Die Kritiker

«Danowski - Blutapfel»

von

Mit Adam Danowski schickt das ZDF einen neuen Ermittler auf Basis einer Bestseller-Vorlage ins Rennen. Überzeugt das Debüt?

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Milan Peschel als Adam Danowski
Andreas Döhler als Andreas "Finzi" Finzel
Emily Cox als Meta Jurkschat
Peter Schneider als Oliver Wiebusch
Sebastian Rudolph als Rüdiger Bressin
Felix Goeser als Knud Behling
Isabella Parkinson als Tracy Harris

Hinter der Kamera:
Produktion: all-in-production GmbH
Drehbuch: Anna Tebbe
nach dem gleichnamigen Roman von Till Raether
Regie: Markus Imboden
Kamera: Martin Farkas
Produzentin: Annette Reeker
Auf den ersten Blick macht Adam Danowski (Milan Peschel) nicht den kompetentesten Eindruck. Auch nicht auf den zweiten. So unbeholfen und phobisch wie Adrian Monk, aber ohne dessen geniales Kombinationstalent, stapft er durch Tatortbegehungen wie Zeugenbefragungen, und wäre da nicht seine reizende Kollegin Meta Jurkschat (Emily Cox), die sogar bei seinen Louis-de-Funès-Witzeleien mitspielt, würde er mit seinem einfältigen Blick und seinem ostigen Schnurrbart noch awkward-er und absurder wirken.

Man kann also verstehen, dass die Hamburger Polizei einen besonders aufwendigen Fall lieber in die Hände eines markanten und adretten Kollegen mit aufdringlichem autoritärem Gehabe gäbe, der zudem den Szenesprech der Unterwelt draufhat. Vokabel des Tages: Paprikalude, der: Aus Ungarn stammender geschäftsführender Zuhälter eines umfangreichen Prostitutionsrings.

Als im Elbtunnel ein Anschlag mit tödlichem Ausgang auf einen IT-Berater ausgeführt wird und der Täter völlig unentdeckt vor Hunderten Zeugen fliehen kann, wird Danowski jedenfalls erst spät zum Mann der Stunde, nachdem sich der Kiez-Rivale so weit in seine Unterweltsfantasien verrannt hatte, dass sich sogar die einfältigsten Verbrecher über ihn lustig machten. Den pittoresken Anschlag mit Tränengas und nachhallenden Schüssen im imposanten Hamburger Bauwerk bekommen wir jedoch nicht zu sehen – ob aus dramaturgischen, logistischen oder (eher wahrscheinlich) Budget-Gründen, sei dahingestellt.

„Blutapfel“ zieht uns dagegen raus in den Speckgürtel, wo der abgemurkste IT-Spezialist in einem schnicken Viertel mit zeitschaltuhrgesteuerten Rasensprengern, gutbürgerlichen Backsteinfassaden und neurotischen Bewohnern gelebt hatte. Danowskis Frau findet die Gegend und das Leben zwischen Streuobstwiesen und nachbarlichen Grillnachmittagen so großartig, dass sie direkt dahin ziehen will. Doch Danowski ist trotz seines provinziellen Anscheins eher ein Großstadtmensch.

Die in diesem Film verhandelten Konflikte sind bestenfalls überschaubar bedeutsam: Dabei kann das auf der literarischen Vorlage von Till Raether basierende Drehbuch zwar durchaus mit einigen kecken Einfällen aufwarten – doch sie werden nie zu einer kohärenten Geschichte verwoben, die etwas von Wert zu erzählen hätte. Ebenso wenig können Adam Danowski und die Figuren aus seinem Umfeld eine starke Zuschauerbindung hervorrufen. Seine Schrullen sind eben nur Schrullen, und keine klug platzierten Impulse, die einen Schatz an psychologischer Vielschichtigkeit oder einen spannenden, neuen Blickwinkel unter der Oberfläche erwarten ließen. Kein Sherlock Holmes, kein Gregory House, sondern eben: irgendein wahlloser, etwas tatteriger Typ. Im Ergebnis steht eine konsternierte Beliebigkeit, wie sie in den hübschen Vororten, in die uns dieser Film hin mitnimmt, eigentlich die Normalität ist. Zumindest vor den Fassaden. Dahinter lässt uns «Danowski» ja nie blicken.

Das ZDF zeigt «Danowski – Blutapfel» am Montag, den 9. Dezember um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/114255
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