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«Dschungel»-Halbzeit: Weltklasse oder fake ohne Ende?

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Die Hälfte der aktuellen Dschungelstaffel ist rum - und ein Zwischenfazit fällt schwerer denn je. Haben wir es mit der besten Staffel seit Langem oder eher mit der abgekartetsten ever, ever, ever zu tun? Unser Redakteur hat nur für euch seine Persönlichkeit gespalten und kann beides vertreten.

Die ersten acht Tage aus Tralien haben mal wieder ein buntes Potpurri ins Programm vom RTL gezaubert. Streit, Zickereien, explodierende Egos, Lügen, Beichten, Selbstbeweihräucherungen, Selbstgespräche, Therapieversuche, Liebeleien, Pipi-Fehltritte, Tränen und nackte Tatsachen gaben sich rastlos die Klinke in die Hand. Man könnte fast meinen, RTL hätte mit der elften Staffel endlich den ultimativen Drehbuchautor für das Erfolgsformat gefunden. Oder ist doch alles nur der grandiosen Zusammenstellung der Kandidaten zu verdanken? Angesichts dieser Fragen und der hohen Psychosendichte im Camp, werden wir uns dem Thema daher heute einmal ein wenig anders nähern.

Will RTL uns für dumm verkaufen?


Die vorletzte Staffel hatte gezeigt, wie abhängig die Gagschreiber, Moderatoren und somit letztlich das ganze Format von den Kandidaten und deren Eigenmotivation sind. Damals hatte man es mit einer Gruppe von Verweigereren zu tun, die Zietlow und Hartwich dazu zwangen, gen Ende mehr und mehr das eigene Format auf die Schippe zu nehmen. Lustig war auch das, man war sich jedoch einig, dass es sich nicht um einen Dauerzustand handeln konnte.

Umso erstaunlicher war, dass die letzte Staffel sich durchweg echt anfühlte - mit Thorsten Legat, Menderes Bagci, Sophia Wollersheim, Jürgen Milski oder Helena Fürst hatte man Krawall, Sympathie und vor allem aber auch ein gutes Maß an Authetizität gefunden und war denen entgegengetreten, die mit mehr Kalkül seitens RTL gerechnet hatten.

Das Kalkül hielt nun aber offenbar mit einem Jahr Verspätung Einzug ins Camp. Die (im Dschungelsetting möglichen) großen Namen fehlten komplett und viele der diesjährigen Promis verdanken ihre Bekanntheit (wenn überhaupt) kleineren Auftritten in anderen Formaten. Dieser Umstand bringt einen Aspekt zum Tragen, der sonst oft gut für die Dramaturgie war: Stars oder ehemalige Stars, die etwas auf sich und ihre Karriere halten, haben viel mehr Probleme damit, sich an den Trash- und Ekel-Faktor anzupassen. Sie haben schlicht mehr zu verlieren. Wer in seiner Karriere aber ohnehin nur durch C-Formate tingelt, wird auch im Dschungel keine großen Anpassungsprobleme haben und schlicht seine Show zur Stärkung der eigenen Bekanntheit durchziehen. Die Fallhöhe ist schlicht eine andere - und das spürt auch das Publikum.

Und so kam es, dass sich das Treiben der Hälfte der Belegschaft (Honey, Gina Lisa, Florian, Sarah Joelle, Hanka, Kader) von der ersten Minute anfühlte, als würde hier nur die bestmögliche Show abgeliefert. Jay und Indira Redux - nur diesmal im großem Stil sozusagen. Dass sich zudem der Rest der Kandidaten aus viel zu stillen, ecken-, kanten- und antriebslosen Schatten rekrutiert, hilft der Sache auch nicht. Ob Jens, Marc, Thomas, Nicole, Fräulein Menke oder letztlich auch Markus: Wenig Drama, wenig Ansatzpunkte.

Das Casting ist somit unter dem Strich somit das größte Problem der diesjährigen Ausgabe - zu viel gewollt, zu wenig bekommen. Hier darf man gerne in Klausur gehen und es nächstes Jahr besser machen.

