«Dschungel»-Auftakt: Tränen, Luft-Tüten & Pipi-Panik

Der Dschungel hat uns wieder - in Deutschland ist es kalt, die Sonne kennt man nur vom Hörensagen. Da macht es Spaß, sich am Urwald und leidenden Promis zu ergötzen. Wir verraten, wie der Auftakt war!

Dschungel-Quoten

  • Staffel 9 (2015): 6,71 Mio.
  • Staffel 8 (2014): 7,87 Mio.
  • Staffel 7 (2013): 7,34 Mio.
  • Staffel 6 (2012): 6,57 Mio.
  • Staffel 5 (2011): 7,40 Mio.
  • Staffel 4 (2009): 5,75 Mio.
  • Staffel 3 (2008): 4,86 Mio.
  • Staffel 2 (2004): 5,54 Mio.
  • Staffel 1 (2004): 6,74 Mio.
Es ist wieder soweit: «Ich bin ein Star – holt mich hier raus»!, eines der wenigen verbliebenen RTL-Formate, das sich noch nicht zu Tode aufgewärmt hat, wird uns die nächsten zwei Wochen in Atem halten. Zudem feiert man die zehnte Staffel des Formats - und das, obwohl man durchaus stürmische Zeiten hinter sich hat.

Rückblick


2004 gestartet und trotz guter Quoten (siehe Infokasten) von Presse und Öffentlichkeit verrissen, zwischendurch gar zweimal wegen fehlender Werbeeinnahmen und zu hoher Produktionskosten pausiert (2005-2007 und 2010) und schließlich mit den Staffeln in 2011 und 2012 zum popkulturellen Phänomen, Quotenmonster und Kritikerliebling aufgestiegen, hätte der tragische und viel zu frühe Tod von Dirk Bach fast das – zumindest kreative - Aus bedeutet. Denn wer sollte dem kleinen, großen Mann nachfolgen können?

RTL entschied sich aus damaliger Perspektive fast erschreckend vorhersehbar und unkreativ für Allzweckwaffe Daniel Hartwich – doch tatsächlich: Der sympathisch-schräge Humor des Jedermanns ersetzte den des schrill-bunten Paradiesvogels perfekt und Hartwich wuchs mit Sonja Zietlow schnell zu einem zweiten kongenialen Duo zusammen. Grandiose Quoten in den Jahren 2013 und 2014 sowie Zündstoff und Unterhaltungswert ohne Ende bescherten dem Format einen zweiten, noch besseren Frühling. Die Nominierung für den Grimme-Preis 2013 konnte und durfte man als deutliches Ausrufezeichen werten.

Doch die Fassade bekam Risse: 2015 passte die Auswahl der Promis um die spätere Dschungelkönigin Maren Gilzer hinten und vorne nicht, das nahtlose 1:1-Festhalten am bewährten Konzept der Vorjahre tat sein Übriges – doch überspielten Sonja & Daniel angetrieben vom immer noch kreativen und fleißigen Team mit Charme und Selbstironie die inhaltlichen Probleme und konnten sich am Ende über immer noch starke, wenn auch gesunkene Quoten freuen.

Lerneffekt


Eines kann man der Produktion nicht nachsagen: Dass sie die vergangene, inhaltlich enttäuschende Staffel nicht analysiert hätten. Die Kommentare eines der Hauptschreiber der Show, Jens Oliver Haas, lassen zumindest darauf hoffen, dass man die Fehler in den eigenen Reihen gesucht, ausgemacht und mit Glück behoben hat (wir berichteten). Haas sprach in diesem Zusammenhang von „Bewährung“ für das Format - ein sanfter Reboot mit geschärften Sinnen also?

Einige Details wurden bereits vorab bekannt: So mussten die Kandidaten schon bei der Anreise auf Luxus verzichten, wurden einzeln nach Australien befördert und wohnten vor Beginn auch nicht gemeinsam im bekannten Palazzo Versace. Auf diese Weise wollte man ein zu frühes Kennenlernen und eventuelle Absprachen verhindern.

Wie sich die guten Vorsätze in der Eröffnungsshow auswirkten und was man über die Auswahl der diesjährigen Kandidaten sagen kann, darüber wollen wir nun ausgiebig sprechen.

