Hingeschaut

«Eye TV»: Albernes Puppenfest ohne Biss

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Mit der neuen Puppen-Comedy wagt sich Tele 5 erneut an ungewöhnlichen Stoff. Inhaltlich kann dieser Versuch jedoch kaum überzeugen.

Dass Tele 5-Chef Kai Blasberg große Lust auf Experimente hat, bringt ihm in der Medienbranche großen Respekt ein. Mit Peter Rütten, Benjamin von Stuckrad-Barre, Bettina Rust und Oliver Kalkofe hat er in den vergangenen Monaten einige respektable Namen an den Sender binden und den Privatsender vor der Bedeutungslosigkeit bewahren können, in die der einstige Konkurrent Das Vierte längst abgerutscht ist. Doch aus Sicht der Einschaltquoten gelingen nicht alle Wagnisse, erst kürzlich musste man nach wenigen Wochen schon wieder die neuen Animeserien am späten Montagabend absetzen. Auch das am Freitag gestartete «Eye TV», das «Kalkofes Mattscheibe» in der Sommerpause ersetzt, schreit nach der Auftaktfolge nach einem Flop.

Man versucht sich hier an einer leicht satirisch angehauchten Puppen-Comedy, in der ein von Kai Blasberg gesprochener Senderchef nach Lust und Laune zwischen fünf Formaten hin und her zappt. Parodiert werden Nachrichtensendungen, Homeshopping-Formate, Aufklärungsshows sowie das für sich sprechende Die Harald Shit Show. Das Besondere an den Puppen im Fernsehhaus Eye TV: Sämtliche Figuren zeichnen sich durch ein großes Zyklopen-Auge inmitten ihrer Stirn aus.

Wer hier jetzt auch eine bissige Satire der Marke Kalkofe hofft, wird schnell enttäuscht werden. Nur sehr oberflächlich geht es um die eigentliche Parodie typischer TV-Formate, sodass die Sendung den Fernseh-Nerd nur bedingt ansprechen wird. So sieht Harald Shit seinem großen Vorbild nur mit großer Fantasie ansatzweise ähnlich, die Gesprächsführung in seiner Late-Night-Show erinnert überhaupt nicht an Harald Schmidt und statt bissiger Pointen setzt es albernen Klamauk, der im Ansatz an die Machart der «Muppet Show» erinnert.

Da es immer schwierig ist, Humor einer qualitativen Wertung zu unterziehen, seien an dieser Stelle mal ein paar Beispiele aufgelistet, mit welchen Kalauern die Macher ihr Publikum überzeugen möchten: Bei Harald Shit ist der Tod zu Gast, welcher in einem norddeutschen Dialekt davon spricht, Justin Bieber mal kennenlernen zu wollen. Im Hintergrund sind eingespielte Lacher zu hören. In der Verkaufsshow Beauty, Blöd & Wellness möchte Dr. Sowieso einen Kaffee haben und bekommt eine umfangreiche Auswahl unterschiedlicher Kaffeesorten vorgestellt. Im Popo Club sprechen zwei Figuren in Latexanzügen über ihre guten Vorsätze, nicht ohne regelmäßig in die Fäkalsprache abzudriften. Und in Kauf das! möchte ein vergesslicher Handwerker wahlweise nichts, fast nichts oder überhaupt nichts an den Mann bringen.

Wer bei dieser Aufzählung zumindest einmal ob des kreativen Einfalls schmunzeln muss, könnte mit der Sendung durchaus warm werden und sollte entsprechend zumindest mal einen Blick riskieren. Kann man sich hingegen nicht einmal ein bemühtes Lächeln abringen ob des eher infantilen Humors, wird man wohl keine allzu große Freude an diesem Versuch haben, Puppen-Comedy auch einem älteren Publikum nahe zu bringen. Ausgerechnet der erste Clip bei Harald Shit nimmt dann auch noch gut fünf Minuten Sendezeit ein, sodass der Zuschauer ausreichend Zeit hat, bei Langeweile bereits umzuschalten, bevor er die Mehrzahl der Figuren überhaupt zu sehen bekommt. Zumindest verpasst er nicht allzu viel, denn hinsichtlich des Grundtons ähneln sich alle Mini-Sketche sehr.

Insgesamt ist «Eye TV» sicher kein Format für die breite Masse, da der Witz sehr speziell ist und sehr wahrscheinlich nur einen Bruchteil der potenziellen Zuschauer wirklich erreichen wird. Wer den bösen, bissigen Humor eines Oliver Kalkofe vermisst, wird hier kaum seine Freude haben, auch Kenner der Fernsehbranche werden weniger angesprochen als im Vorfeld vermutet. Somit bleibt nach Sichtung der ersten Folge doch der Eindruck haften, dass viel Potenzial verschenkt wurde zugunsten einer albernen Puppen-Show, die es schwer haben dürfte, ihr Publikum zu finden.

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