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Interview

«Take Two»: 'Das Material beim Fernsehen ist wie Knetmasse'

von   |  1 Kommentar

Die «Take Two»-Stars Rachel Bilson und Eddie Cibrian haben unterschiedliche schauspielerische Ansätze. Welche, verraten sie uns im Interview. Zudem sprechen sie darüber, wie sie zu den ständigen «Castle»-Vergleichen stehen.

Cast & Crew

Produktion: ABC Studios, MilMar Pictures, Tandem Communications und Studiocanal
Schöpfer: Andrew W. Marlowe und Terri Edda Miller
Darsteller: Rachel Bilson, Eddie Cibrian, Xavier de Guzman, Aliyah O'Brien u.v.m.
Executive Producer: Andrew W. Marlowe, Terri Edda Miller, Rola Bauer und Tim Hilkin
Bei manchen Serien erfahren die Hauptdarsteller weit im Voraus, was die Autoren mit den Figuren vorhaben, bei anderen dagegen wird der Cast nur Folge für Folge in Kenntnis gesetzt. Wie sieht es bei «Take Two» aus?
Rachel Bilson: Wir haben bei «Take Two» ein großartiges Arbeitsumfeld, es macht wirklich Spaß, an der Serie zu arbeiten. Denn wir haben ein sehr offenes Team, in dem man einander vertraut. Wir erfahren vieles von dem, was die Showrunner planen! Und sie haben ein offenes Ohr für Rückmeldungen vom Ensemble.

Eddie Cibrian: Wie viel wir Darsteller vorab erfahren, ist ja allgemein von Showrunner zu Showrunner unterschiedlich – aber auch die Art der Serie ist da ein entscheidender Faktor. Es gibt Serien, bei denen sich die Frage aufdrängt, wie sehr die Verantwortlichen Geheimnisse bewahren wollen. Bei «Take Two» waren die Serienschöpfer wiederum von Anfang an gesprächig, bereits als wir uns erstmals mit ihnen getroffen haben, ließen sie uns an ihrem Gedankenprozess teilhaben. Seither haben sie auch immer wieder das Gespräch mit uns gesucht, wenn sie ihre Meinung darüber geändert haben, wie diese oder jene Story verlaufen sollte.

Was hat sich denn seit den ersten Gesprächen über «Take Two» verändert?
Eddie Cibrian: Ich glaube, die Showrunner hatten zu Beginn der Serie eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie sich die Hassliebe zwischen Rachels und meiner Figur entwickeln soll. Als Seriengucker wissen wir alle ja: Diese Dynamik ist eine 'Werden sie, werden sie nicht?'-Sache. Und ich habe den Eindruck, dass die Serienmacher diese Frage zu einem bestimmten Zeitpunkt konkret beantworten wollten. Ich will ja nichts verraten … Aber als die Serie Gestalt angenommen hat und die Showrunner uns in Aktion gesehen haben, da hat sich wohl auch ihr Eindruck von unseren Figuren verändert. So etwas kommt vor. Auf dem Papier wirkt etwas so, und beim Dreh, wenn sich die Dynamik am Set entfaltet, wirkt es plötzlich anders. Das hatte Einfluss auf den Tonfall der Dialoge und letztlich auch auf die Storyline.

Das Material beim Fernsehen ist wie Knetmasse, es lässt sich ständig verformen. Und in diesem Fall hat sich bei «Take Two» die Antwort auf 'Werden sie, werden sie nicht?' verformt. Wie sie ausfällt und ob sie früher oder später kommt, als man nach den ersten Folgen annehmen würde, sage ich jetzt aber nicht …

Ich tendiere dazu, den Handlungsbogen meiner Rollen nach und nach zu erfahren. So kann ich mich stärker ins Publikum hineinversetzen und auch besser in meine Figur einleben.
Rachel Bilson
Wenn Sie die Wahl haben, was sagt Ihnen mehr zu: Weit im Voraus über die Storyline in Kenntnis gesetzt werden, oder doch lieber ein wenig im Dunkeln zu tappen und Sachen Stück für Stück zu erleben, so wie Ihre Figur auch?
Rachel Bilson: Ich tendiere dann eher dazu, den Handlungsbogen meiner Rollen nach und nach zu erfahren. So kann ich mich stärker ins Publikum hineinversetzen und auch besser in meine Figur einleben. Aber wenn man mir mit Vorlauf erklären will, was meiner Figur in einigen Folgen passieren wird, beschwere ich mich auch nicht.

