Die Kritiker

«Friesland – Klootschießen»

von

Der dritte Teil der ZDF-Krimireihe «Friesland» stammt aus anderer Feder als die Vorgänger. Aus qualitativer Sicht eine bedauerliche Entwicklung!

Cast und Crew

  • Regie: Markus Sehr
  • Darsteller: Florian Lukas, Sophie Dal, Theresa Underberg, Holger Stockhaus, Felix Vörtler, Susanna Simon, Michael Hanemann, Dirk Martens, Elisabeth Baulitz, Silvina Buchbauer
  • Drehbuch: Timo Berndt
  • Kamera: Andreas Köhler
  • Schnitt: Benjamin Ikes
  • Musik: Tobias Wagner, Steven Schwalbe
  • Szenenbild: Thomas Schmid
Im Mai 2014 ist die Schmunzelkrimi-Reihe «Friesland» im ZDF auf einem qualitativ respektablen Niveau gestartet (mehr dazu). Seit diesem Auftakt haben sich die humorigen Fälle von Jens Jensen (Florian Lukas) und Süher Özlügül (Sophie Dal) allerdings in Sachen Überzeugungskraft ein gutes Stück gemäßigt: Schon Fall zwei ließ (minimal) nach, mit der dritten, nach einer friesischen Sportart benannten, Ausgabe erreicht «Friesland» nun einen vorläufigen qualitativen Tiefpunkt.

Besorgniserregend ist, dass den Friesen wohl bereits jetzt die Ideen ausgehen. Der Neunzigminüter handelt davon, dass eine Moorleiche erst identifiziert und daraufhin geklärt werden muss, wer die tote Person einst ums Leben gebracht hat – das kennt man schon. Darüber hinaus tritt erstmals die Entwicklung der zentralen Ermittlerfiguren auf der Stelle – möglicherweise ist dies die Folge davon, dass nicht weiter das Autoren-Duo Arne Nolting & Jan Martin Scharf die Fäden zieht. Die unter anderem für «Club der roten Bänder» verantwortlichen Autoren finden in Vielschreiber Timo Berndt einen Nachfolger, der offenbar nicht ganz auf den Stil seiner Vorgänger eingeeicht wurde. Der nordisch-spröde Witz der Vorgänger weicht einer niedrigeren Gagquote. Der gebotene Witz ist flacher, alberner und meist vorhersagbarer und die individuell ausgearbeiteten Kommissare sind nun bloß noch ein weiteres, ungleiches Schmunzelkrimi-Gespann wie aus unzähligen anderen Formaten.

Und wie in vielen dieser Vorabend-Lokalkrimis mit Schmunzelnote, an die «Friesland» nunmehr erinnert, ist auch der eigentliche Kriminalplot wenig spannend: Die im Moor entdeckte Leiche ist die eines vor rund 20 Jahren verschollen geglaubten Fußballtalents, dessen Frau Marlies (Susanna Simon) als krankhaft eifersüchtig galt. Viele Einwohner dachten daher, dass Marlies ihren Gatten wohl ermordet hat. Nun wird die Frau aber entlastet: Die Untersuchung der Moorleiche durch Freizeit-Gerichtsmedizinerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg) ergibt, dass der dahingeschiedene, lokale Fußballheld erschossen wurde – und nach dessen Verschwinden wurde Marlies vergeblich auf Schmauchspuren untersucht. Wie Lokalkrimis es so zeigen: Der pöbelnde Mob ist an Fakten nicht interessiert, und so wird die Witwe zum Opfer des Zorns der dickköpfigen Kleinstädter …

Aufgrund arg übertriebener Performances der Nebendarsteller ist der Ausgang dieser «Friesland»-Episode nur all zu deutlich – umso bedauerlicher, dass nicht nur die Täterfrage keinerlei Tiefe hat. Obendrein wird die teils rätselhafte Süher der ersten beiden Folgen nunmehr ohne Ecken und Kanten dargestellt. Mitknobeln lässt es sich in diesem Krimi also nicht mehr, und zum Lachen sind bloß ganz wenige Momente. Etwa, wenn Florian Lukas‘ Ermittlerrolle in einer Marihuana-Plantage Beweise vernichtet oder der cholerische Kommissar Brockerhorst (Felix Vörtler) unter hörbar hohem Blutdruck leidet. Vorhersehbar sind diese Gags zwar allesamt, aber sie sind mit knackigem Timing umgesetzt, wohingegen der Löwenanteil der Pointen im Moor versackt.

Bleibt nur zu hoffen, dass Regisseur Markus Sehr mit seinem nächsten Fernsehfilm wieder an sein Kinodebüt «Eine Insel namens Udo» anknüpft, statt auf diesem handwerklich unauffälligem Niveau gefangen zu bleiben. Und «Friesland» muss in Ausgabe vier seinen Pfiff wiederfinden – denn primetimetauglich ist das hier gebotene wahrlich nicht.

«Friesland – Klootschießen» ist am 27. Februar 2016 ab 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

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