Die Kritiker

«Ein starkes Team - Nathalie»

von

Fahrig geschrieben, aufgesetzt gespielt: über einen völlig an die Wand gefahrenen Krimi.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Stefanie Stappenbeck als Linett Wachow
Florian Martens als Otto Garber
Arnfried Lerche als Reddemann
Kai Lentrodt als Ben Kolberg
Jaecki Schwarz als Sputnik
Peri Baumeister als Nathalie Brombach
Marc Hosemann als Niko Schrader

Hinter der Kamera:
Produktion: UFA Fiction GmbH
Drehbuch: Leo P. Ard (d.i. Jürgen Pomorin)
Regie: Roland Suso Richter
Kamera: Stefan Unterberger
Produzentin: Alicia Remirez
Das Ermittlertrio aus Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck), Otto Garber (Florian Martens) und Ben Kolberg (Kai Lentrodt) ist spätabends bei einem Schießtraining in einem Schützenverein. Nachdem Linett und Otto auf einen Absacker aufgebrochen sind, bleibt Ben mit dem Vereinsvorsitzenden noch kurz zurück, als eine maskierte Bande einbricht und allerhand Langwaffen samt Munition raubt. Weil er eine Täterin erkennt, muss jener Vereinsvorsitzende rasch sein Leben lassen, als ein Mittäter ihn kurzerhand erschießt. Ben, von dessen Anwesenheit die Räuberbande nichts mitbekommt, erkennt derweil unter den Verbrechern ein bekanntes Gesicht – und traut seinen Augen nicht: da steht also die titelgebende Nathalie, seine alte Jugendliebe, würgend über dem Waschbecken, weil sie das alles nicht so richtig verkraftet, wie ihr Komplize gerade nonchalant einen netten alten Mann erschossen hat.

Mit dieser Information hält Ben vor seinen Kollegen Linett und Otto freilich erst einmal hinterm Berg. Vorher will er den alten Kontakt zu Nathalie wieder herstellen – und es kommt, wie es in einem ambitionslosen deutschen Fernsehkrimi kommen muss: Er fängt an, die Tatverdächtige zu knallen.

Als er im zweiten Akt seinen Kollegen reinen Wein einschenkt, gucken die ein bisschen konsterniert, bevor sie die Anweisung geben: Weiter machen! Um an Informationen zu gelangen, versteht sich, schließlich plant Nathalie mit ihrer gemeingefährlichen Räuber- und Mörder-Gang ein großes Ding. Wozu sonst all die schweren Waffen, die sie sich beschafft haben?

Trotz der unbedingten Loyalität zu seinen Kollegen und seinem Dienstherrn gerät Ben ein bisschen in die emotionale Zwickmühle: Alte Gefühle für Nathalie erwachen wieder, und wäre es nicht schön, wenn er sie aus „ihrer Welt“ herausmeißeln könnte und sie trotz ihrer materialistischen Allüren, die sie ein abstoßendes Verbrechen haben begehen lassen, zu so etwas Ähnlichem wie Rechtschaffenheit zurückführen könnte?

Dass die an sich triviale Konstellation des ungleichen Paares aus Polizist und Verbrecherin nicht nur in noiren Meisterwerken mit starker Femme Fatale funktioniert sondern auch im deutschen Fernsehfilm, hat vor einigen Jahren die einnehmende Produktion «Lösegeld» bewiesen, die mit großem Feingefühl und intellektuellem Scharfsinn die psychologischen Widersinnigkeiten und sozio-ethischen Spannungsfelder einer solchen Liaison vorführte.

„Nathalie“ dagegen geht den anderen Weg und belässt das Thema bei kurzen, alibihaften Skizzierungen, um im Vordergrund allerhand vorhersehbares Gehampel abzuspulen: finstere Gestalten, die Finsteres im Schilde führen; Stappenbeck und Martens, die bedeutungsüberladene Blicke austauschen, ohne dass ihre Figuren sich etwas Sinniges zu sagen hätten; und nicht zuletzt ein völlig vergeigtes Spiel von Kai Lentrodt und Peri Baumeister: Beide haben in anderen Produktionen schon geglänzt, doch in diesem Film sieht man nichts von ihrem Talent. Das ist sicherlich nicht allein ihre Schuld, sondern auch die des fahrigen Drehbuchs, das sich an der Liaison ihrer Figuren nur für das Oberflächliche, mit überladenen Klischees Darstellbare interessiert – aber Lentrodts geleckt-jungenhaftes Gehabe und der nie sinnig aufgelöste Dualismus aus Nathalies mädchenhaftem Getue, ihrem penetranten Gegluckse und ihrer berechnenden Kälte sind eine schwer erträgliche Kombination.

Vielleicht könnte man diesem Film mehr abgewinnen, wenn es vor vier Jahren das tolle «Lösegeld» nicht gegeben hätte. Wenn «Lösegeld» nicht vorgemacht hätte, wie viel psychologisch spannendes Potential in dieser Figurenkonstellation liegt – und wie eine gelungene Besetzung mit Misel Maticevic und Ulrike C. Tscharre daraus ein mitreißendes Drama machte.

Davon ist „Nathalie“ leider so weit entfernt wie Garber von einem Bulls-Eye im Schießstand.

Das ZDF zeigt «Ein starkes Team – Nathalie» am Samstag, den 24. September um 20.15 Uhr.

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