Eddie Cibrian: Wenn ich wählen könnte, würde ich mich stets dafür entscheiden, möglichst früh und genau in Kenntnis gesetzt zu werden. Denn schlussendlich bereiten wir uns als Schauspieler ja eh vor: Ganz gleich, wie groß der Vorlauf ist, wir bekommen den Text nun einmal vorab und sind somit unserer Figur einen Schritt voraus. Daran führt kein Weg vorbei. Es ist ja nicht so, als würde man in Echtzeit mitfilmen, wie wir, während wir unsere Figuren verkörpern, auf das Drehbuch reagieren. Ob du dich eine Nacht vorm Dreh vorbereitest oder drei Wochen vorher – es ist und bleibt so, dass du einen Vorabprozess hast. Und für mich persönlich ist es stets besser, mehr Vorbereitungszeit zu haben.

«Take Two» ist ja eine internationale Koproduktion – aber hat das überhaupt Auswirkungen auf Ihre Tätigkeit am Set? Oder ist das eine reine Hinter-den-Kulissen-Angelegenheit?
Rachel Bilson: Mir gefällt der internationale Aspekt. Ich finde es toll, dass so von Anfang an feststand, dass unsere Serie in andere Länder gelangt. So etwas finde ich aufregend. Und die internationalen Koproduktionspartner von «Take Two» haben auch großes Vertrauen in uns alle und lassen dem kreativen Prozess freien Lauf. Es ist also wirklich ein reiner Hinter-den-Kulissen-Fakt.

Eddie Cibrian: Ich habe überhaupt keine Unterschiede zu sonstigen Serien bemerkt, ich habe keine Ahnung, ob sich die verschiedenen Produktionspartner mit Memos überhäufen. (lacht) Das könnten vielleicht unsere Autoren verraten. Für uns als Schauspieler lief das alles bislang nahtlos. Wobei, einen Unterschied gibt es: Für mich ist es aufregend, was diese Koproduktion ermöglicht – wir reisen um die Welt, um sie dem Publikum vorzustellen, und das ist bei vielen anderen Serien nicht drin. Das finde ich spannend!

Frau Bilson, haben Sie sich für Ihre Rolle der Ex-Schauspielerin Sam Swift, die nun lernt, Privatdetektivin zu sein, irgendwelche Vorbilder rausgesucht?
Rachel Bilson: Nein, ich nehme mir generell keine konkreten Vorbilder für meine Rollen. Ich nehme das Material lieber so, wie es kommt, und lasse mich vom jeweiligen Moment in der Handlung tragen. Das ist einfach der Prozess, den ich für mich als den ergiebigsten gefunden habe.

Haben Sie Ambitionen, sich bei «Take Two» mal als Regisseurin zu versuchen?
Rachel Bilson: Oh … (überlegt) Eines Tages, in einer späteren Staffel. Im Moment wäre es mir dagegen zu schwer. Ich würde dann bei einer Folge Regie führen wollen, in der meine Rolle möglichst wenig vorkommt, damit ich mich intensiver auf das Inszenieren konzentrieren kann. Ich finde den Serienkiller-Storybogen in «Take Two» sehr spannend, ich denke, ich würde mich mit ihm mehr befassen. Das wäre interessant.

Herr Cibrian, was fällt Ihnen schwerer: Gastrollen in Serien, schließlich müssen Sie sich da in ein eingespieltes Team integrieren, oder das Spielen einer Hauptrolle, wo mehr Verantwortung auf Sie fällt?
Eddie Cibrian: Es sind beides Herausforderungen, mit ihren eigenen Vorzügen und Nachteilen. Es ist genau so, wie Sie sagen. Als Gastdarsteller kommt man als "Fremder" in eine bestehende Arbeitsumgebung, und weiß genau, dass man nur diese eine Story mit den Leuten erzählt – und dennoch will man sich bestmöglich einfügen und vorbereiten. Das kann ein komisches Gefühl sein. Als Hauptdarsteller einer neuen Serie fällt das weg, man spielt sich zusammen mit allen Anderen ein, doch dafür ist man für einen langen Zeitraum jeden Tag da, oft zwölf bis 14 Stunden lang, und muss trotzdem die Energie bewahren, die man anfangs zutage gelegt hat. Ich weiß nicht, was ich davon schwieriger finde. Es hat beides seine Tücken – aber auch seine Reize.

