Die Kritiker

«Zoo»

von

Jahrhunderte lang war die Menschheit die dominante Spezies. Wir haben die Tiere gezähmt, sie eingesperrt, sie zu unserem Vergnügen getötet. Aber was wäre, wenn überall auf der Erde die Tiere beschlossen hätten, dass es jetzt reicht? Wenn sie endlich beschlossen hätten, zurückzuschlagen?

Cast & Crew:

  • Produktion: Midnight Radio, Tree Line Film, James Patterson Entertainment, CBS Television Studios
  • Schöpfer: Josh Appelbaum, André Nemec, Jeff Pinkner, Scott Rosenberg
  • Darsteller: James Wolk, Kristen Connolly, Nonso Anozie, Nora Arnezeder, Billy Burke, Carl Lumbly uvm.
  • Musik: Chris Tilton
  • Kamera: Dan Stoloff, Derick V. Underschultz, Anette Haellmigk
  • 13 Folgen pro Staffel
Der Kampf „Mensch gegen Natur“ ist so alt wie die Menschheit selbst. Da ist es bloß eine logische Konsequenz, dass dieses ungleiche Kräftemessen immer häufiger auch in der Popkultur seine Erwähnung findet. In Filmen bekommt es die menschliche Spezies zumeist direkt mit unserem Planeten zu tun, wenn dieser seine geballten Kräfte in Form von Erdbeben, Tornados oder anderweitigen Wetterphänomenen mit aller Macht gegen seine Bewohner erhebt, um die notwendige Demut einzufordern. Doch auch die Tiere wurden bereits mehrfach zum vermeintlichen Antagonisten auserkoren, um einen Rachefeldzug gegen jene Wesen zu starten, die sie ausgebeutet, zum Vergnügen oder zu Nahrungszwecken getötet sowie abgerichtet haben. Alfred Hitchcock startete subversiv mit «Die Vögel», Franklin J. Schaffner wurde da mit «Planet der Affen», der bereits zwei Remakes erfuhr, schon deutlicher. Für das in den USA beim Sender CBS ausgestattete TV-Format «Zoo» bedienen sich die Serienschöpfer Josh Appelbaum und André Nemec (schrieben beide das Skript von «Mission: Impossible – Phantom Protokoll»), Jeff Pinkner («Die 5. Welle») sowie Scott Rosenberg («Nur noch 60 Sekunden») nun nicht mehr nur an einer einzigen Art, sondern brechen einen kompromisslosen Kampf zwischen Mensch und Tier vom Zaun, der auf beiden Seiten unzählige Opfer fordert.

Jahrtausende lang mussten sich die Tiere dem Willen des Menschen beugen. Schlägt die Natur jetzt zurück? Für den jungen Biologen Jackson Oz (James Wolk) deutet alles darauf hin. Beunruhigt verfolgt er, wie rund um den Globus Tiere scheinbar gezielt Menschen attackieren - immer öfter mit tödlichen Folgen. Verzweifelt versuchen Jackson und seine wenigen Verbündeten, das Rätsel um das befremdliche Verhalten der Vierbeiner zu lösen und ihren gefährlichen Rachefeldzug zu stoppen.

In einer frühen Szene der ersten «Zoo»-Episode mit dem Titel „Der trotzige Blick“ bekommt es der Zuschauer direkt mit der emotionalen Mannigfaltigkeit der menschlichen Spezies zu tun. In einem Reservat in Botswana arbeitet Protagonist Jackson Oz als Safari-Guide, der Touristen die Schönheit der Savanne mit all ihren wilden Tieren zeigt; in einem Jeep und lediglich mit einem Fernglas ausgestattet beobachten er und seine Camp-Kollegen freiheitsliebende Vierbeiner wie Nashörner, Giraffen oder Antilopen von der Ferne aus – ganz anders ein Mann, der des Jagdtourismus‘ frönt und ebenfalls bewaffnet ist. Doch kurz bevor er eines der Nashörner erlegen kann, was er mit dem Bezahlen einer nicht geringen Geldsumme gar noch zu relativieren versucht, zaubert Jackson ein Kofferradio aus seinem Wagen und verscheucht das wilde Tier mithilfe von James Browns Evergreen „Sex Machine“.