Die Kandidaten


Dschungel 2016: Die Teilnehmer

  • Brigitte Nielsen (Schauspielerin)
  • Jenny Elvers (Schauspielerin)
  • Helena Fürst (Moderatorin)
  • Sophia Wollersheim (Model)
  • Nathalie Volk (Model)
  • Rolf Zacher (Schauspieler)
  • Gunther Gabriel (Sänger)
  • Thorsten Legat (Fußballtrainer)
  • Ricky Harris (Moderator)
  • Jürgen Milski (Sänger)
  • Menderes Bagci (Sänger)
  • David Ortega (Schauspieler)
Auf den ersten Blick bot das Aufgebot den üblichen Mix aus Ex-Stars und Sternchen, aus Casting-Helden und B-Promis (siehe Infokasten). Allerdings setzte man dieses Jahr wieder vermehrt auf Menschen, die in ihrem Leben bereits wirklich etwas erlebt haben und erfahrungsgemäß auch gerne und ausführlich davon berichten mögen (Gunther Gabriel, Jenny Elvers, Rolf Zacher oder Thorsten Legat). Wortakrobaten wie Legat oder DSDS-Dauerkandidat Menderes Bagci sind darüber hinaus natürlich auch in Sachen Unterhaltungswert immer willkommen.

Gleiches gilt für sympathische Sprücheklopfer wie Jürgen Milski oder Ricky Harris, die ähnlich wie ein Jochen Bendel wieder auf sich aufmerksam machen könnten. Nathalie Volk als potentielle Campzicke und Sophia Wollersheim als Eyecandy und Grundlage für Gesprächsstoff runden den durchaus bewährten Mix ab.

Was man von Ex-Königin Brigitte Nielsen erwarten darf, ist geneigten Zuschauern ja bereits durch ihre erste Teilnahme und die Sommershow «Ich bin ein Star - lasst mich wieder rein!» bekannt – ob es am Ende wirklich Sinn gemacht hat, einen Kandidaten mehrfach im Format dabei zu haben, wird sich an ihrem Beispiel sicher gut ablesen lassen. Da man diese Woche bekanntgab, den Sommer-Dschungel nicht zu wiederholen, wird ihr Doppelauftritt aber vermutlich ohnehin ein Sonderfall bleiben.

Für Helena Fürst (potentielle Campmama?) und David Ortega (Steigerung des Machofaktors?) galt: Sie bildeten im Vorfeld die größten Fragezeichen und waren somit am wenigsten einzuschätzen.

Die Dramaturgie


Gleich zu Beginn wurde aus dem Off mächtig auf Krawall gebürstet – Jeder gegen Jeden als inoffizielles Staffel-Motto? Nach dem obligatorischen Ruf vom Sonja und Daniel ging es jedoch erstmal ans Vorstellen der Kandidaten.

Dabei erhielt jeder direkt eine griffige Inszenierung zugeteilt: Gunther Gabriel, der coole Countrystar, der sich von niemandem etwas sagen lässt, Nathalie Volk, die selbstbewusste Schönheit ohne Angst, Jürgen Milski, der Z-Promi mit einem Kontostand, der A-Promis die Farbe aus dem Gesicht treibt, Menderes Bagci, liebenswerter Schwiegersohn mit Knuddelfaktor, Helena Fürst, die angstfreie Power-Frau, tough und ambitioniert, David Ortega, cool ohne Ende, eine Spur selbstverliebt und mit durchaus gesundem Selbstvertrauen gesegnet, Jenny Elvers, lieb, bodenständig und devot-sympathisch, Rolf Zacher, leicht entrückter Weltstar aus mehr als 300 Filmen mit einer Prise Hollywoodflair, Sophia Wollersheim, nach eigener Aussage bekannt durch ihr Aussehen und Ehemann Bert, Ricky Harris, flippiger Gute-Laune-Flummi auf der Suche nach der zweiten Karriere (vielleicht sogar der bessere Mola?), Brigitte Nielsen, First Lady des Dschungels, Showprofi an der jeder vorbei muss und Thorsten Legat, der vermeintlich Harte mit den vielen zarten Seiten. Eine durchaus illustre Gruppe, die man potent zu präsentieren wußte.

Königinnen & Könige

  • 2015: Maren Gilzer
  • 2014: Melanie Müller
  • 2013: Joey Heindle
  • 2012: Brigitte Nielsen
  • 2011: Peer Kusmagk
  • 2009: Ingrid van Bergen
  • 2008: Ross Anthony
  • 2004: Désirée Nick
  • 2004: Costa Cordalis
Inhaltlich verlor man ebenfalls keine Zeit: Treffen in einem wenig einladenden Zelt, keine Yacht, kein Luxus. Stattdessen zwei nahende Hubschrauber, die bei Ricky Harris direkt für Tränen sorgten: Flugangst. Danach fragte jedoch niemand: Auf einer Lichtung wurden alle in Jeeps umgeladen und schließlich ging es direkt ab in die grüne Hölle.

