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Friedensmusik, lange Haare und Martin Scorsese: Der 'Summer of Peace' bei arte

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Der Kultursender arte stellt sich gegen den Negativismus der Weltnachrichtenlage und ruft den Summer of Peace aus. Wir führen euch durch das bunte August-Programm.

Samstag, 1. August, 21.40 Uhr: «Jimi Hendrix 'Hear my train a coming»
23.10 Uhr: «The Doors – Feast of friends»
0.10 Uhr: «Berlin live spezial: Eric Burdon»
0.40 Uhr: «Paul Simon, Graceland: the African Concert»

Der 'Summer of Peace' im Überblick

Vom 28. Juli 2015 bis zum 23. August feiert arte seinen neunten Themensommer. Immer samstags und sonntags widersetzt sich der Kultursender der Stimmung der weltpolitischen Nachrichtenlage, indem er sich mit Filmen, Dokumentationen und viel Musik für den Frieden stark macht.
Der im Juli begonnene Summer of Peace setzt sich am 1. August bei arte äußerst musikalisch fort: Zunächst wird der Rocklegende Jimi Hendrix viel Platz eingeräumt. Der im Alter von nur 27 Jahren gestorbene Musiker ist zwar vor allem deshalb unvergessen, weil er die E-Gitarre beherrschte wie keiner vor ihm – jedoch machte Hendrix die Rockmusik auch auf denkwürdige Art politisch. Mit einer verzerrten, disharmonischen Version des 'Star Spangled Banner' kommentierte er die Lage der Nation süffisant und nachdrücklich. Im Anschluss gibt es eine Stunde lang Musik die Doors zu sehen und zu hören: 1968 nahm sich die Band vor, einen Film über sich selbst zu drehen – die authentischen Aufnahmen über die damalige Sommertournee der Gruppe wurden jedoch nie veröffentlicht, galten alsbald als verschollen. Im Frühjahr 2014 wurden sie endlich wiederentdeckt und mühevoll restauriert. Für 30 energiegeladene, kantige Minuten sorgt daraufhin Eric Burdon, ehe es zurück ins Jahr 1987 geht. Paul Simon gab damals vor 20.000 Zuschauern in Zimbabwe ein Konzert gegen die Apartheid – das Konzert ging in die Geschichte ein, als eines der beeindruckendsten musikalischen Events im Kampf gegen Rassismus.

Sonntag, 2. August, 20.15 Uhr: «Lockende Versuchung»


Dieses Westerndrama von «Ben Hur»-Regisseur William Wyler hat sich sogleich aus zwei Gründen einen Platz im arte-Friedenssommer verdient. Einerseits, weil diese für sechs Oscars (darunter 'bester Film' und 'beste Regie') nominierte Erzählung davon handelt, wie sehr sich Menschen mit pazifistischer Einstellung in Amerika mit Feindseligkeiten herumschlagen müssen. Darüber hinaus ist die 1956 erstveröffentlichte Demontage der amerikanischen Idylle aufgrund der realen Hintergründe ein Mahnmal. Das Drehbuch stammt von Michael Wilson, was zeitgenössischen Kinobesuchern jedoch verschwiegen wurde. Grund: Das Komitee für antiamerikanische Aktivitäten mutmaßte, dass der Autor Mitglied der Kommunistischen Partei war, woraufhin das für den Film verantwortliche Studio seinen Namen aus dem Vorspann tilgte. Erst 1996 wurde dies wieder rückgängig gemacht – also ein Jahrzehnt, nachdem Ronald Reagan in seiner Funktion als US-Präsident diesen Film dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Sergejewitsch Gorbatschow in einer Geste des Friedenswillens geschenkt hat.

Sonntag, 2. August, 22.30 Uhr: «Kundun»

«Kundun» bei den Oscars

  • Bestes Szenenbild: Dante Ferretti, Francesca Lo Schiavo
  • Beste Kamera: Roger Deakins
  • Beste Kostüme: Dante Ferretti
  • Beste Musik: Philip Glass
In sämtlichen Kategorien wurde der Film lediglich nominiert
Eine der anspruchvollsten Produktionen des Disney-Tochterlabels Touchstone Pictures und womöglich die poetischste Arbeit des Meisterregisseurs Martin Scorsese: Der in Marokko gedrehte Film erzählt die wahre Lebensgeschichte von Tendzin Gyatsho, dem 14. Dalai Lama. Im Alter von zwei Jahren wird 1937 in dem Bauernsohn die Inkarnation des geistlichen Oberhaupts der Buddhisten erkannt. Nachdem er durch Mönche die entsprechende Ausbildung erhält, besetzt Chinas Armee sein Heimatland Tibet … Scorsese und Kameralegende Roger Deakins («No Country for Old Men», «Skyfall») erzählen den authentischen Stoff in kräftigen, farbintensiven Bildern, die durch eine meditative, bezaubernde Musik von Philip Glass («Die Truman Show») begleitet werden. Wahrlich keine Produktion für jedermann, wer sich für Buddhismus oder intensive, audiovisuell einzigartige Filmarbeit erwärmen kann, sollte «Kundun» gesehen haben!

