Die Kritiker

«Helen Dorn»: Die Quotenqueen ermittelt wieder

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Die Kritiker: Der zweite Teil der im Frühjahr immens erfolgreich gestarteten «Helen Dorn»-Reihe bietet mehr Dramatik und eine kunstvoll-karge Ästhetik.

Cast und Crew

Vor der Kamera:
Anna Loos («Weissensee») als Helen Dorn, Matthias Matschke («Pastewka») als Gregor Georgi, Stephan Bissmeier («Der Fall Jakob von Metzler») als Falk Mattheissen, Ernst Stötzner («Die Pilgerin») als Richard Dorn, Barbara Auer («Verratene Freunde») als Inga Thomsen, Herbert Knaup («Hafen der Düfte») als Hans Thomsen


Hinter der Kamera:

Regie: Matti Geschonneck, Drehbuch: Magnus Vattrodt, Schnitt: Eva Schnare, Kamera: Theo Bierkens, Musik: Nikolaus Glowna und Ludwig Eckmann, Produktion: Wolfgang Cimera und Silke Schulze-Erdel
Anna Loos ist die neue Quotenkönigin des ZDF. Mit der Premiere ihrer neuen Krimireihe «Helen Dorn» lockte die auch als Sängerin tätige Schauspielerin im Frühjahr 8,01 Millionen Fernsehende an. Großartige 21,6 Prozent Marktanteil waren damals der Lohn, und da der Mainzer Sender schon vorab großes Vertrauen in das Format hatte, befand sich der zweite Fall schon fertig gedreht in der Hinterhand, zudem wurden bereits zwei weitere Fälle in Auftrag gegeben. ZDF-Fernsehspielchef Reinhold Elschot kündigte nach dem erfolgreichen Einstand der neuen TV-Ermittlerin an, dass Fall zwei eine völlig andere Richtung einschlägt, um die «Helen Dorn»-Reihe spannend zu halten. Nun ist besagter Fall endlich auf den heimischen Flimmerkisten zu sehen, und wie sich zeigt, war Elschots Ankündigung kein leeres PR-Versprechen.

So kommt «Helen Dorn – Unter Kontrolle» deutlich grimmiger daher als die Premierenfolge. Sowohl der zu klärende Fall als auch die Bild- und Klangästhetik des von Magnus Vattrodt geschriebenen, von Matti Geschonneck inszenierten Neunzigminüters weckt Erinnerungen an den Tonfall der populären, harschen TV-Krimis aus Skandinavien. Im Mittelpunkt steht eine Kindesentführung: Die Tochter des einflussreichen Unternehmers Hans Thomsen ist spurlos verschwunden und das LKA Düsseldorf tappt im Dunkeln, und dies, obwohl schwere Geschütze aufgefahren werden. Das Ermittlerduo Helen Dorn und Gregor Georgi nimmt die Familie der Verschwundenen ins Visier, ebenso wie die Nachbarschaft der angesehenen Familie. Alsbald haben die Kommissare ein mögliches Motiv gefunden: Der Unternehmer Thomsen zerstörte mit seinen Investmentfirmen einige Existenzen, was ein naheliegendes Motiv für den Täter wäre. Thomsen nimmt parallel dazu eigene Ermittlungen auf …

Die eingangs behandelte Kindesentführung ist in «Helen Dorn – Unter Kontrolle» bloß der Schlüssel zu einem thematischen Sammelsurium: Wirtschaftliche Macht wird ebenso angeschnitten wie das Tabuthema Kinderpornografie. Der zweifache Grimme-Preisträger Magnus Vattrodt wirft jedoch nicht wahllos Themen zusammen, sondern orchestriert aus ihnen einen kargen Weltentwurf, der mit böser Ironie dem Episodentitel widerspricht. Unter Kontrolle hat hier niemand etwas – weder der mächtige Patriarch, noch das LKA. Eben dieses Chaos, das entsteht, wenn sich sämtliche Parteien fälschlicherweise sicher sind, die Zügel in der Hand zu haben, wird im Drehbuch konsequent verfolgt (so sind wieder einmal die vermeintlich unwichtigsten Spuren die ausschlaggebendsten und umgekehrt), während Bild und Ton eine kantige, trübe Atmosphäre erschaffen.

Die verwaschenen Farben, die kinoreif-trübsinnige Begleitmusik und die unterkühlt-elegante Ausstattung der Schauplätze sorgen zwar für eine klare Distanzhaltung zwischen Publikum und Geschehen, sind jedoch nie so hochstilisiert, dass «Helen Dorn – Unter Kontrolle» den Bezug zur Realität verliert. Hauptdarstellerin Anna Loos legt ihre Rolle, mehr noch als im ersten Teil, entschleunigt, mit entnervter Miene und verbissenem Eifer an, ohne sie zur Karikatur verkommen zu lassen. «Pastewka»-Nebendarsteller Matthias Matschke spielt an Loos' Seite erneut kraftvoll gegen das Image seiner Comedyrollen an und findet einen spannenden Mittelweg zwischen nahbar und angespannt.

Erzählerisch gibt «Helen Dorn – Unter Kontrolle» dem Zuschauer mehrmals einen kleinen Vorsprung gegenüber den ermittelnden Figuren und zieht daraus hin und wieder dramatische Ironie, ohne dabei die Spannung des zu klärenden Falls zu opfern. Denn auch trotz zusätzlicher Hinweise gestaltet sich die Auflösung der Täterfrage als ziemlich knifflig. Eins fehlt «Helen Dorn – Unter Kontrolle» aber für den Sprung in die oberste Riege der deutschen Krimilandschaft: Noch mehr Mut. Im Vergleich zu den nordischen Krimiserien bleibt der zweite «Helen Dorn»-Teil bei seiner strengen Weltsicht dann doch zu sehr an der Oberfläche haften, er traut sich nicht, näher auf die Wurzeln des Bösen einzugehen. Aber da sich Teil zwei bereits gegenüber Part eins steigerte, wer weiß, was der dritte «Helen Dorn»-Einsatz in petto hat?

«Helen Dorn – Unter Kontrolle» ist am Samstag, den 27. September, um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

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