Lachen, Mitfühlen, Kopfschütteln


Auf der anderen Seite bietet so ein kalkuliert bunter Mix an extrovertierten Charakteren, aber auch die dringend benötigte Dramadichte für die Autoren und Moderatoren. Ob Honey, Hanka, Kader oder Sarah Joelle - sie alle verstehen es durchaus, immer wieder für interessante und brodelnde Momente zu sorgen. Dass letztlich vieles versandet, unterstreicht aber vielleicht auch nochmal, dass man es hier eher mit Versuchen des Konflikte schürens denn mit wirklichen und langfristig relevanten Brandherden zu tun hat. Spaß macht es dennoch.

Seien es die philosophischen Exkurse des Markus Majowski, die Beichten von Jens und Gina Lisa, das starke Selbstbewusstsein von Honey (der aber zuletzt kaum mehr zu sehen war), Kaders Stimmungsschwankungen, das Intrigengeflecht zwischen Sarah Joelle und Florian oder in besonderem Maße Hanka, die mit ihren ganzen kleineren und größeren Problemen eine vollkommen neue Farbe ins Camp brachte - all diese Aspekte halten die Maschine auch in diesem Jahr am Laufen und den Unterhaltungswert hoch.

Von konsensfähigen Randerscheinungen


Neben den genannten Überlegungen gibt es aber auch noch Punkte, auf die man sich eindeutig verständigen kann. So darf man dem Moderationsteam Sonja Zietlow und Daniel Hartwich durchaus attestieren, dass ihre Gags auch in dieser Staffel zumeist zünden. Zwar schleichen sich hier und da - wie jedes Jahr - böse Rohrkrepierer ein, auf der anderen Seite stehen aber auch eine Vielzahl gelungener Gags und Momente. Besonders auffällig bleibt, dass die beiden in großem Maße von ihrer Spontaneität leben und stets in der Lage sind, schnell auf das Geschehen zu reagieren. Hier bleibt das Format in Sachen Komik konkurrenzlos.

Bei den Prüfungen ließ die Auftaktshow zunächst wenig Kreativität vermuten, danach besserte man sich jedoch und präsentierte einen abwechslungsreichen Mix aus Klassikern, neueren Spielen und frischen Ideen. Der hohe Abnutzungsfaktor muss jedoch dennoch erwähnt werden - wer das «Dschungelcamp» schon seit vielen Jahren verfolgt, wird den Ekel und die Abscheu nicht mehr so überdeutlich empfinden wie noch vor einiger Zeit. Der Mensch stumpft eben ab. Auch hatte das Publikum in diesem Jahr wenig Glück damit, einzelne Kandidaten besonders zu fordern. So wuchsen letztlich alle über sich hinaus und es fehlte das Publikumsopfer, welches wieder und wieder an den Rand der Verzweiflung gebracht wurde. Erfrischend war dabei natürlich, dass endlich einmal verschiedene Promis von den Zuschauern auserkoren wurden und nicht immer die gleichen.

RTL präsentiert hier sehr selbstbewusst ein Hochglanz-Trash-Produkt, das genau weiß, was es sein will, sein kann und sein muss. Zumindest in den Augen der Verantwortlichen. Ob man damit in diesem Jahr - und für die Zukunft - jedoch richtig liegt, werden die Zuschauer verraten: Entweder durch Kommentare oder eben auch über das Instrument Einschaltquote.

Sprechen die Quoten eine Sprache?


Quotenanalyse ist ein sensibles Thema, da der sture Blick auf die einschaltenden Menschen alleine selten ausreicht, um ein fundiertes Urteil über Stärke oder Schwäche eines Formats zu ermöglichen. Dennoch wollen wir selbstverständlich mit eben diesem Werte beginnen - wie viele Menschen beim Gesamtpublikum schauen 2017 das «Dschungelcamp»? Die ersten beiden Folgen lagen mit 7,36 Millionen und 7,26 Millionen zwar über dem Durchschnitt der vergangenen Staffeln, jedoch unter dem Schnitt der jeweils ersten beiden Ausgaben.