Samstag, 8. August, 21.50 Uhr: «No Direction Home – Bob Dylan»
Am 8. August meldet sich arte erneut mit einem Werk von Martin Scorsese zu Wort. Nach dem poetischen Drama «Kundun» steht mit «No Direction Home – Bob Dylan» eine Dokumentation auf dem Programm. Wie der Titel verrät, dreht sich diese um den Songwriter, Folksänger und Rockmusiker Bob Dylan. Im Fokus stehen die frühen Schaffensjahre des phänomenalen Künstlers, die er allerdings in Anlehnung an Dylans Stil unchronologisch und mit mehrmals wechselnden Perspektiven absteckt. Weggefährten wie Pete Seeger, Joan Baez oder Allen Ginsberg kommen zu Wort, auch Dylan selbst ist zu hören, der sich in seiner Selbstanalyse als völlig ideologiebefreit bezeichnet.

Sonntag, 9. August, 20.15 Uhr: «Enemy Mine – Geliebter Feind»


Hinter den Kulissen

  • Regie: Wolfgang Petersen
  • Produktion: Steven J. Friedman, Stanley O'Toole
  • Drehbuch: Edward Khmara, basierend auf einer Novelle von Barry B. Longyear
  • Darsteller: Dennis Quaid, Louis Gossett, Jr.
  • Musik: Maurice Jarre
  • Kamera: Tony Imi
  • Schnitt: Hannes Nikel
Ja, streng genommen fügt sich die erste US-Regiearbeit von Wolfgang Petersen («Das Boot») in das 'Summer of Peace'-Programmschema. Immerhin ist diese in den Münchner Bavaria Filmstudios und auf Lanzarote gedrehte Weltallgeschichte mit einer (überdeutlichen) pazifistischen Botschaft ausgestattet. Qualitativ könnte sich das intergalaktische Rührstück mit seinen übertriebenen Dialogen und holprigen Inszenierung sowie der stockenden Erzählweise genauso gut in eine Trash-Programmierung von Tele 5 reihen: Erzählt wird vom Krieg der Menschen mit der Reptilien-Alienrasse Dracs. Raumpilot Davidge (Dennis Quaid) muss nach einer Schlacht im All auf einem entlegenen Planeten notlanden. Auch sein Gegner Jeriba (Louis Gossett Jr.) stürzt dort ab, woraufhin die Erzfeinde einen verbissenen Wettstreit beginnen. Zumindest, bis sie erkennen, dass sie nur gemeinsam überleben können …

Sonntag, 9. August, 21.55 Uhr: «Peace 'n' Pop»
Diese zweiteilige, speziell für den Summer of Peace produzierte Dokumentation liefert von 1950 bis 1979 (Teil I) respektive von 1980 bis 2015 (Teil II, ab 22.45 Uhr) einen Querschnitt durch die popkulturellen Reaktionen auf die weltpolitischen, kriegerischen Entwicklungen. Vom Vietnamkrieg an spiegeln sich die Zeichen der Zeit in Musik, Comics und Filmen – arte bietet mit «Peace 'n' Pop» nicht bloß eine Chronik, sondern analysiert auch, wie Unterhaltung und Massenkunst auf Kriege eingehen. Zahlreiche Künstler kommentieren diesen Blick und bieten persönliche wie auch professionelle Anekdoten feil.

Samstag, 15. August, 22.45 Uhr «Billy Joel: A Matter of Trust»
0.00 Uhr: «Lee Scratch Perry’s Vision of Paradise»

Erneut wird es musikalisch: Zunächst gibt es das legendäre Konzert zu sehen, das Billy Joel zum musikalischen Botschafter machte. Mitten im Kalten Krieg reist der Piano Man nach 100 Auftritten im Rahmen seiner The Bridge-Tour im Sommer 1987 hinter den Eisernen Vorhang und tritt als erster amerikanischer Rockstar in Russland auf. Danach porträtiert eine Doku die Philosophie und die Arbeit des Musikers Lee Scratch Perry, der als Ziehvater Bob Marleys sowie als Erfinder des Reggae und des Dub wichtige Arbeit leistete.