Kritiken zu lesen fällt mir immer sehr schwer.
Eddie Cibrian
Sind Sie jemand, der Kritiken liest, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie das Projekt aufgenommen wird?
Eddie Cibrian: Nein, Kritiken zu lesen fällt mir immer sehr schwer. Wenn die Kritiken rauskommen, ist die Arbeit ja auch schon getan, also könnte ich nicht einmal was aus ihnen ziehen, mit dem sich das Projekt verbessern könnte. Es gibt ja immer Leute, denen es gefällt und denen es missfällt, Meinungen sind vielfältig und da wüsste ich nicht, nach wessen Meinung ich mich richten sollte. Ob ich mit einem Projekt zufrieden bin oder nicht, mache ich daher davon abhängig, wie wohl ich mich beim Schauspielen fühle, wie ich zu dem Stoff stehe und ob ich mit Menschen zusammenarbeiten kann, die ich mag. Das ist jedenfalls mein Ansatz.

Im Vorfeld hat die Presse die Parallelen zwischen «Take Two» und «Castle» stark unterstrichen, wohl nicht zuletzt auch, weil sich beide Formate die Serienschöpfer Andrew W. Marlowe und Terri Edda Miller teilen. Was würden Sie jemandem entgegnen, der sagt "Ich muss «Take Two» nicht gucken, ich kenne ja schon «Castle»"?
Rachel Bilson: Ich würde unterstreichen, dass es zwei völlig unterschiedliche Serien sind. Sie haben eine verwandte Tonalität, doch die Figuren und die Situationen, in die sie geraten, könnten nicht unterschiedlicher sein. Man könnte sich an der Gemeinsamkeit aufhängen, dass es in beiden Serien Hauptfiguren unterschiedlichen Geschlechts gibt, die sich stets anziehen und wieder abstoßen. Aber das lässt sich über fast jede Serie sagen. «Take Two» und «Castle» spielen in unterschiedlichen Welten – daher sollten alle, die denken, die Serien seien zu ähnlich, einfach einschalten, um sich selber davon zu überzeugen, wie anders sie letztlich sind.

Sind die oberflächlichen Vergleiche zwischen «Take Two» und «Castle», die getätigt wurden, in Ihren Augen von Vorteil für Ihre Serie? Oder sind sie von Nachteil, da Sie nun gegen voreingenommene Meinungen kämpfen müssen?
Eddie Cibrian: Ich denke nicht, dass das von Nachteil ist. Im Gegenteil. «Castle» war eine sehr beliebte Serie, und Leute, die Fans dieser Tonart waren, dieses Geplänkels zwischen Profi in Sachen Ermittlungsarbeit und einer Person mit Medienhintergrund, die werden durch diese Vergleiche natürlich hellhörig und denken sich: "Oh, vielleicht ist auch «Take Two» eine Serie für mich." Und wenn sie daher einschalten, freut uns das – und wenn wir deren Erwartungen erfüllen, freut uns das umso mehr.

Gleichzeitig wird ja noch immer sehr früh deutlich, dass die Welt, in der «Take Two» spielt, nicht dieselbe ist wie die von «Castle», und die Dynamik zwischen den Hauptfiguren ist ebenfalls anders. Nicht nur, weil Rachel eine Schauspielerin spielt, die ihre Höhen und Tiefen durchgemacht hat, sondern auch, weil ich in meiner Rolle des Privatdetektivs eine ganz andere Herangehensweise ans Ermitteln mitbringe als aus Polizeiserien gewohnt. Unsere Figuren haben weniger Rechte in diesem Metier, und müssen daher ganz andere Wege finden, was den Storys einen eigenen Dreh verleiht.

Kommen Sie angesichts Ihrer Arbeit im Schauspielgeschäft überhaupt dazu, selber Filme und Serien zu schauen?
Rachel Bilson: Leider nicht so häufig, wie ich es gerne hätte. Ich vermisse es, regelmäßig ins Kino zu gehen und gepflegt Serien zu verfolgen. Ich würde so gerne mehr Zeit dafür finden, habe aber leider noch keine Lösung gefunden, wie ich das in meinen Alltag integrieren könnte.

Vielen Dank für das Gespräch.
«Take Two» ist ab dem 29. August 2018 immer mittwochs um 20.15 Uhr bei VOX zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/103362
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Sentinel2003
29.08.2018 14:47 Uhr 1
Sehr schönes Interview! 8)

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