Talkcheck

Zwischen Ernsthaftigkeit und Verbraucher-Bla-Bla

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Talk-Check spezial: «Hart aber fair» war früher mal als Polit-Fragerunde der Extraklasse bekannt. Inzwischen widmet sich Frank Plasberg häufig auch sehr seichten Themen.

Es war einmal ein echter Geheimfavorit unter den Talkshows der Dritten: Frank Plasbergs «Hart aber fair» . Sachlich, faktisch und immer zu den relevantesten Themen einer Woche. Immer mittwochs, immer zur besten Sendezeit. Die Sendung war so gut, dass die Intendanten bestimmten, sie in die ARD zu bringen. Ebenfalls mittwochs, allerdings erst um 21.45 Uhr. Irgendwann wurden gar Stimmen laut, Plasberg solle den Sonntag von Anne Will erben. So kam es aber nicht: Will erbte zunächst einmal den Mittwoch von ihm und weil man sich mit Günther Jauch noch einigte, wurde Plasberg auf den Montagabend – über Monate hinweg ein quotentechnisches Sorgenkind gewesen – geschoben.

Und das stellt die Redaktion der Show bis heute wieder und wieder auf eine harte Probe. Denn jetzt ist es Jauch, der sich auf dem traditionellsten aller Talkplätze im Ersten, die wichtigen Themen rausgreifen darf. Nur wenn die in Berlin produzierte Sendung mal vom politisch relevanten Zirkus abweicht, sieht auch «Hart aber fair» eine Chance, sich an dieses Metier zu wagen. Hat Jauch die guten Themen schon geschnappt, sollen aber dennoch gute Quoten herauskommen; und deshalb hängt sich das einst hochgelobte «Hart aber fair» mittlerweile gerne mal an Verbraucherthemen auf, um die Zuschauer des 20.15-Uhr-Magazins mitzunehmen.

Und so wird über „Essen aus der Truhe“ oder „Der Kick der kleinen Preise“ geplaudert. Auch Themen wie „Mit der Kuh per Du – wie korrekt muss unser Essen sein?“ finden sich mittlerweile in der Plasberg-Show wieder. TV-Kritiker mögen das mit Bedauern hinnehmen, die Quoten sprechen eine andere Sprache. Mit 12,5 Prozent Marktanteil war der Nahrungstalk „Essen aus der Truhe“ die bis dato erfolgreichste Sendung der laufenden Saison. 3,64 Millionen Bürger schalteten damals ein. „Mit Kuh per Du“ kommt mit 10,5 Prozent ebenfalls unter die Top3.

Klassische Politthemen tun sich hier etwas schwerer: Zwar kam eine Putin-Sendung ebenfalls auf 10,5 Prozent. Lokführer-Streiks (7,6%) oder ein Talk über Waffenlieferungen Deutschlands (9,5%) taten sich aber schwerer. Durchschnittlich kam «Hart aber fair»  in dieser Saison auf 9,7 Prozent Marktanteil bei allen Zuschauern und 2,95 Millionen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist dies ein deutlicher Abschwung: Insgesamt gingen fast zwei Prozentpunkte und eine halbe Million Zuschauer verloren.

Ähnlich trifft es aber auch «Günther Jauch» : Beide profitierten im Vorjahr von den Wahlen – die Jauch-Sendung kam zwischen August und Mitte November 2013 auf mehr als 18 Prozent Marktanteil. Aktuell liegt man bei 15,9 Prozent. Lag die durchschnittliche Reichweite damals bei 5,24 Millionen, sind es nun knapp viereinhalb Millionen. Übrigens: Bei Jauch geht es ohnehin nicht immer politisch knallhart zu: Da wird Udo Reiters Freitod ebenso diskutiert wie die Frage, ob Kinderkriegen Chefsache ist. Anfang November hing man sich an einen «Polizeiruf 110»  auch thematisch dran und besprach Amokläufe innerhalb einer Familie. Mit 14,6 Prozent Marktanteil brachte dies aber erstaunlicherweise die bis dato schwächste Quote der Staffel.

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