Diese kurze Szene offenbart nicht bloß, mit welch unterschiedlichen Moralvorstellungen die menschliche Rasse ausgestattet ist, sondern auch, wie einzelne Vertreter ihrer Gattung von der Vormachtstellung Gebrauch machen: Die einen nutzen sie, um willkürlich zu jagen, während die anderen sie nutzen, um wehrlose Geschöpfe eben davor zu bewahren. Es wird nicht die einzige Szene bleiben, in der «Zoo» derart radikal und unbequem auf die Verrohung der Menschheit blickt, die sich hier ausschließlich auch den Umgang von zwischen Mensch und Tier beschränkt, sich im wahren Leben allerdings noch vielfach weiterführen ließe.

Es ist schwer zu sagen, in welches Genre sich «Zoo» am ehesten einordnen ließe. Das Format spielt auf der einen Seite mit Elementen des Tierhorrors, wird in den entscheidenden Momenten des Angriffs jedoch nie explizit und überlässt das Gros der Gewalt den Vorstellungen des Zuschauers. Wenn sich die Spannung vor den Tierattacken sukzessive aufbaut, wähnt man sich dennoch hier und da in einem Werk von Hitchcock oder Polanski, während die Serie visuell – sicher auch aufgrund der Produktionsbeteiligung von Hollywoodinsidern – eher an klassisches Hollywoodkino erinnert. «Zoo» hat unübersehbar Kinoausmaße und trumpft obendrein auch mit einigen namhaften Darstellern auf, die sich nach diversen Leinwandausflügen nun ins Serienfach begeben.

Hauptdarsteller James Wolk gehörte zuletzt zum Cast von «Mad Men» und spielt hier einen zu Anfang noch unscheinbaren, aber engagierten Charakter, der das Potenzial birgt, mit der Zeit an Ecken und Kanten zu gewinnen. Kristen Connolly wurde einem breiten Publikum durch ihre Performance in der Horror-Satire «The Cabin in the Woods» bekannt und besticht hier mit tougher Selbstbestimmung. Ihre Figur des „Mädchens mit dem Flaschengeist-Tattoo“ erinnert schon von der Wortherkunft an Lisbeth Salander aus «Verblendung». Mischt man jenen Charakter mit Conollys Performance in «House of Cards» erhält man in etwa die bloggende Hauptfigur und Troublemakerin in «Zoo» namens Jamie Campbell, deren emotionale Tendenz zu Beginn der Serie noch angenehm offen bleibt. Darüber hinaus erweist sich die smarte Französin Nora Arnezeder («Alexandre Ajas Maniac») als herausstechende Wieder-Neuentdeckung.

«Zoo» ist sichtlich daran interessiert, mit seiner Thematik anzuecken und sein Publikum, vielleicht sogar nachhaltig, wachzurütteln. Das gelingt den Machern vor allem in den ruhigen Momenten. Die Serienschöpfer bemühen sich im Rahmen eines klassischen „Fall der Woche“-Aufbaus darum, intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen, was Menschen dazu bringt, seine Belange wie selbstverständlich über die der Tiere zu stellen. Dieser lohnenswerte Ansatz der tiefschürfenden Auseinandersetzung mit einem solch weitreichenden Thema steht der Serie immer dann im Weg, wenn es inszenatorisch zur Sache geht. So wirkt «Zoo» – zumindest in den ersten beiden Episoden – noch nicht ganz rund und scheint beide Faktoren nicht ganz stilsicher in sich vereinen zu können. Doch das Potenzial für mehr ist da. Je dichter das Gerüst um die Einzelfälle wird, desto mehr ergeben die Attacken auch abseits der Effekthascherei ihren Sinn innerhalb der Story. Es wird spannend sein, zu sehen, ob beide Elemente – Action und Drama – im Laufe der Zeit zu einem vollständigen Einklang finden werden. So bleibt «Zoo» nach den ersten beiden Folgen ein beeindruckendes Serienexperiment, das den Zuschauer in seinem menschlichen Dasein dort packt, wo es weh tut.

«Zoo» ist ab dem 13. Januar immer mittwochs um 20:15 Uhr in Doppelfolgen zu sehen.

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