Bochum oder Detmold?


Für Thorsten Legat war das alles wie daheim in Bochum, Gunther Gabriel fühlte sich in den Teutoburger Wald bei Detmold versetzt. Vielleicht dreht RTL die Show, jetzt wo es niemand mehr in Frage stellt, dieses Jahr ja nun doch gar nicht mehr so weit entfernt, wie man uns glauben machen möchte? Aber Spaß beiseite:

Dass alle direkt an einen Tisch gebeten wurden und unerwartet die Moderatoren auftauchten, dürfte dann auch dem Letzten gezeigt haben: RTL hat offenbar dieses Jahr etwas vor. Hier wurde dann auch die Teilung in zwei Camps verkündet: Das altbekannte Basecamp und das neue SnakeRock-Camp.

Vorher jedoch durfte jeder noch seinen gestählten Magen beweisen und musste direkt einen Snack nach alter Tradition zu sich nehmen. Nur das Team, das am Ende mehr Snacks verdrücken könnte, würde diese auch später in Essen ausgezahlt bekommen. Das andere Team ginge leer aus. Eine gute Neuerung, die für viel Zündstoff sorgen dürfte. Auf der anderen Seite aber auch ein Wagnis, die ikonische Prüfung direkt in der ersten Stunde des Auftakts mit allen Promis durchzuexerzieren.

Eine Teilung des Camps gibt es in der britischen Variante der Show übrigens bereits seit 2006 – mit großem Erfolg. Da man in Hinblick auf die Vorgaben seitens des Rechteinhabers ohnehin stark eingeschränkt ist, was eigene Ideen oder Regeländerungen angeht, ist es logisch, dass RTL auf ein hierzulande bisher noch nicht verwendetes Konzept aus dem Nachbarland zurückgreift, um die Show zu pimpen.

Zwischen Sperma, Kakerlaken, Kamelhirn und Ochsenpenis entschied Team SnakeRock diese erste Prüfung für sich. Einige gelangten jedoch bereits hier – und noch in ihren schicken Outfits – an ihre Grenzen.

Nach dem obligatorischen Umziehen und Durchsuchen durch Kult-Ranger Junior wurden endlich die Camps geentert. Die Aufteilung für den Moment: Team „Blau“ im alten Basecamp mit Gunther, Ricky, David, Brigitte, Jenny und Sophia. Team „Gelb“ im neuen SnakeRock-Camp mit Rolf, Jürgen, Thorsten, Helena, Nathalie und Menderes.

In den Camps kehrte die Show dann vorerst auf bekannte Pfade zurück. Inspizieren der sanitären Anlagen und Schlafplätze, Kennenlernen der Tierwelt (Sophias Todesfrösche) erstes Beschnuppern, erste Differenzen. Hier hielt man kurz inne und ließ zu, dass sich erste Dynamiken entwickeln. Brigitte versuchte dabei direkt, die Rolle der Insiderin und Anführerin zu übernehmen, als sie Sophia bei ihren Problemen mit dem Toilettengang beistand. Dass die Ex-Königin während der drei Stunden Sendezeit gefühlte zwanzig mal ihren Kultsatz Was geht los da rein? benutzte, zeigt nebenbei ein gewisses Kalkül. Man kann uns nur wünschen, dass RTL nicht plant, auch zukünftig jeden dieser Momente zu zeigen.

Gunther äußerte als erster (wiederholt) den Gedanken ans Aufgeben und auch bei Rolf tauchten direkt Zweifel ob seiner Dschungeltauglichkeit auf – allerdings hier eher auf Seiten des Publikums.

David offenbarte unerwartet Gefühle und monierte den Umgang durch Sonja, die beim Essen wenig zimperlich mit den Verweigerern umgegangen war. Ihre Entschuldigung hätte ihm jedoch sicher nicht gefallen.

Außerdem zeigte sich direkt einiges an Konfliktpotential – ob nun zwischen Koch Thorsten und Vegetarier Rolf oder zwischen Helena und Nathalie – Sympathie sieht anders aus.

