Die Kritiker

«Tatort - Querschläger»

von   |  1 Kommentar

Ein Drehbuch mit der Zielgenauigkeit eines Querschlägers: Milan Peschel gibt den treusorgenden Vater, Wotan Wilke Möhring den mitfühlenden Polizisten.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke
Franziska Weisz als Julia Grosz
Milan Peschel als Steffen Thewes
Eray Egilmez als Cem Aksoy
Deniz Arora als Efe Aksoy
Marie Rosa Tietjen als Tine Geissler
Rudolf Danielewicz als Roland Rober

Hinter der Kamera:
Produktion: Wüste Medien GmbH
Drehbuch: Oke Stielow
Regie: Stephan Rick
Kamera: Felix Cramer
Produzenten: Björn Vosgerau und Uwe Kolbe
Es ist ein Stoff, den Deutsche normalerweise aus den USA erwarten: Der gutbürgerliche Zollbeamte Steffen Thewes (Milan Peschel) hat eine schwerkranke Tochter, die er mit unter der Hand erworbenem Fentanyl vollpumpt, damit die ihre permanenten Schmerzen noch halbwegs ertragen kann. Wenn sie sich nicht bald einer hochkomplizierten OP unterzieht, wird sie Weihnachten nicht mehr erleben. Weil der Eingriff aber nur in Colorado vorgenommen werden kann, Kostenpunkt: dreihunderttausend Euro, zahlt die Krankenkasse nicht. Legale Alternativen, um an ein solches Vermögen zu kommen, scheiden aus, schließlich müsste sich ein Zollbeamter dafür lange durch Akten wühlen. Auch ein herzzerreißender Online-Spenden-Aufruf läuft ins Leere. Walter White hat sich an einem ähnlichen Punkt einen Wohnwagen angeschafft, ist in die Wüste rausgefahren und hat getan, was ein Mann tun musste. Aber in Niedersachsen gibt es keine Wüste, Steffen Thewes sieht auch nicht nach einem brillanten Chemiker aus, und verschlagen genug, um auf die Schnelle ein nicht verfolgbares, totsicheres Geldwäschesystem aufzusetzen, wirkt er auch nicht.

Also erinnert er sich an seine Zeit bei den Fallschirmjägern, zieht sich noch einmal den alten Vorgang einer LKW-Spedition mit juristisch nicht nachweisbarem Dreck am Stecken, und macht sich auf zum Autohof, auf dem dessen Fahrer immer Rast machen. Dort verschanzt er sich auf einer Anhöhe und ballert los. Eigentlich sollten es nur ein paar Warnschüsse werden, um den Druck auf den Inhaber zu erhöhen, mit den Dreihunderttausend rauszurücken. Doch ein Zufallsopfer wird von einem Querschläger getroffen.

Weil der Täter von Anfang an bekannt ist (von einer kleinen Komplizenfrage einmal abgesehen), muss sich der Spannungsbogen also aus der Frage „Wie schnappen sie ihn?“ statt „Wen schnappen sie?“ ergeben. Doch nicht nur diesbezüglich bietet sich Falke (Wotan Wilke Möhring) und Grosz (Franziska Weisz) kein sonderlich reichhaltiges Untersuchungsfeld. Ein bisschen aushorchen bei abgewirtschafteten Spediteuren, ein Besuch am Krankenbett der notleidenden Zollbeamtentochter, eine Verfolgungsjagd durch einen miefigen Keller mit einem Mann, der nichts mehr zu verlieren hat: „Querschläger“ spult die zu erwartenden Konstellationen ab wie ein Beamter die Dienstvorschriften. Was dabei niemals aufkommt: Spannung.

So oberflächlich wie das Themenfeld „Was Väter alles für ihre Töchter tun würden“ abgearbeitet wird, bleiben auch die Randaspekte „Familien mit Migrationshintergrund gehen bei sippeninternen (Mord-)Problemen nicht zur Polizei“ und die unappetitliche Unterversorgung im deutschen Gesundheitssystem bei besonders seltenen Erkrankungen. Kurz angesprochen, didaktisch das Problem vorgetanzt, einmal schnell menscheln, und ab geht’s zum nächsten Verhör. Die Zielgenauigkeit eines Querschlägers hat hier nicht nur der mordende gute Vater, sondern auch die Dramaturgie, die sich überall und nirgends verstrickt.

Das Erste zeigt «Tatort – Querschläger» am Sonntag, den 1. Dezember um 20.15 Uhr.

Mehr zum Thema... Tatort – Querschläger
Kurz-URL: qmde.de/114070
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sentinel2003
30.11.2019 15:33 Uhr 1
Möhring und Weisz waren für mich von Anfang an das perfekte Team!!

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