Sonntag, 16. August, 20.15 Uhr: «Schrei nach Freiheit»


Regisseur Richard Attenborough erzählt in diesem Historiendrama die wahre Geschichte des Journalisten Donald Woods (sehr gut: Kevin Kline), der den gegen die Apartheid kämpfenden Bürgerrechtler Steve Biko (eindrucksvoll: Denzel Washington) kennen und schätzen lernt. Die unter die Haut gehende Musik von George Fenton und Jonas Gwangwa sowie die ambitionierte, ehrliches Interesse am Material zeigende Regiearbeit heben diesen Klassiker über die übliche Polit-Historiendramaware hinaus, selbst wenn der erzählerische Fokus eindeutig auf der falschen Figur liegt.

Sonntag, 16. August, 22.45 Uhr: «Woodstock – 3 Days of Peace and Music»

«Woodstock» bei den Oscars

  • Beste Dokumentation: Bob Maurice (gewonnen)
  • Bester Ton: Dan Wallin , L.A. Johnson
  • Bester Schnitt. Thelma Schoonmaker
Woodstock. Eines der Schlagwörter aus der Hippiezeit. Drei Tage lang befand sich im August 1969 ein kleiner Ort innerhalb des US-Bundesstaats New York im Ausnahmezustand. Über 400.000 Besucher, zahllose Stars der Rock- und Folkszene, Schlamm, Drogen und freie Liebe. Dieses Standardwerk unter den Konzertdokus, das arte in der 1994 erstellten Langfassung ausstrahlt, bemüht sich mit selbstbewusster Laufzeit darum, die Atmosphäre vor Ort einzufangen und einen Querschnitt der besten Auftritte zu liefern. Die 1971 in ihrer Kinofassung Oscar-prämierte Doku ist zudem ein filmtechnischer Meilenstein: Zwei der acht Cutter, die die Tonnen an gedrehtem Material sichteten, schlugen vor, mit Splitscreen zu arbeiten, um ein Mehr an Aufnahmen in den Film unterbringen zu können. Die findigen Köpfe: Martin Scorsese und dessen Dauerkollaborateurin Thelma Schoonmaker.

Samstag, 22. August, 21.45 Uhr: «George Harrison»
1.15 Uhr: «John Lennon – The One to One Concert Film»

Und nochmal Martin Scorsese: Mit spürbarer persönlicher Begeisterung und Feingespür zeichnet der Oscar-Preisträger in «George Harrison» ein sehr emotionales Porträt des Ex-Beatles. Direkt danach erfolgt eine Zeitreise ins Jahr 1972: Mit dem 'One to One'-Konzert lässt arte nochmal Lennons einzige Langperformance nach dem Aus der Pilzköpfe aufleben.

Sonntag, 23. August, 20.15 Uhr: «The Deer Hunter – Die durch die Hölle gehen»

«Die durch die Hölle gehen» bei den Oscars

  • Gewonnen: Bester Film, bester Nebendarsteller (Christopher Walken), beste Regie, bester Schnitt und bester Ton
  • Nominiert: Bester Hauptdarsteller (Robert De Niro), beste Nebendarstellerin (Meryl Streep), bestes Drehbuch und beste Kamera.
Kurz vor Schluss wird der Summer of Peace intensiv: Regisseur Michael Cimino («Heaven's Gate») drehte mit diesem dreistündigen Epos einen der fesselndsten und aufreibendsten Anti-Kriegsfilme der US-Geschichte. Robert De Niro brilliert als Michael Vronsky, einer von drei Männern aus der Provinz, die in den Vietnamkrieg ziehen und als körperliche sowie geistige Wracks zurückkehren. Christopher Walken und John Savage begeistern in den weiteren männlichen Hauptrollen, Meryl Streep erhielt (wenig überraschend) mit Recht eine Nominierung als beste Nebendarstellerin. Packende Schnitt- und einschneidende Tonarbeit machen den in drei nahezu gleichlange Akte geteilten Film (vor, während und nach Vietnam) endgültig zu einem Must-See. Schade, dass zu befürchten ist, dass um 20.15 Uhr nur eine gekürzte Fassung läuft.

Sonntag, 23. August, 23.10 Uhr: «Hair»
Nach «The Deer Hunter» ist etwas Inspiration nötig. arte ist sich dem offenbar bewusst und programmiert daher als Finale seines Friedenssommers das Hippie-Musical «Hair». Milo Formans Leinwandadaption der Flower-Power-Bühnenshow schreckt zwar nicht vor dramatischen und melancholischen Sequenzen zurück, jedoch sind unvergessliche Lieder wie 'Aquarius' so dynamisch, mitreißend umgesetzt, dass einem als Zuschauer letztlich doch nur eins bleibt: Hoffnungsvoll an die Möglichkeit des Friedens glauben. Selbst wenn die Spielszenen mitunter etwas behäbig sind: Die Kraft der Musik macht aus «Hair» einen Klassiker mit Symbolwirkung.

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