zahlen sich die rund 45 Millionen Euro aus, die jährlich aus den Rundfunkgebühren in das junge Angebot fließen, um den 14- bis 29-Jährigen eine ernsthafte Alternative zum klassischen Fernsehen zu bieten und damit ihren Sehgewohnheit mehr zu entsprechen? Oder nehmen die Jüngeren kaum Kenntnis vom jungen Angebot?

Ist Information für die Jungen nicht sexy genug?


funk selbst unterteilt sein Angebot inhaltlich in die Kategorien Information, Unterhaltung und Orientierung, wobei die Grenzen hierbei oft fließen. Zur Informationskategorie zählt funk hierbei auch meinungshaltige Formate, deren Vertreter sich beispielsweise in «Headlinez» mit Rayk Anders und «Auf einen Kaffee mit Moritz Neumeier» finden. In beiden Sendungen ordnen die Moderatoren aktuelle gesellschaftliche und politische Themen ein, dennoch scheint sich das Zuschauerinteresse massiv zu unterscheiden, was auch mit der Ausgangssituation beider Sendungen zusammenhängt. Während Bestseller-Autor Rayk Anders („Eure Dummheit kotzt mich an“) schon viele Jahre als politischer Journalist in den Medien präsent ist, kann Stand-Up-Comedian und Poetry-Sammler Moritz Neumeier auf eine ungleich kleine Gefolgschaft bauen. Rayk Anders, der auf seinem YouTube-Kanal neben «Headlinez» auch noch weitere Videos veröffentlicht, die bis zu 500.000 Aufrufe zählen und von knapp 87.000 Personen abonniert werden, kommt Moritz Neumeier mit seinem YouTube-Channel gegenwärtig auf magere 23.000 Abonnenten.

Weitere Sendungen im Informationsangebot funks finden sich in «INFORMR», das funk als „Debattenformat für die Generation Y“ bewirbt. Obwohl «INFORMR» schon von Beginn an Teil von funk ist, kommt das Format über Themen aus Politik, Gesellschaft und Popkultur, gerade einmal auf knapp 2.000 YouTube-Abonnenten. Hier half funk also nicht als Sprungbrett. Etwas besser steht die Presenter-Reportage «Die Frage» (Foto) da, die derzeit auf etwa 19.000 Abonnenten auf YouTube kommt. Angesichts dessen, dass der BR hinter der Sendung steckt, hätte man jedoch auch hierbei von höheren Klickzahlen ausgehen können. Mit «Y-Kollektiv» verfügt funk aber auch über ein Reportageformat, das durchaus von sich reden machte: Neben bereits 45.000 Abonnenten gewann die Radio Bremen-Sendung zuletzt den Webvideopreis. Luft nach oben hat unter anderem die SWR-Infotainment-Sendung «Schönschlau» mit 14.000 Abonnenten, das jedoch noch immer ein größeres Interesse verzeichnet als das investigative Facebook-Format «Jäger & Sammler», welches für den Grimme-Preis nominiert war. Gerade im Informationsbereich besteht also bei funk noch Nachholbedarf.

Dank Netz-Größen zu unterhaltenden Klick-Hits


Im Unterhaltungsbereich ist die Internetplattform breiter aufgestellt, teilweise mit bekannten Namen und etablierten Netz-Größen. Auch hier durfte zuletzt auf Erfolge auf diverse Auszeichnungen verwiesen werden. Die Mystery-Serie «Wishlist» (Foto) wurde nicht nur mit einem Grimme Preis geehrt, sondern auch mit dem Webvideopreis. Über 123.000 Abonnenten darf sich die Sendung, deren Dreharbeiten zur zweiten Staffel gerade starten, freuen. Somit gehört «Wishlist» zu den erfolgreichsten funk-Formaten bislang. Der dritte Webvideopreis-Sieger funks heißt Kliemannsland und stammt von Fynn Kliemann, der auch schon vor seiner funk-Sendung eine treue Anhängerschaft auf YouTube aufbaute. Kein Wunder also, dass die Do-it-Yourself-Unterhaltung mit 250.000 YouTube-Abonnenten einen Großteil des funk-Angebots überragt.