Ab der ersten Sonntagsausstrahlung fiel man dann auch direkt unter die 7-Millionen-Marke und erreichte sie seitdem nicht mehr. Man bewegte sich durchaus wechselhaft zwischen 5,75 Millionen und 6,60 Millionen. Der aktuelle Staffeldurchschnitt liegt bei rund 6,50 Millionen Zuschauern - und somit nur höher als in den lange zurückliegenden Staffeln zwei bis vier. Dennoch muss auch hier eine weitere Einschränkung gemacht werden: Die zweite Woche war oft die quotenstärkere, was den aktuellen Schnitt durchaus noch anheben und das Ergebnis auch im Vergleich verbessern könnte.

In Sachen Marktanteil beim Gesamtpublikum hält man bisher rund 28 Prozent und muss sich vor den Vorgängerstaffeln nicht verstecken. Und auch bei den Umworbenen zeichnet sich ein besseres Bild: Über 42 Prozent beim werberelevanten Publikum sind weiterhin ein fantastischer Wert und toppen sogar die Vorjahre.

Mehr aus dem Dschungel

Rückblick: Vor einer Woche haben wir uns schon ausführlich mit der Auftaktsendung befasst.
Was also heißt das alles, wenn wir die Zahlen einmal sprechen lassen? Es schauen im Januar 2017 zwar insgesamt weniger Menschen fern als noch in den vergangenen Jahren - von denen die schauen, lassen sich aber anteilig genauso viele oder gar mehr auf den Dschungel ein. Zum Alarm schlagen ist es an dieser Front also noch lange nicht an der Zeit, hier spielt eher ein generelles Problem des linearen Fernsehens mit rein, vor dem kein Format auf Dauer sicher sein wird. Solange nahezu ein Drittel aller und fast die Hälfte der Umworbenen das Format schaut, wird RTL hier keinen Grund zur Besorgnis sehen.

Irgendwie zweimal Fazit


Da schlagen dann doch glatt zwei Herzen in meiner Brust: Hat RTL hier eine Megastaffel rausgehauen, die wie selten zuvor von ihren vollkommen überkandidelten Kandidaten zehrt oder bekommen wir eine von vorne bis hinten durchkalkulierte Dramaturgie zu sehen, die viel zu unecht ist um noch Spaß zu machen? Vielleicht ist diese Frage zur Halbzeit schlichtweg nicht zu beantworten. Fakt ist, dass erneut ein Hochglanz-Unterhaltungsprodukt vom Stapel gelaufen ist, dass selbstsicher seine Stärken ausspielt und damit in vielen Bereichen punkten kann.

Dass im Camp aber natürlich Vieles nicht so ist, wie man uns glauben machen will, steht seit Jeher außer Frage. Auch, dass viele Promis die Bühne «Dschungelcamp» so gut es geht für ihre individuellen Zwecke zu nutzen versuchen, ist keine neue Erkenntnis. Doch woran liegt es dann, dass sich dieses Mal ein so viel stärkerer Fake-Verdacht aufdrängt? Vielleicht wurden wir in den vergangenen Jahren einfach nur kompetenter veräppelt? Und wen interessiert das am Ende des Tages noch, wenn das Produkt unterm Strich trotzdem so viel Spaß macht? Ich glaube, ich schaue einfach brav weiter - oder schalte ab und warte aufs nächste Jahr. Und ganz vielleicht mache ich auch beides. Bis in einer Woche zum Staffelfazit. Gleiche Stelle, gleiche Dramendichte. So viel darf man wohl versprechen.
Klare Frage, klare Antwort: Ist die aktuelle Staffel zu fake, um gut zu sein?
Definitiv zu fake - das macht keinen Spaß so!
19,8%
Fake-Tendenz ist hoch, aber noch erträglich
32,6%
Ich bin noch unentschlossen
23,2%
Weniger fake als sonst, alles gut!
10,7%
Nein, die Staffel ist absolut echt!
13,7%

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