Die Kino-Kritiker

«Fatman» – Tod dem Weihnachtsmann

von   |  2 Kommentare

Da die Kinos in Deutschland geschlossen sind, wird «Fatman» nun auf Blu-Ray und per Stream verkauft. Lohnt sich ein reinschauen?

O, nein, der Weihnachtsmann ist nicht totzukriegen! Schon gar nicht jetzt, wo die ersten Adventskerzen angezündet werden, muss sich mindestens ein bärtiger Typ im roten Gewand auf der Leinwand tummeln. Schade nur, dass alle Kinos in diesem Jahr geschlossen sind und die Bescherung woanders stattfinden muss. Nämlich zuhause, um sich auf einen der diversen Streaming-Plattformen mit entsprechenden Filmen in weihnachtliche Stimmung zu bringen.

Dahin hat sich nun auch Mel Gibson als «Fatman» verirrt – ein Actionkracher, der ursprünglich im Kino anlaufen sollte, aber wegen seiner weihnachtlichen Botschaft hätte es kein Sinn gemacht, ihn in den Januar oder Februar zu verschieben. Das Thema wäre dann durch gewesen und keiner hätte sich mehr dafür interessiert, Mel Gibson beim Geschenkeverteilen beizuwohnen. Es versteht sich von selbst, dass man dem einstigen Actionhelden («Mad Max») den kugelrunden lieben Nikolaus mit rosa Bäckchen niemals abnehmen würde. Weshalb der heute 64-Jährige einen völlig anderen Weihnachtsmann verkörpert, der so gar nichts mehr mit den Typen zu tun hat, die sonst alle Jahre wieder mit angeklebtem Bart durch die Filmlandschaft spuken. So viel sei aber schon verraten: Mel Gibsons Bart im Film ist echt!

Der Racheakt eines Kindes
Mit seinen 12 Jahren ist der verzogene Billy (Chance Hurstfield) schon ein richtiger Tyrann aus reichem Hause. Dass er die Unterschrift seiner Großmutter fälscht, könnte man noch durchgehen lassen. Dass er aber die Hausangestellten schikaniert und eine Schulkameradin foltert, kann Chris Cringle (Mel Gibson) nicht durchgehen lassen. Als amtierender Weihnachtsmann muss er den Jungen bestrafen, der statt eines Geschenks ein Stück Kohle unterm Christbaum findet. Wutentbrannt schwört er Rache und heuert einen Auftragskiller (Walton Goggins) an.

Santa Claus muss unter allen Umständen eliminiert werden. Der hat indes ganz andere Sorgen. Weil es immer weniger artige Kinder gibt, wird ihm der Etat für die Gaben gekürzt. Damit seine Elfen, die bisher nur Spielzeuge in ihrer Fabrik herstellten, aber nicht arbeitslos werden, hilft nur ein dubioser Waffen-Deal mit dem US-Militär. Noch kann Chris nicht ahnen, dass ihm ein Killer auf den Fersen ist, der vor nichts zurückschreckt. Im tiefsten Schnee stehen sich die beiden Männer plötzlich gegenüber und ein blutiger Showdown beginnt.

Grotesk, wild und fett
Fatman klingt wie ein Schimpfwort für den Weihnachtsmann, weil er so fett ist - und gewiss ist es im Film auch so gemeint. ‚Fat Man‘ war aber auch der Deckname für die 1945 entwickelte Atombombe, die über Nagasaki abgeworfen wurde – aufgrund ihres voluminösen Aussehens. Das passt wiederum zu den dubiosen Geschäften, die der Weihnachtsmann hier mit dem amerikanischen Kriegsministerium betreibt. Ob diese Doppeldeutung beabsichtigt ist oder nicht, es klingt alles ziemlich crazy und das Publikum bekommt einen Weihnachtsfilm vorgesetzt, wie es ihn noch nie gesehen hat.

«Fatman» ist weder eine Komödie, die sich über weihnachtliche Rituale lustig machen will, noch ein Actionreißer, der das Fest der Liebe in den Untergang treiben will. Dennoch bedienen die Regie-Brüder Eshom und Ian Nelm, die mit ihrem dritten Spielfilm erstmals den deutschen Filmmarkt bereichern, beide Genres und kriegen dabei eine aufregende Mischung hin, die neugierig macht, wohin das alles führen wird.



Eine zynische Abrechnung
Gibson spielt seine Rolle wie ein raubeiniger Naturbursche, der inzwischen völlig desillusioniert ist und sich auch schon mal einen hinter die Binde kippt. Walton Goggins («The Hateful 8») hat es wohl seinem schurkischen Blick zu verdanken, dass er immer wieder für derartige Rollen angefragt wird, und Kinderstar Chance Hurstfield («Good Boys») hat sichtlich Freude daran, einen der ekelhaftesten Rotzlöffel der Filmgeschichte zu mimen. Wem das alles zu grotesk ist, weil ihr oder ihm das größte Christenfest heilig ist, muss von «Fatman» abgeraten werden. Denn es ist eine zynische Abrechnung mit allem, was man an Weihnachten hassen kann. Aber aufgepasst: So ernsthaft das Ganze auch gespielt ist, sollte man es nicht hinnehmen. Am Schluss zählt der Spaß, sich auf einen solchen wilden Ritt einzulassen.

Fazit: Der groteske Plot bietet viel schwarzen Humor und beschert uns einen Weihnachtsfilm, der uns das Fest alles andere als versüßen will.

Fatman [DVD] ist käuflich erwerblich, kann aber auch gestreamt werden.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Torsten.Schaub
08.12.2020 12:10 Uhr 1
Wer hier andauernde Action erwartet, liegt Falsch. Erst in den letzten 20 Minuten wird etwas geboten. Der Film ist wirklich etwas Grotesk. Er ist anders und deshalb Interessant. Santa Claus lebt hier ein (eigentlich) völlig normales Familienleben. Er hat Geldprobleme und ist nicht immer der fröhlich, dicke Rauschebart. Und dennoch ist Santa Claus, der, den wir kennen. Mit Schlitten, mit Elfen usw. Das nun ein Killer auf ihn angesetzt ist, macht sein Leben nicht leichter wobei der Deal mit der US-Army die Geldprobleme zumindest verschwinden lässt. Ein paar, teils lustige Ideen mischen den Film auf, auch wenn es keine echten Schenkelklopfer sind. Es ist eben der etwas andere Film der am Ende eine knallharte Schießerei bietet. Reinschauen sollte man mal, auch wenn er teils mal etwas Langatmig daher kommt.
Sentinel2003
11.12.2020 09:06 Uhr 2
Ich würde mal schätzen, dass du hier fast den ganzen Film in Kurz Form erzählst!! Ich wollte null wissen, das die Action erst in den letzten 20 min. kommt!!! Das ist nicht gerade hilfreich :grimacing: :relieved: , wenn man - bzw. ich den Film noch sehen möchte!! Kennst du das Dingens mit "Spoiler - tags" - den "Inhalt verbergen"?? Mach das bitte demnächst bei einem Film, der gerade erst neu gestartet ist!!

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