Ganz oben spielen auch die Rocket Beans mit, die mit ihrem Gaming-Magazin «Game Two» wöchentlich auf der YouTube-Startseite von 157.000 Personen erscheinen und die Sendung zusätzlich noch über ihren Internetsender ausstrahlen. Sketche und Comedy liefern «Gute Arbeit Originals», das sich mittlerweile auf 45.000 Abonnenten verbessert hat und «Bohemian Browser Ballett, das zwar nur eine Gefolgschaft von 16.000 Personen auf YouTube zählt, dafür aber schon 64.000 Likes auf Facebook. Zuletzt startete auch [[#OMG» die Mission Bespaßung. Diverse teilnehmende YouTube-Größen verhalfen dem Kanal in kurzer Zeit zu 33.000 Followern. Immerhin für einen Grimme-Preis nominiert wurde auch die formatgewordene Jam-Session «Bongo Boulevard», die mit 42.000 Abonnenten zu den zuschauerstärkeren Formaten zählt. Nicht immer bemerken jedoch Preisverleihungen und Zuschauer gleichermaßen die Formate. Die ebenfalls nominierte, communitygenerierte Graphic Novel «Trustory» wartet mit 7.2000 jedenfalls noch auf den Durchbruch. Zuletzt sicherte sich funk auch die Dienste von «World Wide Wohnzimmer» und holte sich damit ein wahres Schwergewicht zum jungen Angebot: 445.000 Abonnenten hat die Late-Night-Sendung mit den Brüdern Dennis und Benni.

Orientierungsformate: Trotz Anspruch noch mit Luft nach oben


Häufig schwierig zuzuordnen sind die funk-Formate aus dem Orientierungs-Bereich. Dazu zählen auch die klassischen, von den Medien häufig eher gemiedenen Vlogger mit ihrer typischen Jumpcut-Stilistik. Hier bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den funk-Vertretern. Während die Videos von «Kostas Kind» meist unter 30.000 Aufrufe zählen, stellt «Janasdiary» (Foto) mit Beauty-, Lifestyle- und Fashion-Tipps und 267.000 Abonnenten eine wahre YouTube-Größe dar. Einen Grimme Online Award heimste zuletzt die Polit-Satire «Datteltäter» ein, die mit 52.000 Abonnenten respektable Zahlen vorzuweisen hat.

Ebenfalls mit allerlei Vorurteilen gegenüber Minderheiten befasst sich das für einen Grimme Online Award nominierte «Germania» wöchentlich. Mit 16.000 Abonnenten war die Hyperbole-Produktion jedoch noch nicht außerordentlich erfolgreich. Das feministische Talk-Format «Auf Klo» liegt mit derzeit 31.000 Abonnenten derzeit darüber. „Sex sells“ gilt derzeit aber noch nicht für das Sex-Magazin «Fickt euch!», dessen Kanal nur 5.700 Leute folgen. Ausbaufähige Zahlen generiert auch noch «Tourettikette», worin der an Tourette leidende Bijan Kaffenberger humorvoll über Stil und Etikette spricht, dabei allerdings auf YouTube meist nur zwischen 2.000 und 4.000 Leute erreicht.

Klar ist: Die Abruf- und Abonnentenzahlen auf YouTube einzuordnen treffen keine endgültige Aussage über den Erfolg funks und seiner Formate. Auf der Videoplattform reichen die Abrufzahlen von 1.000 Sichtungen bis zu 500.000 Klicks, dabei hängt die Reichweite auch immer vom Personal der Sendungen ab, denn funk beauftragte auch viele bereits bekannte Namen mit der Produktion neuer Formate. Zudem stellt funk die meisten Ausgaben seiner Formate auch über die funk-Homepage zur Verfügung. YouTube-Abrufzahlen im einstelligen Tausenderbereich sollten funk jedoch schon zu denken geben und auch höhere Klickzahlen kommen häufig bei Weitem noch nicht an die Zahlen heran, die das klassische Fernsehen generiert. Das liegt sicherlich auch daran, dass es schlicht nicht möglich ist, die Masse von derzeit immerhin 63 Formate gleichwertig zu bewerben. Hier muss sich funk dennoch etwas einfallen lassen, denn einen signifikanten Teil des Rundfunkbeitrags für Formate aufzuwenden, die letztlich kaum einer sieht, wäre Verschwendung.

Dass einige der funk-Sendungen aber bereits für diverse Auszeichnungen nominiert wurden oder Trophäen sogar schon mit nach Hause nahmen, zeigt zumindest, dass auch inhaltlich bereits qualitativ hochwertig gearbeitet wird beim jungen Angebot. Auch Kritik wird an den Inhalten jedoch teilweise geübt. „Die Welt“ kritisierte etwa, dass die funk-Youtuber „in ihren Clips zuweilen mehr Geschmacklosigkeiten als Informationsgehalt zu bieten haben.“ Noch mehr zu denken geben als Kritik sollte funk jedoch fehlende Aufmerksamkeit. Seit dem Launch wurde es insgesamt recht still um die Internetplattform. Ob funk den Anspruch besitzt, die deutsche Medienlandschaft wirklich aufzumischen oder sich auf der bloßen Tatsache, nun ein junges öffentlich-rechtliches Angebot geschaffen zu haben, ausruht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Widdl
10.07.2017 11:29 Uhr 1
Walulis fehlt noch in der Auflistung, hat auch 105.000 Abonnenten. Schön, dass sie ihn von EinsPlus "übernommen" haben.
Mit GameTwo und Walulis hat funk für mich 2 gute Angebote dabei. Dafür bezahle ich dann auch gern GEZ :-)

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