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15 Jahre danach: Neuer Reiz für Insel-Abenteuer-Shows?

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Was haben Holger Speckhahn, Markus Lanz und Pierre Geisensetter gemeinsam? Genau: Sie moderierten vor rund 15 Jahren Inselshows – und keine davon überlebte sehr lange.

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Wir haben mit dem damaligen «Inselduell»-Moderator Holger Speckhahn Ende 2013 ausführlich gesprochen. Damals ging es auch um seinen neuen Job als Moderator der Eishockey-Übertragungen von Servus TV. Das komplette Interview.
Wir schreiben das Jahr 2000 – in Deutschland bahnt sich ein neuer TV-Boom an. Nach dem starken Start der ersten «Big Brother»-Staffel schießen neue Reality-Ideen förmlich aus dem Boden. Sat.1 versucht sich an einem «Girlscamp», RTL II gründet eine WG mit jungen Partymachern, die ihren eigenen «II Club» gründen sollen. Und zahlreiche Abenteurer werden zum nackten Überleben irgendwo auf einsame Inseln verfrachtet. Jahre später weiß man; keine dieser Ideen hat sonderlich lange überlebt. Das ist insbesondere am Beispiel der Inselshows durchaus erstaunlich. In Amerika startete «Survivor» zur damaligen Zeit und hat sich bis heute im Primetime-Programm des großen Senders CBS gehalten.

Die Amerikaner sind in diesem Punkt wirklich Spitzenreiter: 30 Staffeln der Show liefen dort bisher – doch auch in anderen Ländern der Welt ist das Format ein Renner. So brachte es «Expedition Robinson», ein direkter «Survivor»-Ableger bis zu seiner Einstellung vor drei Jahren auf 14 Staffeln in Schweden. In Spanien gab es 13 Durchgänge, im russischen Fernsehen immerhin sieben. In Italien lief die Sendung über neun Staffeln hinweg, Norwegen kam auf zwölf Runden.

#StopWildIsland

Tierschützer protestierten vor der Ausstrahlung vehement gegen die Ausstrahlung der neuen Abenteuer-Show. Sie beriefen sich auf Trailer zu dem Format, in denen zu sehen sei, wie etwa ein Pelikan oder ein Rochen auf nicht artgerechte Weise getötet würden. ProSieben dementierte umgehend - und twitterte: "Wir stellen fest: Getretener Quark wird breit, nicht stark." Oder: "Ich plapper trotzdem weiter drauf los. Denn ich habe keine Ahnung, aber Recht." Andere twitterten, dass früher Tiere bei Gladiatorenkämpfen zu schaden kamen, heute in "dümmlichen TV-Shows." Übrigens: Auch im Mutterland hatte die Show «The Island» Tierschützer auf den Plan gerufen.
In Deutschland ist dafür die Liste der entsprechenden Versuche am Längsten. Begonnen hatte alles mit einer MME-Produktion namens «Das Inselduell», die 2000 von Holger Speckhahn moderiert wurde. Dass ein aus Garmisch-Patenkirchen stammender Michael, damals 32 Jahre alt, die Show gewinnt, ist ebenso in Vergessenheit geraten wie die damals durchaus sehr starken Quoten. In der Montags-Primetime holte die Sendung überdurchschnittliche Werte. Das Finale bescherte Sat.1 gar mehr als 18 Prozent Marktanteil. Deshalb wurde auch eine zweite Season in Auftrag gegeben, die aber nicht mehr zustande kam, weil andere Sender in der Folgezeit relativ viele Reality-Flops hinlegten.

So auch RTL II mit seinem direkten «Survivor»-Ableger «Expedition Robinson». Der lief 13 Wochen lang sonntags in der Primetime um 21.15 Uhr, Moderator war Volker Piezsczek. Auf der Insel gab es – wie bei «Big Brother» - einige vorinstallierte Kameras, sodass mobile Kameramänner nicht allzu häufig zum Einsatz kommen mussten. Die Quoten waren für den kleinen Münchner Sender nicht Fisch und nicht Fleisch, sodass man von der Bestellung einer zweiten Staffel absah, dafür jedoch mit «Big Diet» eine klassische Reality-Show ebenso bestellte wie eine abgewandelte Form des Insel-Formats: Die Sendung «Gestrandet» ging mit gleich 28 Folgen und Moderator Pierre Geisensetter On Air. Zwei Mal pro Woche zeigte RTL II die Sendung. Damals war der einstige Senderchef Josef Andorfer gewillt, große Teile seiner Primetime mit solchen Reality-Formaten zu bestücken.

Die Quoten blieben aber auch hier hinter den Erwartungen zurück. Ähnlich erging es auch dem 2002 bei RTL gestarteten «Outback» mit Moderator Markus Lanz. Sieben Wochen lang begleitete er am späten Samstagabend (23.15 Uhr) Kandidaten, die Aufgaben im australischen Nirgendwo bestehen mussten. Auch hier fielen die Marktanteile nicht aus wie erhofft, sodass eine zweite Staffel nicht mehr folgte. Und damit nahmen die großen Sender wieder Abstand von dieser Formatidee – bis ins Jahr 2007, als man sich bei ProSieben wohl nochmals an den Erfolg des amerikanischen «Survivor» erinnerte und daran, dass die Werte bei RTL II einst so schlecht ja nicht waren.

Man holte die Inselshow nun unter dem Original-Namen zurück und programmierte sie prominent dienstags um 20.15 Uhr. Zumindest die Premiere lief mit 12,9 Prozent Marktanteil bei den Umworbenen auch recht erfolgreich. Schnell gab es aber Kritik in Sachen Umsetzung, sodass die Quoten gen Boden krachten. Schon in der zweiten Woche schauten nur noch 8,3 Prozent der Umworbenen zu, Folge 4 kam zwei Wochen später gar auf weniger als acht Prozent. Entsprechend änderte der Münchner Kanal den Sendeplatz und machte dienstags um 22.20 Uhr weiter. Dort stürzten die Werte gar auf rund fünf Prozent ab, sodass «Survivor» nach der siebten von insgesamt 14 Folgen im Niemands-Land verschwand.

ProSieben brachte die Staffel fortan samstags zwischen 6.40 und 8.00 Uhr zu Ende – und holte immerhin dort bis zu 14,1 Prozent Marktanteil. Dieser Flop beendete für acht Jahre sämtliche Versuche, eine Inselshow in Deutschland zu etablieren. Dass sich gerade ProSieben nun im Herbst 2015 noch einmal an ein solches Format wendet, dürfte einerseits an einer neuen internationalen Idee liegen, andererseits aber auch wieder an jüngsten Reality-Erfolgen wie etwa «Promi Big Brother» beim Schwestersender Sat.1

Für das neue «Wild Island» wird – ganz in diesem Stile – eine Woche lang die Primetime umgebaut. Nach dem Start am Sonntag um 23.10 Uhr laufen sieben weitere Folgen täglich um 22.15 Uhr. Die US-Variante lief im Sommer bei NBC, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Das Besondere an dem Format: Produzent Endemol Shine stattet die überlebenswilligen Kandidaten mit Kameras aus – sie sind somit wirklich allein auf der Insel und eben nicht begleitet von einem Produktionsteam. Entsprechend sind auch einige der Teilnehmer im echten Leben Kameraleute.

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