Nach diesen Zickereien war es gut, dass irgendwann Kurs auf die erste echte Dschungelprüfung genommen wurde. In Team „Gelb“ traf es Menderes, für Team „Blau“ wurde es Sophia. Interessant hierbei, dass das jeweils gegnerische Team den Teilnehmer bestimmen konnte.

In der Prüfung „Tierischer Einlauf“ saßen beide Kontrahenten in Wassertanks, in denen sie Sterne abdrehen mussten – mit zunehmendem Besuch der heimischen Tierwelt und steigendem Wasserpegel. Nicht neu, aber immer wieder gerne genommen. Die hinter den Sternen hängenden Schlüssel öffneten dann eine Reihe von Schlössern zur Ausstiegsluke in der Decke. Sowohl Sophia als auch Menderes gaben alles, doch besonders Menderes überraschte mit Fokus und Ruhe – es blieb sogar Zeit für höflichen Dank an Sonja und Daniel für deren Frage nach seinem Befinden. Süß! Verdientermaßen entschied er die Prüfung für sich und konnte sechs Sterne und somit ein volles Abendessen für alle ergattern. Kompliment an den jungen Mann, den man in Zukunft nicht unterschätzen sollte. Verdientermaßen erhielt er dann auch direkt Seelenstreicheleinheiten.

Zum Abschluss folgte schließlich noch der Besuch in beiden Camps, um die Teilnehmer an der nächsten Prüfung zu verkünden. Das Publikum wählte das Duell Sophia gegen Helena. Fortsetzung folgt morgen.

Die meiste Sendezeit


Die Moderatoren

  • Sonja Zietlow (47) ist von Beginn an Teil der Show. Ihre langlebigsten Formate abseits des Dschungels sind die Ranking-Shows «Die 10...» und «Die 25...». Zietlow ist ausgebildete Pilotin und engagiert sich privat für Tiere. Sie ist verheiratet und lebt in München.
  • Daniel Hartwich (37) erbte den Platz an Zietlows Seite durch den tragischen Tod von Dirk Bach, der 2012 verstarb. Seit 2013 ist er Co-Moderator und geht somit in sein viertes Jahr. Hartwich ist bei RTL der Mann für alle Fälle und moderiert aktuell zum Beispiel die erfolgreichen Formate «Das Supertalent» und «Let´s Dance». Er lebt mit seiner Freundin in Köln.
  • Dr. Bob alias Robert „Bob“ McCarron (65) ist ein australischer Rettungssanitäter, Special-Effect-Künstler und Maskenbildner. Seit 2002 wirkt er an der deutschen und britischen Version des Dschungelcamps mit. Er war unter anderem im Jahr 2000 medizinischer Leiter der Eröffnungs- und Abschlussfeier bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney.
Hier dominierte eindeutig Thorsten Legat: Zwischen markigen Worten, selbstmotivierenden Predigten, politischen Metaphern, Wortschöpfungen (Luft-Tüten) und Lebenshilfe fühlte man sich problemlos in eine Teamsitzung des FC Re(h)mscheid versetzt. Thorsten Legat besitzt Power, Motivation und hat immer etwas zu sagen. Mal direkt, mal direkter und mal ganz direkt. Zur großen "Freude" von Schöngeistern wie Rolf Zacher. Wenn es einen ersten Star des Camps gibt, ist es eindeutig Legat.

Der Humor


Von Beginn an zeigten Sonja und Daniel Biss. Ob in Sachen Statiker für den BH von Frau Wollersheim, der RTL-Mitgliederzeitung namens BILD, den fehlenden Zuschauern bei der Sommershow oder an die Adresse von Frau Merkel: Das dynamische Duo kam spritzig, pointiert und eingespielt daher. Erste potentielle Running-Gags deuteten sich zudem bereits an.

Der Song


Der neue Titelsong stammt von Five Seconds to Summer und heißt Hey Everybody!. Wie immer ein Ohrwurm, der mit der bestens passenden Textzeile Hey everybody, we don't have to live this way - We can all get some, yeah, we can all get paid! punktet.

Fazit


Kann so weitergehen! Der Start in die neue Staffel gelingt aufgrund guter, neuer und mutiger Ideen, bewährter Zutaten, hoher Spielfreude der Moderatoren und einem zumindest Stand heute ausgewogenen Cast, der für viele Überraschungen gut sein könnte. Die nächsten Tage werden zeigen, in welche Richtung das Pendel in diesem Jahr ausschlägt – in einer Woche, beim Zwischenfazit an dieser Stelle, sind wir sicherlich schon etwas schlauer.

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